Mochten Meister oder Techniker noch so große fachliche Fähigkeiten haben – der Zugang zum Studium war ihnen lange verwehrt. Nun öffnet sich ein Ausweg aus dieser Sackgasse.
Es ist später Samstagnachmittag an der Hochschule Aalen. Im Hörsaal 121 hält Professor Bernd Schröder eine Vorlesung über die Grundlagen der Werkstoffkunde. 45 Tonnen Rohstoffe verbrauchen die Deutschen pro Kopf und Jahr, erfahren die Studenten. „Diesen Verbrauch zu verringern, ist eine typische Aufgabe für einen Ingenieur“, doziert Schröder.
Würde diese Aussage in anderen Vorlesungen wahrscheinlich nur kopfnickend zur Kenntnis genommen, bekommt sie hier sofort ein lebhaftes Echo aus der Praxis. Auf den Bänken sitzen nämlich Menschen, die mitten im Beruf stehen. Einer von ihnen erzählt, wie bei seinem Arbeitgeber mittels Recycling Rohstoffe zurückgewonnen werden, ein anderer berichtet von einem neuen Produktionsverfahren in seiner Firma, das deutlich weniger Material verbraucht als zuvor.
Zwei Drittel der 25 eingeschriebenen Studenten, die hier in Aalen berufsbegleitend für den Abschluss „Bachelor-Ingenieur“ lernen, hätten noch vor Kurzem keine Chance gehabt, einen akademischen Titel zu erwerben: Sie sind zwar Meister oder Techniker, haben aber weder Abitur noch Fachhochschulreife. Die bisher vorgezeichnete berufliche Sackgasse war nicht nur für die Betroffenen ärgerlich – auch der Wirtschaft ging dadurch ein großes Reservoir an qualifiziertem Personal verloren.
Dass die Praktiker nun dennoch studieren können, geht auf eine verwickelte Vorgeschichte zurück: Bereits 2007 empfahl die Kultusministerkonferenz ...
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