Das ist doch einmal eine Wachstumsstory. Mitarbeiterzahl: plus 250 Prozent; Produktion: plus 400 Prozent; Umsatz: plus 550 Prozent; Betriebsergebnis: plus 900 Prozent – und das alles innerhalb der letzten drei Jahre. Diese beeindruckenden Zahlen gehören zur 1999 gegründeten Q-Cells AG mit Sitz in Thalheim in Sachsen-Anhalt, die sich seit diesem März obendrein mit dem Titel des größten Solarzellen-Herstellers der Welt schmücken kann. Auch anderen Unternehmen der boomenden Photovoltaik-Branche geht es kaum schlechter.
Allerdings haben all die Erfolgsgeschichten einen entscheidenden Schönheitsfehler: Sie tragen sich nicht selbst, sondern beruhen auf einer Subventionspolitik, die deutsche Stromkunden inflationsbereinigt mit bislang mehr als 20 Milliarden Euro Zusatzausgaben in die Pflicht genommen hat – gesparter konventioneller Strom schon herausgerechnet. Ohne radikale Änderungen dürfte die Belastung in den nächsten Jahrzehnten locker die 100-Milliarden-Grenze überschreiten.
Der Grund dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es verpflichtet die Netzbetreiber, Strom aus nicht-fossilen Quellen zu einer von der Politik festgelegten Einspeisevergütung aufzukaufen. Die Kosten dafür – derzeit etwa ein Cent für jede in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde – werden auf alle Stromkunden umgelegt. Da aber die Einspeisevergütung für 20 Jahre ab der Inbetriebnahme jeder Anlage fest zugesagt ist und das deutsche EEG obendrein als weltweit einziges den Zuwachs nicht deckelt, ist es in seiner heutigen Form ein Fass ohne Boden.
Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs Umwelt und Ressourcen beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), hat mit seinen Kollegen berechnet, welche Summen so zusammenkommen. Ergebnis: Würde die bislang geltende Regelung mit jährlich moderat sinkender Vergütung auch nur bis 2010 fortgesetzt, ergäben sich für Photovoltaik Zusatzkosten von mehr als 60 Milliarden Euro. Die Fachzeitschrift „Photon“ hält diese Zahlen noch für zu konservativ, weil sie einen zu geringen Anstieg des Solarstroms unterstellten, und spricht von 77 Milliarden Euro bis 2010.
In der Tat rechnet die RWI-Studie für 2007 noch mit maximal 3,05 Terawattstunden (TWh) Solarstrom. Tatsächlich waren es aber 3,5 TWh. Das Beispiel zeigt, wie empfindlich die Berechnung für unterschiedliche Voraussetzungen ist. Technology Review hat deshalb einen Rechner ins Web gestellt, der die Solarsubventionen mit frei wählbaren Annahmen ermittelt (www.technologyreview.de/solarrechner).
Sind die vielen Milliarden wenigstens gut angelegt? Photovoltaik-Freunde argumentieren, dass das Geld ja nicht verschwinde, sondern in den Wirtschaftskreislauf eingeht ...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 06/2008 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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