Von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen kommt kaum etwas in der Forschung an. Ist das überhaupt schlimm?
Ende 2007 haben wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Bundesregierung und Energieversorger offenbar etwas voreilig davon ausgehen, in Deutschland ab 2020 funktionierende unterirdische Endlager für Kohlendioxid zu haben. Ähnlich wie im Fall von Atommüll-Endlagern, haben wir seinerzeit argumentiert, „dürften auch Vorbereitungen für ein CO2-Endlager früher oder später auf erbitterten Widerstand stoßen“. Jetzt ist der Bundesregierung das geplante Gesetz für die Erkundung und Errichtung ebensolcher Endlager, kurz: CCS-Gesetz (Carbon Capture and Storage), tatsächlich auf die Füße gefallen: Die große Koalition konnte das Gesetz nicht durch das Parlament bringen, weil ihr in den eigenen Parteien die nötige Zustimmung fehlt. Als Hochburgen des Widerstandes erweisen sich derzeit die CDU in Schleswig-Holstein und die CSU in Bayern – in beiden Bundesländern bilden sich zurzeit rege Bürgerinitiativen gegen CO2-Endlager.
Damit Deutschland sein Ziel erreicht, die CO2-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken – also auf eine jährliche Emission von rund 600 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zu kommen –, müssen rein rechnerisch die aktuellen jährlichen Emissionen um rund 270 Millionen Tonnen CO2 vermindert werden. Eine Möglichkeit, das zu tun, bestünde darin, das Kohlendioxid bei der Verbrennung aufzufangen und in große Tiefe zu pressen, wo es sich aufgrund des Drucks verflüssigt. Als mögliche Standorte für Kohlenstoff-Endlager kämen erschöpfte Erdgaslagerstätten oder – in weit größerem Maße – „salinare Aquifere“, also Salzwasser führende Sandsteinschichten infrage, die das CO2 wie ein Schwamm aufsaugen sollen.
Etwa drei Viertel der möglichen Lagerstätten mit einer solchen Geologie befinden sich in Norddeutschland, weitere potenziell geeignete Aquifere kommen im süddeutschen Molassebecken südlich der Donau, im Oberrheingraben, in der Münsterländer Bucht, in Teilen der Niederrheinischen Bucht und im Thüringer Becken vor. Die gesamte Lagerkapazität der deutschen Aquifere wird auf etwa 20 Gigatonnen geschätzt.
Nun ist Kohlendioxid eigentlich deutlich ungefährlicher als hochradioaktiver Atommüll, dennoch ist die Bevölkerung offenbar beunruhigt. Denn dass plötzlich austretendes CO2 eine Katastrophe auslösen kann, hat sich bereits gezeigt: Im August 1986 setzte der Nyos-See in Kamerun schlagartig rund 1,6 Millionen Tonnen CO2 frei. Der Kratersee wird über eine Magmakammer mit Kohlendioxid versorgt.
Das frei gewordene Gas strömte in zwei nahe liegende Täler und tötete rund 1800 Menschen. Was die plötzliche Ausgasung ausgelöst hatte, ist bis heute nicht geklärt. Dass sich ein solcher Unfall in einem künstlich angelegten CO2-Lager wiederholt, ist allerdings höchst unwahrscheinlich – geografische Bedingungen wie am Nyos-See gibt es an keinem der möglichen Standorte. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass tiefe geologische Endlagerung von CO2 auf jeden Fall funktioniert...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 08/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
Permalink: http://heise.de/-276699