Quelle: Trik.de
Wer seine Mails online bei Google Mail oder Yahoo ablegt, seine Digitalfotos bei Flickr oder Snapfish lagert, virtuelle Datenspeicher wie Box.net nutzt und sein persönliches Profil bei MySpace abgelegt hat, steckt mitten in der modernen "Web 2.0"-Welt. Das heißt unter anderem, dass man seine wichtigsten Daten künftig nicht mehr auf dem heimischen PC lagert, sondern sie auf Webserver hochlädt, um dann von überall Zugriff darauf zu haben. Gleichzeitig wächst die Zahl der Anwendungen, die man gänzlich online nutzt.
Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend - und der heißt USB-Stick. Schlaue Programmierer entwickeln beispielsweise Linux-Betriebssysteme, die so klein sind, dass sie auf einen Flash-Speicher passen, von dem man jeden beliebigen PC starten kann. Weniger radikale Lösungen packen nur die wichtigsten Daten und Anwendungen auf den Datenspeicher. So kann man sein digitales Leben immer griffbereit in der Tasche haben - und braucht es nur noch in den nächsten zur Verfügung stehenden Computer einzustecken.
Der USB-Stick-Ansatz dürfte auch denjenigen gefallen, die den Web 2.0-Diensten noch immer nicht ganz trauen - sei es nun in Sachen Zuverlässigkeit oder beim Datenschutz. "Mit diesen ganzen Web 2.0-Angeboten haben wir eine gewisse Unabhängigkeit von unseren Computern gewonnen", meint Richard Kilmer, CEO von InfoEther aus Herndon, Virginia. Allerdings komme diese Freiheit nicht ohne Kompromisse: "Man hängt von diesen Diensten vollständig ab und muss sich darauf verlassen können, dass sie die Daten weiter pflegen, ohne die Bedingungen zu verändern." Kilmers Firma setzt daher auf einen anderen Ansatz: Man hat ein eigenes, Flash-basiertes PC-Interface namens "Indi" entwickelt.
Der Markt für Flash-Speicher-basierte USB-Sticks wächst und wächst: Allein 2005 wurden mit den kleinen Datenspeichern weltweit zwei Milliarden Dollar umgesetzt. Und bis 2010 erwartet der IT-Marktforscher Gartner, dass der Markt pro Jahr um weitere 15 Prozent wächst. Ein Wachstumsfaktor sollen dabei auch so genannte "Smart Drives" sein, also USB-Sticks, auf denen Software oder ganze Betriebssysteme laufen. Der Preisverfall treibt den Sektor: USB-Sticks mit einem Gigabyte Speicher gibt es inzwischen schon für 40 bis 50 Dollar.
Das bekannteste Software-System zur Nutzung von Software und Daten direkt von einem USB-Stick aus nennt sich "U3". Die Technik wurde von den kalifornischen Flash-Spezialisten M-Systems und SanDisk entwickelt. U3 dient derzeit vor allem zur schnellen Nutzung von Anwendungen wie Webbrowsern oder Instant Messaging-Tools auf Fremd-PCs Diese laufen direkt vom USB-Stick und müssen deshalb nicht auf der Festplatte installiert werden. So kann man beispielsweise seine eigene Firefox- oder Skype-Kopie mit sich herumtragen, die dann alle persönlichen Einstellungen (Bookmarks, Kontakte) beibehält.
Die U3-Technik benötigt allerdings immer noch Microsoft Windows als Grundlage. Nur Anwendungen und Daten werden transportiert, nicht aber das gesamte vom Nutzer gewohnte System. InfoEthers Indi ist hier radikaler: Es macht aus dem USB-Stick eine Art Informationsgerät, das sein eigene Oberfläche samt einstellbarer Anwendungen enthält. Dazu lädt man die Software einfach herunter und installiert sie auf einem USB-Stick. Beim nächsten Einstecken in einen USB-Port wird Indi dann sofort gestartet. Das System enthält unter anderem einen eigenen Kalender, ein Adressbuch, einen Notizblock und ein Instant-Messaging-Programm.
Ein Vorabversion von Indi wurde im März vorgestellt und wird derzeit von rund 1000 Betatestern geprüft. Die Technik nutzt das Internet: So können Indi-Programme untereinander Kontakt aufnehmen, was etwa den Dateiaustausch oder Multiplayer-Spiele möglich macht. Die Indi-Plattform und die grundlegenden Anwendungen sollen dabei gratis sein - Zusatzfunktionen werden über so genannte Plug-Ins eingebunden und kosten extra.
Ob sich solche tragbaren Nutzerumgebungen wirklich durchsetzen, bleibt jedoch abzuwarten. Neue Web-basierte Anwendungen erscheinen nahezu täglich. Alex Bard, Chef beim Online-Info-Manager-Anbieter goowy media, glaubt nicht daran, dass sich Flash-Anwendungen durchsetzen: "Damit diese Anwendungen erfolgreich sind, müssen sie sich mit dem Web verbinden. Wozu braucht man dann einen USB-Stick? Ich sehe darin keinen Vorteil, außer man setzt eine ganz bestimmte Technik ein oder hat Angst, dass die Daten, die man im Web speichert, zerstört oder von Dritten eingesehen werden."
Obwohl Web-basierte Systeme wie Goowy und tragbare USB-Stick-Umgebungen wie Indi vielen wie Tag und Nacht erscheinen, haben sie doch eine wichtige Sache gemeinsam: Sie tragen die Jahrzehnte alte Idee zu Grabe, nach der der PC das Hauptinformationsgerät des Users ist, in dem alle Daten zu sitzen haben. Die Nutzeroberflächen werden mobiler. "Die alte Idee, dass man alles auf seiner stationären Festplatte hat, verabschiedet sich", meint U3-Chefin Kate Purmal. "Die Leute beginnen damit, ihre Software auf ihren Smart Drives zu installieren und nicht mehr auf ihren Festplatten. Sie wollen die Möglichkeit haben, zwischen Rechnern zu wechseln."
Übersetzung: Ben Schwan.
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