Googles plötzlichen Ausstieg, ursprünglich als Rettungsanker für Yahoos angeschlagene Position im Werbemarkt angepriesen, wertete Yang als "enttäuschend". Er betonte, dass sein Unternehmen trotz aller negativen Schlagzeilen den Umbauplan wie geplant durchziehe. Seine Vision für Yahoo sei eine Verbrauchermarke als Eingangstor ins Netz – also ein auf Web 2.0-Standards modernisiertes und für andere Webdienste und Programmierer offenes Portal.
In diesen Gewässern operiert Facebook bereits mit erheblichem Erfolg. Dessen Gründer Marc Zuckerberg gab sich wie gewohnt zugeknöpft und verriet nur wenige Details. So habe sein soziales Netz mit 125 Millionen Mitgliedern derzeit keinen Finanzierungsbedarf und stellt weiterhin "aggressiv" neue Mitarbeiter ein, um das Anzeigengeschäft auch international auszubauen.
An Neugründungen herrschte auch dieses Jahr kein Mangel – allerdings bot ihnen die Veranstaltung weniger Gelegenheit zur Selbstdarstellung. In die grüne Nische passte die Webseite Wattzon, auf der jeder Nutzer seinen persönlichen Energieverbrauch in Kilowatt berechnen kann. Was die Seite gegenüber anderen Ökobilanzen abhebt, ist die Möglichkeit, selbst Möbel und andere Gebrauchsgegenstände sowie die Infrastruktur eines Landes in die private Umweltrechnung aufzunehmen – und mit dem Flächenbedarf für erneuerbare Energiequellen zu vergleichen. So rechnete Wattzon-Gründer Saul Griffith vor, dass sein Lebenswandel jährlich 17,2 kW verschlinge, was weder nachhaltig sei noch sich durch den Ausbau grüner Energiequellen auffangen lasse.
Mehr Optimismus verbreitete der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi, dessen Start-up Better Place am Aufbau einer landesweiten Infrastruktur für die Herstellung und Betankung von Elektrofahrzeugen arbeitet. So hat Agassi bislang Projekte in Dänemark und Israel geplant, die ab 2011 in Betrieb gehen sollen. Er konnte rechtzeitig zum Web 2.0-Auftritt einen 670 Millionen Dollar schweren Vertrag für den australischen Staat Victoria vermelden.
Zahlreiche europäische Start-ups waren nach San Francisco gekommen, um Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten, darunter auch drei Schweizer Firmen. So konnte Dominik Grolimund, dessen Peer-to-Peer Speicherplattform Wua.la (siehe dazu auch TR 12/08) sich bei der Web 2.0 Summit 2007 noch im geschlossenen Alpha-Test befand, diesmal auf rasantes Wachstum und gute Beziehungen zu Content-Besitzern wie Warner Brothers verweisen. Seinen Angaben zufolge nutzen seit dem offiziellen Start im Sommer bereits rund 60.000 Menschen den verteilten Speicher, von denen zwei Prozent zusätzliche Gigabytes kaufen. Er rechnet damit, Wua.las Rechenzentrum demnächst von 100 auf 200 Server aufzustocken. "Von der Krise sind wir nicht betroffen, da wir auf dem Markt sind und Einnahmen generieren. Ich habe in der Region Venture Capitalists besucht, die uns angesprochen haben, und nicht umgekehrt", so Grolimund.
Ebenso auf Partner- und Kundensuche waren die Firma Doodle, die die Terminplanung online erlaubt und bereits mehrere Dutzend Firmenkunden besitzt, sowie das Zürcher Start-up Cassiber, das Unternehmen das Vorschlagswesen und Innovationsmanagement als extern gehostete Weblösung abnimmt. Firmen im deutschsprachigen Raum hätten an den Kerngedanken des Web 2.0 Gefallen gefunden, berichteten Doodle-Manager Reto Lämmler und Cassibers Managing Partner Ricy Wyder übereinstimmend. Es zeige sich ein reges Interesse daran, kollaborative Lösungen für Mitarbeiter einzuführen.
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