Wie weit alarmierende Tatsachen und öffentliche Meinung zumindest in den USA immer noch auseinander klaffen, machten allerdings zwei neue Studien deutlich, die auf der AAAS-Veranstaltung präsentiert wurden. Zum einen dokumentierten Klimatologen des NASA Goddard Institutes for Space Studies, dass 2006 das fünftwärmste Jahr im vergangenen Jahrhundert war und 2007 aller Wahrscheinlichkeit noch wärmer sein wird. Zum anderen stellte der Umweltforscher Anthony Leiserowitz aus Oregon eine landesweite Umfrage vor, wonach Amerikaner den Klimawandel zwar verstärkt wahrnehmen, aber immer noch nicht für ein drängendes Problem halten. „Sie begreifen das Thema noch nicht als Faktor, der der menschlichen Gesundheit schadet oder extreme Wetterverhältnisse verursacht“, sagte der Forscher bei der Vorstellung des Buches „Creating a Climate for Change.“
Vor diesem Hintergrund nehmen sich Schellnhubers Prognosen noch düsterer und sein Aktionsprogramm noch ehrgeiziger aus. Die erste Komponente des Manhattan-Projekts ist eine konzertierte Anstrengung der Forschungswelt, die Dynamik eines komplexen nonlinearen Systems wie der Erde besser zu verstehen. So ist aufgrund von Eiskernbohrungen bekannt, dass die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre in den vergangenen 450.000 Jahren zwischen 200 und 280 Teilchen pro Million (ppm) schwankte. Aber niemand versteht bislang, wie dieser Zyklus funktioniert – ganz zu schweigen von den Folgen der gegenwärtigen CO2-Konzentrationen von 380 ppm. „Wir besitzen keine soliden Berechnungen, wie die aus dem Ruder laufende Treibhausgas-Dynamik funktioniert und wie man sie aufhalten kann“, so Schellnhuber.
Er untermauerte seinen Appell für ein weltweites Forschungsprojekt mit eindrücklichen Grafiken und animierten Karten, die aufzeigen, welche lawinenartigen Folgen die gegenwärtige, vom Menschen verursachte Erderwärmung hat. Einige der „Tipping Points“ im System Erde sind massive Katastrophen, die eine Kettenreaktion nach sich ziehen, darunter die Freisetzung von Methangas, wenn der sibirische Permafrost ausbleibt, wenn der Regenwald im Amazonas abstirbt, oder das indische Monsun-System unterbrochen wird.
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