Kevin F. Kelly von der Rice University erklärt: "Der Motor unseres neuen Nanocars basiert auf Erkenntnissen von Professor Feringa, dem Leiter der Forscherguppe in Groningen. Während des Herbstmeetings der American Chemical Society haben wir das Problem mit ihm erörtert." Vincenzo Balzani, ein italienischer Pionier auf dem Gebiet der Nanotechnik, hält den niederländischen Motor für einen "wichtigen Schritt", auch wenn er noch keine Arbeit verrichte.
Diesen Mangel haben die Forscher aus den USA bei ihrem Exemplar nun behoben, denn es ist klar: Ein sich drehender Motor allein treibt kein Auto an - und sei es noch so klein. Man benötigt Bauteile, die die Kraft übertragen. In diesem Fall handelt es sich um "Beine" aus Kohlenstoffketten und "Füße", die von je einem Schwefelatom gebildet werden. Wie der molekulare Motor in das Chassis des Nano-Autos eingebaut wird, verraten die Wissenschaftler noch nicht. Dreht sich jedoch der Motor, "schaufeln" die Beine das Nanomobil auf der Oberfläche vorwärts. Derzeit arbeitet das Team von der Rice University an Messungen mit dem neuen Fahrzeug. Wenn die abgeschlossen sind, kann man mit einem detaillierten Bericht zum "Fahrverhalten" rechnen.
Was nun auf den ersten Blick vielleicht wie eine nette Spielerei aussehen könnte, besitzt für die Wissenschaftler durchaus einigen konkreten Nutzwert. "Natürlich könnte man Moleküle mit der Spitze eines Rastertunnelmikroskops hin- und herschieben, aber es ist wesentlich besser, Transporter zu haben, die sich in der gleichen Größenordnung bewegen wie die Dinge, die man transportieren möchte", sagt James Tour. Und so entwickelte man einen Nanotruck, der in der Lage ist, einzelne Atome oder kleine Moleküle zu bewegen.
Um seine Vision weiter zu verdeutlichen, bemüht Tour die roten Blutkörperchen im Menschen. Eines allein sei zwar bloß in der Lage, ein Sauerstoffmolekül zu transportieren, "aber das menschliche System kann trotzdem ganz passabel arbeiten, denn schließlich verfügt man über über die Größenordnung von mehreren 10 hoch 23 derartiger Transporteinheiten."
Übersetzt auf die Nanotrucks heißt das also: Man muss nur über genügend Miniaturlastwagen verfügen, um mit ihrer Hilfe ein weitaus komplexeres System aufbauen und betreiben zu können. Darüber hinaus erfüllen die Nanovehikel und ihr Antrieb aber noch einen viel grundlegenderen Zweck: "Wir wollen lernen, wie man Bewegung im Nanobereich kontrollieren kann", so Tour. Insofern handelt es sich bei den derzeitigen Ergebnissen also um reine Grundlagenarbeit, die noch nicht in unmittelbarer Zukunft zu konkreten Anwendungen führen wird, die aber sehr wohl hilft, das hierzu nötige Know-how zu erlangen und zu vertiefen.
(Text entnommen aus Technology Review Nr. 12/2005; das Heft können Sie hier bestellen.)
Dieser Text ist der Zeitschriften-Ausgabe 12/2005 von Technology Review entnommen. Der Artikel steht auch als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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