Die deutsche Forschungspolitik möchte die Erfolge der USA kopieren. Doch ohne Mut zum Risiko wird das nichts.
Wer wagt, gewinnt. In keinem anderen Land prägt diese Maxime die Kultur so sehr wie in den USA. Das gilt nicht nur für die Jagd nach Dollars, sondern auch für Forschung und Entwicklung. Amerikanische Universitäten, aber auch Unternehmenslabore wie die Bell Labs haben seit jeher vermeintlich spleenigen Ideen Raum gegeben.
Manche blieben heiße Luft, andere wurden zu wichtigen Innovationen. Und auch der Staat mischte mit: Das bekannteste Beispiel hierfür ist wohl die 1958 gegründete Advanced Research Projects Agency Arpa (seit 1972 Darpa). Sie förderte von Anfang an auch Forschungsprojekte, die zunächst abseitig anmuteten und später revolutionäre Technologien wie das Internet, Hypertext-Systeme oder grafische Benutzeroberflächen anschoben.
An diese Tradition knüpft nun der US-Energieminister Stephen Chu mit der Gründung der Arpa-E an (E steht für Energy). 151 Millionen Dollar will die Agentur für die ersten 37 Projekte zu Energieeffizienz und Energietechnik ausgeben – eine zweite Förderrunde wird noch in diesem Jahr erwartet. Überraschend ist dabei nicht die absolute Höhe des Etats – die USA haben einfach mehr finanzielle Mittel als Deutschland.
Nein, spannend daran ist, dass bei diesem Ansatz das Scheitern mancher Projekte ausdrücklich einkalkuliert ist. Der Physik-Nobelpreisträger Chu weiß, dass technische Durchbrüche die Freiheit des Denkens, des Ausprobierens brauchen. Nun ist ein Mantra der deutschen Politik ja eigentlich, dem amerikanischen Vorbild nachzueifern – auch in der Forschungspolitik. Universitäten sollen so „exzellent“ wie Harvard, Yale oder Princeton sein, Innovationen so rasch am Markt umgesetzt werden wie im Silicon Valley, Forscher möglichst von Anfang an mit der Industrie kooperieren. Denn, wie es im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP heißt, „wir wollen wieder eine optimistische und technik- und innovationsfreundliche Gesellschaft werden“. Von den USA lernen, heißt also siegen lernen.
Die Frage ist nur, ob die hiesige Politik tatsächlich die ganze Lektion gelernt hat ...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 12/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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