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Forscher am MIT Media Lab versuchen, ganz normale Alltagsgegenstände mit Hightech zu kombinieren. Ihre jüngste Erfindung, eine "lebendige Tapete", erlaubt die Kontrolle des Haushalts per Berührung.
Die Kontrolle vieler Geräte im Haushalt kann man im Allgemeinen als nicht sonderlich intuitiv bezeichnen: Lichtschalter sind immer genau an jenem Ort angebracht, den man vom gemütlichen Sofaplatz nicht erreichen kann, die Heizung schaltet sich stets zur falschen Zeit automatisch ab und die Fernbedienung für die Hifi-Anlage versteht vermutlich allein der Hersteller.
Wissenschaftler am MIT Media Lab wollen den Menschen in ihren heimischen vier Wänden nun zumindest teilweise mehr Kontrolle geben: Sie haben eine so genannte "lebendige Tapete" entwickelt, bei der die Oberfläche zur interaktiven Steuerung aller wichtigen elektrischen und elektronischen Objekte im Haushalt genutzt werden kann. Da sich die Wandbedeckung normalerweise stets in der Nähe des Bewohners befindet, gibt es dann auch (fast) keine Fehlgriffe mehr.
Technisch gesehen ist das Projekt recht einfach gestaltet. In die handelsüblichen Papiertapete werden zusätzliche Schichten Stahlfolie eingearbeitet. Hinzu kommt so genannte magnetische Farbe – Acryl, in dem neben den bunten Molekülen auch noch Eisenpartikel schwimmen. Anschließend werden mit leitender Farbe, die Kupferpartikel enthält, Motive aufgedruckt. All das schafft zusammengenommen Schaltkreise, die berührungsempfindlich sind. Diese werden im Anschluss mit Kontrollgeräten und Relais verbunden, die die Wohnungseinrichtung steuern – entweder per Kabel oder mittels der Nahfunktechnik Bluetooth.
So kann man dann beispielsweise beim Prototypen der "lebendigen Tapete" auf eine Pflanze drücken, um die Deckenbeleuchtung zu aktivieren oder über ein anderes Motiv die Raumtemperatur erhöhen. Für das Auge des Betrachters sieht die Tapete aus wie sonst auch: Schalter und andere den Gesamteindruck empfindlicher Designnaturen störende technische Objekte, die sonst auf der Oberfläche der Wandbedeckung montiert wären, können einfach weggelassen werden.
Ergänzt werden kann die "lebendige Tapete" auch mit zusätzlichen Steuerelementen. So überwacht der Prototyp beispielsweise die Umgebungstemperatur oder schaltet das Licht zu bestimmten Zeiten automatisch ein. "All das geschieht auf unaufdringliche und schön gestaltete Art", so die Forscher in ihrer Beschreibung.
Das Projekt wird von Leah Buechley geleitet, Dozentin für Media Arts and Sciences am MIT Media Lab. Sie ist Direktorin der "High-Low Tech Group" (HLT) an dem Medienlabor, die sich auf die Kombination von Hochtechnologien mit Alltagsobjekten konzentriert. Innerhalb der Forschergruppe entstanden unter anderem eine Quilt-Decke mit eingebauten Berührungssensoren, die beim Sticken behilflich sein kann, ein flexibles, interaktives Pop-up-Buch, ein papierbasierter Rechner und das "LillyPad Arduino"-Projekt, ein digitaler Werkzeugkasten, der den Bau weicher, stoffbasierter Computer ermöglichen soll.
"Unser Hauptziel ist es, ein breites Publikum zur Kreation ihrer eigenen Technologien zu motivieren, indem wir Rechentechnik in einen neuen kulturellen und materiellen Kontext stellen", beschreibt sich die HLT selbst. "Traditionelles Werken, Design und Computer werden eins." Technisches Detailwissen tritt dabei in den Hintergrund: Alle Einzelbestandteile sollen möglichst einfach zu bedienen bleiben.
Die "lebendige Tapete" wurde dementsprechend auch mit dem Anspruch gestaltet, dass sie einfach hergestellt werden kann. Sie besteht vor allem aus Papier, das mit herkömmlichen Druck- und Produktionstechnologien interaktiv gemacht werden kann, sagte Buechley dem "New Scientist". Auch vor einem elektrischen Schlag müsse sich niemand fürchten: Das System laufe bei 20 Volt und maximal 2,5 Ampere, wenn alle Geräte angeschlossen seien. "Man spürt bei der Berührung der Wand also nicht einmal ein Kribbeln."
Bezüglich einer Möglichkeit der Kommerzialisierung hält sich Buechley bislang noch bedeckt. Die interaktive Wandbedeckung sei aber sicher etwas, das selbst Innenarchitektur-Freaks begeistern könne, die wenig von Technologie verstünden. So glaubt die Dozentin, dass selbst eine in Sachen Elektronik eher unbegabte Frau wie die amerikanische "Home & Style"-Lady Martha Stewart ein Interesse an dieser Entwicklungsplattform zeigen könnte. "Dafür könnte die sich sicher interessieren", meint Buechley.
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