Wie sicher sind Nanoteilchen?
08.11.05 – Kevin Bullis; Übersetzung: Ben Schwan
Nanopartikel werden aufgrund ihrer einzigartigen Möglichkeiten in Elektronik und Biologie geschätzt. Ihre geringe Größe macht es möglich, biologische Barrieren zu durchdringen, um beispielsweise Wirkstoffe direkt in Krebszellen zu befördern.
Es gibt jedoch auch kritische Stimmen: Forscher und Verbraucherschützer fürchten, dass die eigentlich positiven Eigenschaften der Nanoteilchen ins Gegenteil verkehrt werden könnten. Es gäbe ein Gesundheitsrisiko, wenn die Partikel in gesunde Zellen eindringen und diese beschädigen würden -- siehe dazu auch das aktuelle Titelthema der deutschen Technology Review.
Immer mehr Forscher beschäftigen sich mit diesen Gefahren -- sie wollen herausfinden, welche Wirkung Nanoteilchen auf die Biologie des Körpers haben können. So will man sicher stellen, dass sich die positiven Eigenschaften der Technik nutzen lassen, ohne ungewollt Schaden zu verursachen.
Erste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema liegen inzwischen vor. Sie eröffnen interessante neue Möglichkeiten in hoher Komplexität: Es könnte sogar machbar sein, die Toxizität der Partikel kontrollieren. So wäre es möglich, toxischere Nanoteilchen zu bauen, die Krebszellen töten; ungiftige Partikel eigneten sich dann eher für die Anlieferung von Wirkstoffen oder für bildgebende Verfahren.
Die jüngste Studie zur Schadwirkung von Nanoteilchen stammt von der Rice University und wird in der nächsten Ausgabe der "Toxicology Letters" erscheinen. Sie legt nahe, dass die Toxizität kohlenstoffbasierter Nanoröhrchen direkt mit ihrer Oberflächenbeschaffenheit zu tun hat.
"Die Nanotechnologie ist nur ein Werkzeug. Sie kann enorm nützlich oder auch enorm zerstörerisch sein. Wir müssen vorsichtig sein und die Nanoteilchen verstanden haben, bevor wir sie einsetzen", sagt Chang-Yu Wu von der University of Florida in Gainesville, der kürzlich an einem Review-Artikel zum Thema Umwelteinflüsse der Nanotechnik beteiligt war.
Einige Forscher sorgen sich um die Beschaffenheit der Nanopartikel, die völlig anders sein kann, als die ihrer Ausgangsmaterialien. So gilt gewöhnliches Gold bei biologischen Anwendungen normalerweise als sicher, während Nanopartikel aus Gold Bakterien abtöten können. Zudem können Nanoteilchen die Blut-Gehirnschranke überwinden: "Das kann je nach Partikel gut oder schlecht sein", wie Wu sagt.
