Die drohenden Folgen von Versteppung, Eisschmelze, Überschwemmungen oder Wirbelstürmen wird Schellnhuber mit anderen Forschern in einem neuen Sammelband als globales Sicherheitsrisiko beschreiben, da Täter und Opfer des Klimawandels fast exakt unterschiedliche Gruppen von reichen und armen Ländern seien. „Towards a Climate of Violence“ soll im Herbst auf Deutsch und Englisch erscheinen.
Einige Wege aus der drohenden Energie- und Sicherheitskrise versuchte der Physiker und Mathematiker Steven Chu auf der AAAS-Tagung aufzuzeigen. Er bezeichnete verstärkte Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet des Klimawandels und für erneuerbare Energiequellen als „weises Risikomanagement“, das den langfristigen Interessen der USA und anderen Ländern diene. „Was wir in den kommenden 50 Jahren tun, wird Folgen auf Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus haben“, schärfte Chu den Zuhörern in San Francisco ein.
So seien selbst die konservativsten Szenarien für verringerte Schneefälle in Nordkaliforniens Sierras katastrophal für die Wasserversorgung und würden zu massiven Bevölkerungsmigrationen zwingen. Dabei habe der Staat bereits in den 70er-Jahren vorgemacht, dass sich relativ schnell etwas ändern lässt. Aufgeschreckt durch den Ölschock, konnte Kalifornien bis heute seinen Energierverbrauch pro Kopf auf beinahe die Hälfte des US-Durchschnitts von 12.000 Kilowattstunden im Jahr senken. „Das hat der Volkswirtschaft nicht geschadet“, so Chu.
In einer Modellrechnung stellte er fest, dass der normale US-Bürger heute das Äquivalent von 1.000 Sklaven an jährlicher Energie verbraucht, ein Europäer hingegen 500 und ein Chinese nur 100. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Erdenbewohner dank mehr Effizienz mit dem Äquivalent von 300 bis 400 „Energiesklaven“ auskommen könnte, sei selbst mit Sonnenergie ungeahnter Wohlstand für jedermann möglich, sagte Chu. Bislang seien traurigerweise immer neue Kohlekraftwerke die Standardantwort auf den wachsenden Energiebedarf von China bis Amerika.
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