Die Kinder stürmen in den Festsaal, auf Füßen oder auf Rädern. Die meisten der Acht- bis Vierzehnjährigen von der Waldschule in Wiener Neustadt sitzen im Rollstuhl. Nur wenige unter ihnen können laufen. An diesem Februartag werden sie einen Spielzeugroboter kennenlernen, den Forscher speziell für sie gebaut haben. Sie drängen sich um Andreas Hochgatterer, als dieser das sieben Kilogramm schwere Vehikel auspackt, das mit seinem Bauch auf vier Rädern und dem Kopf an einen Käfer erinnert. „Wie heißt der denn?“, fragt ein Junge. Hochgatterer, Ingenieur für Nachrichtentechnik und Elektronik von den Wiener Austrian Research Centers, der sich für die Arbeit mit den Kindern zusätzlich zum Erziehungswissenschaftler hat ausbilden lassen, wird verlegen. An einen Namen haben er und seine Kollegen nicht gedacht.
Der anonyme Roboter ist der Prototyp eines Hightech-Spielzeugs, das eigens für behinderte Kinder erfunden wurde. Im Herbst wollen Ingenieure aus sechs EU-Ländern ein fertiges Modell präsentieren. Die Europäische Kommission hat das Team dafür im Projekt IROMEC (Interactive RObotic social MEdiators as Companions) mit 3,2 Millionen Euro ausgestattet.
Der Roboter summt leise und rollt los. Zwei Kinder folgen sofort im Rollstuhl, holen ihn ein, andere rutschen hinterher, klatschen in die Hände und lachen. Als der metallene Gefährte stehen bleibt, fasst ihn ein Junge an, streicht über den Monitor und liebkost ihn. Ein anderer stößt mit dem Roboter zusammen. Nicht weiter schlimm, die Maschine weicht aus.
Einige Kinder, darunter Marietta, sitzen scheu am Rand und schauen dem Treiben aus sicherem Abstand zu. Marietta ist Autistin. Sie tut sich schwer, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Meistens spielt sie allein, in sich versunken. Ärzte gehen davon aus, dass sie ihre Umwelt in einer Fülle von Details wahrnimmt, ohne das Wesentliche herauszufiltern. Schätzungen zufolge leidet jedes 60. Kind in Deutschland an der Entwicklungsstörung Autismus. Das Geräusch eines Reißverschlusses nimmt ein autistisches Kind genauso intensiv wahr wie das Läuten der Schulglocke. Doch welchem Laut soll es Aufmerksamkeit schenken und welchem folgen? Die Betroffenen sind mit der komplexen Realität oft überfordert und vereinsamen zusehends, wenn ihnen nicht geholfen wird. „Das Schlimme ist, dass der Mangel an sozialer Interaktion auch ihre Entwicklung beeinträchtigt“, erklärt Karin Schumacher, die als Psychotherapeutin in Berlin autistische Kinder betreut. Die IROMEC-Forscher wollen gerade sie mit ihrem elektronischen Gefährten aus der Isolation befreien. Doch Marietta spielt nicht mit. Zunächst.
Die Lehrerin schaltet sich ein. Alle fünfzehn Schüler sollen einen Kreis bilden, um gemeinsam mit dem Roboter zu spielen, dem verschiedene Spiele einprogrammiert wurden. Eines lautet „Turn taking“. Ein Mitspieler dreht den Roboter herum, entweder mit den Händen oder per Knopfdruck, und schickt ihn zu einem anderen Kind, ähnlich einem Ball, der im Kreis hin und her geworfen wird. Als die Lehrerin Marietta fragt, ob sie einen Pass wagen möchte, bleibt deren Gesicht wie so oft reglos. Doch schließlich siegt die Neugier. Zweimal sendet sie den Gefährten zu einem Mitschüler. Der Roboter bedankt sich mit einem Smiley auf dem Bildschirm.
Lars, ein querschnittsgelähmter Junge, der sich nur langsam auf den Knien rutschend fortbewegen kann, ist ganz vernarrt...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 05/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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