Neue Ziele fürs Soundengineering hat Sounddesign-Papst Blutner schon im Visier, insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie. Synotec charakterisiert derzeit die Geräusche, die entstehen, wenn man in Äpfel, Birnen und Tomaten beißt. Auch dazu haben sich im Lauf von tausenden Generationen menschlicher Evolution Erwartungen zu Farbe, Geschmack und Klang im Gehirn angesammelt. "Beim Essen kann man die Ohren nicht verschließen, es findet immer eine unbewusste Kontrolle statt", sagt Blutner. Von einem grünen Apfel erwarte man zum Beispiel, dass er säuerlich schmeckt. Unbewusst ist damit aber auch ein bestimmtes Geräusch verknüpft: Knackig muss es beim Hineinbeißen klingen, denn nicht ganz reife Früchte sind in der Regel härter. Rote Äpfel schmecken dagegen meistens süßer und dürfen beim Hineinbeißen ein weicheres, dunkleres Geräusch machen, aber nicht so, dass der Kunde den Apfel für faulig hält. Die Studie soll zunächst Merkmale finden, mit denen sich Geräuscheigenschaften von Obst beschreiben lassen. Interessenten gebe es schon, sagt Blutner, aber was die genau vorhätten, sei noch geheim.
Sein größtes und ehrgeizigstes Projekt hat der 57-Jährige noch vor sich: das Design von Umweltgeräuschen. Ziel ist eine Schallkulisse, die die Gesundheit schont. "Wasserplätschern, Vogelgezwitscher und Blätterrauschen klingen angenehm, werden aber heute von Störgeräuschen überlagert", sagt Blutner. Deshalb will sich Synotec verstärkt Straßenbelägen, schlagenden Türen und Bohrmaschinen widmen und diese leiser machen - "damit man wieder die Vögel hört".
Bernd Müller ist fasziniert von Themen aus Technik und Wissenschaft. Für Technology Review berichtete er zuletzt über optische Vernetzung von Computern.
(Text entnommen aus Technology Review Nr. 10/2005; das Heft können Sie hier bestellen.)
Dieser Text ist der Zeitschriften-Ausgabe 10/2005 von Technology Review entnommen. Der Artikel steht auch als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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