Plastik zu Pflastersteinen

  –  Reiner Wandler

Ein Projekt in Afrika will aus Kunststoffmüll Wertstoffe herstellen, die in der Bauindustrie verwendet werden können.

Kamerun hat wahrlich keinen Mangel an Plastikmüll. Er verschandelt überall die Landschaft. Jährlich verliert das westafrikanische Land laut Angaben seines Umweltministeriums durch diesen Abfall 200.000 Hektar fruchtbaren Boden und unglaubliche 30 Prozent seines Viehbestandes. Die Tiere fressen den Abfall und verenden jämmerlich. Der ehemalige Fußballstar Roger Milla hat die jährlich anfallenden 60.000 Tonnen Plastikmüll jetzt als Rohstoff entdeckt.

Ein Projekt seiner Stiftung Cœur d'Afrique (Herz Afrikas) sammelt den Plastikmüll und stellt daraus Pflastersteine her. Die Abfälle werden dazu geschmolzen und mit Sand versetzt. Arbeiter pressen die Masse – bisher noch – von Hand mit einer Kelle in Formen. Fertig ist der Pflasterstein. Eine Lkw-Ladung Sand (20 Tonnen) reicht für die Herstellung von 300 bis 400 Quadratmeter Pflaster mit einer Dicke von fünf Zentimetern. Roger Milla, der einst bei der Weltmeisterschaft 1990 sein Kamerun ins Viertelfinale schoss, will "die Umwelt sanieren und die Lebens-bedingungen der Bevölkerung verbessern".

In der Pilotwerkstatt in der Hauptstadt Yaoundé arbeiten derzeit 50 junge Männer, die bisher alle arbeitslos waren. Sie werden zu Projektmanagern ausgebildet, um dann in 50 Gemeinden überall im Land Pflastersteinfabriken zu leiten. 2500 Arbeitsplätze könnten so innerhalb des nächsten Jahres entstehen, verspricht die Stiftung Herz Afrikas.

Derzeit werden die Pflastersteine im staatlichen Labor für Bauingenieurwesen (Labogénie) geprüft. Die Druckbelastung ist weit höher, als die nationalen Normen für Straßenbelag vorschreiben. Die Zugbelastung liegt allerdings noch bis zu 60 Prozent darunter. Millas Stiftung will dies durch Änderungen in der Mischung und Verbesserung des Herstellungsprozesses in den Griff bekommen. In absehbarer Zukunft sollen nicht nur Pflastersteine aus Plastikmüll entstehen. Die Stiftung von Roger Milla will auch Ziegel und Abwasserrohre ins Programm aufnehmen.


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