Onkologen haben Lieber auch noch andere Anwendungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Weil die Nanokomponente ihre Ergebnisse in Echtzeit liefern kann, könnte sie auch zur Effizienzermittlung von Krebsmedikamenten genutzt werden. Derzeit richtet sich die Menge eines verwendeten Wirkstoffes schlicht nach dem Gewicht des Patienten, wie Lieber erklärt. Jeder Mensch reagiere aber auf verschiedene Medikamente anders. Mit Liebers Nanokomponente ließe sich die Dosierung nun aber "feinabstimmen, um die Behandlung deutlich effektiver zu gestalten".
Lieber und seine Forschergruppe haben bereits getestet, ob ihre Nanokomponente Krebsmarker in menschlichem Blut erkennen kann. Leicht ist diese Aufgabe nicht: Die Zielproteine besitzen eine Konzentration, die ungefähr eine Milliarde mal geringer ist als die von Hintergrundproteinen, die ebenfalls im Serum schwimmen. Auch beim Bau der Nanodrähte muss scharf darauf geachtet werden, dass sie wirklich zuverlässig arbeiten.
Wie schnell könnte ein Nano-Krebs-Detektor nach Liebers Methode verfügbar sein? Das hänge vor allem davon ab, wie bald man eine Technik entwickelt, um die Nanokomponente in Massenproduktion herzustellen. Die grundlegenden wissenschaftlichen Probleme sind laut Lieber jedoch gelöst: "Wenn der Test günstig genug ist, werden sich die Leute dieses Diagnosekit regelmäßig kaufen. Sie könnten dann sofort überprüfen, ob sie eine Form von Krebs entwickeln. Das Produkt würde einem Apotheken- oder Schwangerschaftstest gleichkommen."
Von Kevin Bullis; Übersetzung: Ben Schwan.
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