Neulich wurde dieses ja Vogelgrippe-Problem gelöst. Ach, das haben Sie noch gar nicht mitbekommen? Macht nichts, soviel sei schon mal gesagt: Sie haben nicht viel verpasst.
Zwei Arbeitsgruppen haben unabhängig voneinander Wege gefunden, um den Wirkstoff des Grippemedikaments Tamiflu komplett im Reagenzglas zu synthetisieren – noch dazu relativ schnell. Der Pharmakonzern Roche, Tamiflu-Hersteller und Inhaber des Patents auf den Wirkstoff Oseltamivir, benötigt bislang dafür eine natürliche Ausgangssubstanz (Shikiminsäure, die überwiegend aus chinesischem Sternanis gewonnen wird) und einen mehrere Monate dauernden Prozess mit hoch explosiven chemischen Zwischenstufen.
Das brisante Herstellungsverfahren unter Kontrolle zu halten, ist dabei noch die leichte Aufgabe. Der limitierende Faktor ist der Ausgangsstoff, die Shikiminsäure, ein Molekül, das harmlos aussieht aber von Chemikerhand kaum zu synthetisieren ist. Bei Ausbruch einer weltweiten Grippepandemie wären die Tamiflu-Vorräte viel zu klein, um alle Infizierten zu behandeln.
Mit den beiden Arbeiten, die im Journal of the American Chemical Society veröffentlicht wurden, scheint der Shikiminsäure-Engpass ausgeräumt. Beide neuen Synthesewege nutzen recht simple und halbwegs preiswerte Laborchemikalien aus Ausgangsstoffe. Damit, so jubelten einige Zeitungen und Nachrichtendienste, sei der Weg zu billigem und vor allem genügend Tamiflu für alle geebnet.
Im Grunde eine schöne Geschichte. Nur:
Was bleibt also von der Nachricht "Tamiflu-Problem gelöst" übrig? Wunderbare Ideen und perfektes Handwerk brillanter Chemiker. Aber nichts, was uns die Angst vor der nächsten Grippewelle nehmen kann. (Hanno Charisius)
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(hac)
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