Völkerkunde bei Facebook
29.08.12 – Tom Simonite
Ein Team aus Sozialwissenschaftlern und Informatikern durchleuchtet bei Facebook die gewaltigen Mengen an persönlichen Daten. Wie wird das Unternehmen die Erkenntnisse über seine Nutzer verwenden? Technology Review hat sich mit den Forschern getroffen.
Wäre Facebook ein Land, seine 900 Millionen Nutzer würden die drittgrößte Nation der Erde stellen. Mit dieser Aussage charakterisiert Mark Zuckerberg gern die Bedeutung seines Unternehmens.
Natürlich gehört zu einer Nation mehr als ein Internetprofil. In einer Hinsicht jedoch stellt „Facebook-Land“ jeden anderen Staat in den Schatten: Mit dem, was es über seine Bewohner weiß. Facebook zeichnet sämtliche digitalen Bewegungen seiner virtuellen Bürger auf. Selbst die großen Despotien der Vergangenheit wirken blass angesichts des Ausmaßes, in dem Facebook Gespräche, Familienfotos, Aufenthaltsorte, Beziehungsverhältnisse, Freundschaften und sogar Todesfälle speichert. Auf den Servern des Zuckerberg-Imperiums lagert der größte Datensatz über menschliches Verhalten, den es je gegeben hat. Sehr wahrscheinlich ist darin auch einiges über Sie festgehalten.
Bislang hat Facebook nicht viel mehr aus all diesen Daten gemacht, als oberflächliche Analysen zu erstellen, die halbwegs maßgeschneiderte Anzeigen auf den Nutzerseiten ermöglichen. Das könnte sich ändern: Seit dem enttäuschenden Börsengang im Mai steht das Unternehmen unter enormem Druck, neue Profitquellen zu erschließen. Und die könnten in den dunklen Tiefen seines Datengebirges zu finden sein. Was daraus zum Vorschein kommen wird, kann derzeit niemand sagen. Aber alle Beobachter der virtuellen Nation ahnen, dass es ein enormes Ausmaß haben wird.
(jlu)
