Dem „Wunder von Bern“ folgte die „Wasserschlacht von Frankfurt“: 1954 wurde die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erstmals Weltmeister, 1974 wiederholte sie im eigenen Land den Erfolg. Doch beim zweiten Mal wäre sie wohl nicht so weit gekommen, wenn nicht kurz vor dem letzten Finalrunden-Spiel ein Wolkenbruch den Rasen im Frankfurter Waldstadion in eine Seenlandschaft verwandelt hätte. Wegen des engen Zeitplans fand die Partie trotzdem statt, Deutschland besiegte die bis dahin ungeschlagenen Polen mit 1:0 und später im Finale die Niederlande.
Inzwischen schützt ein Cabrio-Dach das Frankfurter Stadion vor Wetterkapriolen. Das Olympiastadion in Peking aber, wo in diesem Sommer die Olympischen Spiele stattfinden sollen, ist trotz eines ansehnlichen Baubooms in der Umgebung immer noch nach oben offen. Die chinesische Regierung greift deshalb zu einem radikal anmutenden Mittel: Ihr 1500 Mann starkes „Wetterveränderungsbüro“ soll mit Flugzeugen und Raketen dafür sorgen, dass die Spielstätte zuverlässig trocken bleibt. Damit rücken Technologien wieder in den Fokus, von denen lange Zeit wenig zu hören war.
In Peking liegt die durchschnittliche Regenwahrscheinlichkeit im August bei 50 Prozent – Niederschläge könnten also gut und gern den Olympia-Athleten Schwierigkeiten machen und den bis zu 91000 Zuschauern im „Vogelnest“ genannten Stadion die Laune verderben. Um das zu verhindern, hat das Wetterveränderungsbüro einen dreistufigen Plan ausgearbeitet. In Stufe eins wird die Situation genau beobachtet. Satelliten, Flugzeuge und Radaranlagen speisen ihre Daten in einen IBM- Supercomputer der Modellreihe p575, den die Behörde im vergangenen Jahr gekauft hat. Die Maschine kann 9,8 Teraflops an Leistung bringen und baut damit ein Modell der 44000 Quadratkilometer großen Region, das im Stundentakt detaillierte Vorhersagen liefert.
Stufe zwei des Plans beinhaltet zwei Flugzeuge und ein Arsenal von 20 Artillerie- und Raketenabschussplätzen rund um Peking. Von hier aus wollen die Wetteringenieure Trockeneis oder Silberjodid in herannahende Wolken schießen. Im Idealfall können die dadurch zum Abregnen gebracht werden, bevor sie dem Stadion allzu nahe kommen. Sollte das nicht helfen, setzt Stufe drei ein: Jede regenreiche Wolke in der Nähe des Vogelnestes wird mit Chemikalien angegangen, die die darin enthaltenen Tropfen verkleinern sollen....
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 07/2008 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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