Teile und Forsche
29.09.10 – Hans-Jörg Bullinger
Einzelkämpfernaturen sind in der Innovationsentwicklung zum Scheitern verurteilt. Nur Unternehmen, die Teamforschung fördern, Wissen teilen und kooperative Netzwerke bilden, können sich auf Dauer am Markt behaupten.
Krisen beschleunigen den Strukturwandel. Gestärkt gehen aus der Krise nur die Unternehmen hervor, die innovativere Produkte und zufriedenere Kunden haben. Firmen, die sich nicht erneuern, verlieren den Anschluss – heute schneller denn je. Eine Langzeituntersuchung zeigt: Von den 100 größten Unternehmen der Welt im Jahre 1912 waren bis zum Jahr 1995 insgesamt 55 verschwunden. Nur 19 der ehemals größten Firmen konnten sich bis 1995 in den Top 100 behaupten. Und die hatten kaum noch etwas mit den Betrieben von ehedem gemein.
Nur wenn Unternehmen den Mut haben, sich ständig neu zu erfinden und Bestehendes aufzugeben, erwirtschaften sie auf längere Sicht bessere Ergebnisse als der Marktdurchschnitt. Doch gerade im Erfolg lässt die Fähigkeit nach, sich selbst und die Grundlage der eigenen Stärken zu hinterfragen. Dies ist jedoch eine Voraussetzung für künftige Überlebensfähigkeit.
Unter den Bedingungen der globalisierten Märkte wird die Fähigkeit zur Innovation zum entscheidenden Erfolgsfaktor für das langfristige Überleben von Unternehmen, ja von ganzen Volkswirtschaften. Dabei ist in Zeiten schnellen Wandels Geschwindigkeit wichtiger als Größe. Konnten Unternehmen früher lange Zeit mit einem neuen Produkt Gewinne produzieren, müssen sie heute ständig neue Generationen auf den Markt werfen, auch wenn das aktuelle Produkt noch gar nicht veraltet ist. Die Phasen des Festhaltens am Bewährten sind – wenn überhaupt zugelassen – sehr kurz geworden.
Mit dem Innovationsdruck auf die Unternehmen steigen auch deren Innovationsrisiken. Dies führt schließlich zu einem Dilemma, das nur durch Vernetzung des Wissens auflösbar ist, durch mehr – analysierte und bewertete – Kenntnisse über Kunden, Märkte, Wettbewerber und Technologien. Die entscheidende Leistung liegt darin, Wissensbestandteile so zusammenzufügen, dass Neues entsteht. Und das geschieht nicht zwischen Buchdeckeln, sondern zwischen den Ohren: in den Köpfen kreativer Wissensarbeiter.
Die ungeheure Akkumulation des Wissens und die Beschleunigung des technischen Wandels seit dem 18. Jahrhundert hat zur Herausbildung einer Wissensgesellschaft geführt, in der Wissen zur wichtigsten Ware und die Wissensarbeiter zum wichtigsten Kapital der Unternehmen geworden sind. Allein die schiere Zahl der gegenwärtigen Forscher übertrifft die aller vergangenen Zeiten zusammengenommen. Und auch das Werkzeug für den Wissenstransfer – das Netz der Medien- und Kommunikationssysteme – wird immer feinmaschiger und leistungsfähiger. Im Mittelpunkt des sich abzeichnenden Zeitalters der „vernetzten Intelligenz“ aber stehen die kreativen Köpfe, die Entwickler und Erfinder, die neue Möglichkeitsräume eröffnen; Forscher, die neue Technologien entwickeln, und Ingenieure, die daraus neue technische Werke schaffen ...
