Immer mehr Menschen veröffentlichen im Internet kurze private Botschaften, die von jedem gelesen werden können. Jetzt entdecken Unternehmen Twitter als Instrument für Werbung und Kundenkommunikation.
Das Pseudonym Perez Hilton ist bekannt und berüchtigt. Keiner heizt Gerüchte über Prominente so an wie er. Das bewies der US-amerikanische Blogger anlässlich des Todes von Michael Jackson. Über die Kurznachrichten-Plattform Twitter hatte Hollywoods schrillste Klatschbase im Internet verlauten lassen, dass der „King of Pop“ den Schlaganfall nur vorgetäuscht hätte. Das war sogar für die tolerante Internet-Gemeinde zu viel. Unter dem Schlagwort #unfollowperez – in der Szene aufgrund des vorangestellten Gatterzeichens als „Hashtag“ bezeichnet (s. Glossar auf Seite 53 ) – rief sie die Twitter-Gemeinde dazu auf, Perez’ Gerüchteschnipsel nicht mehr mitzulesen.
Umso mehr müssen sich die rund 1,4 Millionen verbliebenen Anhänger von Perez Hilton die Augen gerieben haben, als dieser folgenden „Tweet“ veröffentlichte: „Gesponsert: Ich kombiniere gern kräftige Farben mit klassischem Stil, um das Leben etwas aufzumischen. Tweetet Modetipps an #gapstyletips, damit ihr auf CocoPerez.com erscheint!“ Das taten dann auch mehrere Hundert seiner Leser und machten so Werbung für die US-amerikanische Modemarke The Gap, die den rührigen Blogger für die Twitter-Reklame bezahlt. Organisiert hatte die Aktion die US-amerikanische Werbeagentur Blogads, die sich auf Annoncen in neuen Medien spezialisiert hat, auch wenn bei Mikroblogging-Diensten wie Twitter dafür gerade einmal 140 Anschläge zur Verfügung stehen.
Perez Hiltons Schleichwerbung ist weder Einzelfall noch Ausrutscher, sondern Produkt eines neuen Geschäftsfeldes. Denn nicht nur Webagenturen, sondern auch Unternehmen wie der Computerkonzern Dell oder der Kabelnetzbetreiber Comcast zerbrechen sich den Kopf, wie man mit Twitter nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Geld verdienen kann. Sie nutzen das Häppchen-Medium nicht nur für Marketing, sondern auch zur gezielten Interaktion mit Kunden. Auch wenn die Rendite dafür bislang nur schwer zu berechnen ist, sind sie überzeugt, dass Twitter ihnen bereits zusätzlichen Umsatz beschert.
Blogads und Izea sind zwei Firmen, die sich dabei am weitesten vorgewagt haben und seit Kurzem sogenannte „Sponsored Tweets“ (siehe Grafik auf S. 54 ) von ausgewählten Individuen an meistbietende Firmen verkaufen. Blogads setzt dabei gezielt auf bekannte Blogger, die auf der Twitter-Plattform aktiv kommunizieren. Das Honorar für die werbenden Kurznachrichten handelt das Unternehmen individuell aus. Die Gewinnrechnung für Sponsored Tweets sei einfach, behauptet Blogads-Chef Henry Copeland. Ein richtig formulierter Werbetext – natürlich nicht länger als 140 Anschläge – kann bei einem Promi-Blogger wie Hilton bis zu 20000 Klicks verursachen. Damit liegt er in puncto Werbewirkung weit über der von herkömmlicher Bannerwerbung oder gesponserten Links. Auch das in Florida ansässige Unternehmen Izea hat ein Werbenetz aufgebaut, ähnlich dem von Blogad, um Twitter-Nutzer mit Firmen zusammenzubringen. Dafür hat es eigens ein Programm namens ClickWatch entwickelt...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 12/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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