23.09.09
Industrie | Innovation

Spielend forschen

Von Constanze Hübner

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Kinder beim Spielen und Entdecken

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Deutschland fehlen Technikfachkräfte. Eine fünfteilige TR-Serie stellt beispielhafte Initiativen vor, die zeigen, wie sich dieser Mangel beheben lässt.

Teil 1: Frühkindliche Erziehung. Kinder sind die geborenen Entdecker – werden von überforderten Erziehern und Lehrern aber oft ausgebremst. Die Frühpädagogik-Pionierin Professor Hilde Köster verrät, wie es besser geht.

Seit sechs Jahren gibt es eine – allerdings freiwillige – akademische Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher. Mittlerweile existieren deutschlandweit rund 50 solcher Studiengänge, 20 weitere sind in Vorbereitung. Naturwissenschaftliche, technische und mathematische Inhalte sind bisher nur in wenigen Studiengängen aufgenommen. Hilde Köster ist eine der Pionierinnen in diesem Bereich. In Deutschland war sie die erste Hochschullehrerin mit einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Professur in diesem Gebiet. Seit April 2009 ist Hilde Köster Professorin für Frühe Bildung und Sachunterricht mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften, Technik und Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

TR: Frau Professor Köster, warum beschäftigen Sie sich mit der naturwissenschaftlichen und technischen Bildung in der frühen Kindheit?

Prof. Hilde Köster: Wir haben Wissenschaftler gefragt, wann ihr Interesse für die Wissenschaft geweckt worden ist. Bei rund 80 Prozent war das in der Kindheit – etwa dadurch, dass sie sich über natürliche Phänomene gewundert haben, sie einen Experimentierkasten geschenkt bekommen oder die Eltern sie angeregt haben. Wenn die Kindheit vorbei ist, ist es viel schwerer, noch Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern zu wecken. Was für Chancen da vergeben werden! Hat ein Kind aber früh genug eine neugierige, offene Haltung gegenüber Naturphänomenen erlernt, geht die auch nicht so schnell wieder verloren. Das muss ja noch nicht zur Folge haben, dass aus diesen Kindern nur Naturwissenschaftler oder Techniker werden. Aber überhaupt die Chancen bei den Kindern zu wahren, das ist ein wichtiges Anliegen von mir.

Muss das denn tatsächlich schon im Vorschulalter sein?

Kleine Kinder muss man gar nicht an Naturwissenschaften heranführen, sie bringen eine forscherische Haltung und sogar eine Art physikalisches Grundwissen mit auf die Welt. Geben Sie mal einem Kleinkind einen Löffel in die Hand: Es schlägt damit dann auf den Tisch und auf ein Buch und stellt irgendwann fest, dass unterschiedliche Dinge unterschiedlich klingen. Schon bei sehr kleinen Kindern können Sie feststellen, dass sie das ganz systematisch ausprobieren. In solchen Momenten kommt es darauf an, dass Eltern oder Erzieher das auch als Lernen wahrnehmen und eine Umgebung schaffen, in der das Kind solche Erfahrungen sammeln kann.

Ab wann besteht die Gefahr, Kinder zu überfordern?

Wenn Erwachsene es erzwingen wollen, dass Kinder ganz viel lernen. Der Physikdidaktiker Martin Wagenschein hat das ein „Ziehen an den Halmen“ genannt. Es geht eben nicht darum, die Kinder andauernd in eine Richtung zu drängen und ständig mit naturwissenschaftlichen Experimenten zu überfrachten. Da muss auch hinterfragt werden: Was ist sinnvoll, und ab wann passt es gar nicht mehr zu dem, was die Kinder interessiert?

Das setzt voraus, dass auch die Erzieherinnen und Erzieher eine gewisse Ahnung von der Materie haben…

Genau. Für viele unserer Studierenden waren die naturwissenschaftlich-technischen Bereiche Horrorfächer und eng mit Frustrationen und schlechten Noten verbunden. Das führt dann zu einer Vermeidungshaltung gegenüber naturwissenschaftlichen und technischen Themen. Solange sie es nicht schaffen, ihre Distanz zu überwinden, werden sie auch später mit Kindern nie in solche Bereiche reingehen.

Wie sind Sie persönlich in den Bereich der frühkindlichen Technik-Pädagogik reingerutscht?

Ich selbst habe während meiner eigenen Schulzeit Ähnliches erlebt wie die Studierenden: Eigentlich spannende Inhalte...

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