Forscherin Tinkle hat beispielsweise festgestellt, dass Nanopartikel durchaus unter die obere, tote Hautschicht gelangen können, wenn die Haut beim Auftragen auf eine bestimmte Art verzogen wird. Auch bei Wunden und Abschürfungen schlüpfen die Nanostoffe in untere Schichten. "Das ist seit Langem bekannt", erklärt Tinkle. Was passiert, wenn die Partikel dann in die Blutbahn gelangen, ist nach wie vor unklar. Einige Studien fanden heraus, dass kleinere Partikel schneller ausgespült werden als große. Allerdings gibt es auch die gegenläufige Annahme, dass Nanopartikel, die einmal in den Körper gelangt sind, durch den Blutkreislauf in Lunge und Gehirn geraten können, wo sie sich dann über Jahre anreichern. Über die Auswirkungen lässt sich nur spekulieren – gut dürften sie aber nicht sein.
Es wird noch dauern, bis man tatsächlich viel zur Toxizität von Nanomaterialien sagen können wird. Da sie sich aber anders verhalten als ihre größeren Geschwister, macht es Sinn, Regelungen und Bestimmungen entsprechend zu spezialisieren. Die einzigartigen chemischen und physikalischen Eigenschaften verlangen nach geschulten Kontrolleuren.
Die Kosmetikindustrie dürfte das wenig freuen. Doch ohne eine vernünftige Regulierung könnte hier ein ganzer Wissenschaftszweig in Verruf geraten. Gesundheitsgefahren, die mit dem Begriff Nano in Verbindung stehen, könnten die Stimmung in der Öffentlichkeit drehen. In Deutschland konnte man das bereits erleben, als das Dichtungsmittel "Magic Nano" bei einigen Kunden für Beschwerden sorgte – obwohl sich dann herausstelle, dass Nanotechnik damit wenig zu tun hatte. "Solche Fälle machen deutlich, was da für eine Konfusion herrscht. Was meinen die Leute mit dem Begriff Nano wirklich? Wir brauchen Transparenz auf der ganzen Linie", meint Woodrow-Wilson-Experte Maynard.
Und um auf meine Geschichte vom Anfang zurückzukommen: In Sachen Bionova bin ich mir immer noch nicht sicher, ob die Nachtcreme auf meiner Kommode nun tatsächlich Nanopartikel enthält oder nicht. Und über die eventuellen Gefahren hat mich ebenfalls niemand aufgeklärt. Über mangelnde Betreuung seitens des Herstellers kann ich mich dennoch nicht beklagen: Seit die kleine dunkelblaue Dose hier ankam, riefen mich Verkäufer von Bionova insgesamt 4-mal an – angeblich, um zu erfahren, ob ich noch Fragen hätte. Beim ersten Anruf meinte der Verkäufer, meine Haut würde in den ersten Tagen der Verwendung "gereizt" aussehen: "Außerdem kratzig und flockig." Dies komme daher, dass meine Poren geöffnet und gereinigt würden.
Bislang habe ich an der Creme allerdings nur gerochen. Viel mehr werde ich auch nicht mehr tun. Und damit wohl nie erfahren, ob der "Flockigkeit" dann schließlich eine "leuchtende Haut" folgen wird, wie mir der Verkäufer versprach. Egal wie hübsch die Dose auch ist und wie verlockend die Versprechungen über die Wirkung ihres Inhalts: Die Idee, dass da kleine Nanoteilchen in meinen Körper gelangen könnten, um Schaden anzurichten, verdirbt mir die Anwendung. Und das dürfte auch so bleiben.
Apoorva Mandavilli ist leitende Redakteurin der Zeitschrift Nature Medicine
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