Künstliche Nanopartikel sollen Lebensmittel haltbarer und gesünder machen, ihr Ruf leidet allerdings durch wiederkehrende Vorwürfe über Gesundheitsrisiken. Ab 2012 sollen sie auf Produkten deklariert werden.
Wer beim Kochen zum Salzstreuer greift, erwartet, dass die weißen Kristalle gleichmäßig ins Essen rieseln. Feuchte Klümpchen sind unerwünscht, weil sie die Löcher im Streuer verstopfen. Deshalb hat der Industriekonzern Evonik winzige Nanopartikel aus Siliziumdioxid entwickelt, die das Verkleben verhindern. Die mit bloßem Auge unsichtbaren Teilchen erledigen im Salzstreuer das, wofür man früher nach Großmutters Tipp Reiskörner zufügen musste: Sie binden die Feuchtigkeit durch ihre poröse Struktur und fungieren darüber hinaus als Puffer zwischen den Salzkrümeln. Als Nanopartikel gelten Teilchen in Expertenkreisen, wenn sie nicht größer als 100 Nanometer im Durchmesser sind – das ist fast 1000-mal kleiner, als ein menschliches Haar dick ist.
Und es ist gerade die Winzigkeit der Teilchen, die sie für die Lebensmittelindustrie so attraktiv macht: Nanopartikel haben oft völlig andere physikalische und chemische Eigenschaften als größere Teilchen desselben Stoffes. Die Winzlinge können zum Beispiel einen anderen Schmelzpunkt haben, härter oder flexibler sein, Wasser binden oder es abweisen. Mischt man also Partikel mit den passenden Eigenschaften in ein Lebensmittel oder beschichtet es damit, kann man dem Produkt neue Eigenschaften verleihen.
Mit künstlich hergestellten Nanopartikeln will die Lebensmittelindustrie verschiedene Produkteigenschaften verbessern: Die Teilchen sollen – wie bei der Rieselhilfe – die Verarbeitung und Portionierung erleichtern, Speisen und Getränke länger haltbar machen, ihnen einen neuen Geschmack oder neue Konsistenz verleihen oder dafür sorgen, dass Stoffe besser vom Körper aufgenommen werden.
Marktstudien bescheinigen den Lebensmittel-Hilfsstoffen ein großes Wachstumspotenzial: Das britische Beratungsunternehmen Cientifica etwa schätzte ihr weltweites Marktvolumen 2006 auf 100 Millionen US-Dollar und sagte für 2012 einen Markt von 1,5 Milliarden US-Dollar voraus. Zu den synthetischen Nanoteilchen zählen nicht nur solide Partikel wie die Rieselhilfe, sondern auch sogenannte Mizellen. Das Darmstädter Unternehmen Aquanova stellt solche künstlichen, etwa 30 Nanometer großen Hohlkügelchen aus dem organischen Stoff Polysorbat her, in die zum Beispiel empfindliche Vitamine oder unangenehm schmeckende Ergänzungsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren verpackt werden können.
Der menschliche Körper kennt solche Transport-Mizellen,...
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