Es ist Montag, der Urlaub ist vorbei, und das Wetter ist immer noch drückend schwül – es ist zwar nicht mehr so heiß, aber dafür regnet es zur Abwechslung. Ein perfektes Szenario für die Bearbeitung missliebiger Post also. Heute flattert uns eine dieser beliebte Werbesendungen ins Haus, die ich normalerweise gleich entsorge. Nur so zum Spaß beginne ich doch mal zu lesen.
„Wieso noch DSL?“ fragt mich der Absender. Eigentlich ein gute Frage, denke ich und lese weiter. „Mit Kabel Deutschland surfen Sie doppelt so schnell und telefonieren gratis ins deutsche Festnetz für 22,90 Euro/Monat im ersten Jahr!“. Moment mal: Gratis für 22, 90? Ach ne, die meinen ja nur das Telefonieren. Aber warte, da klebt so eine kleine, hochgestellte Zahl am Ausrufezeichen. Wo ist die 1? Ach ja, hier steht’s ja in 5-Punkt-Schrift – kann ich grade noch lesen: „Bitte beachten Sie die Hinweise in der beiliegenden Broschüre“.
Hmmm, also in der Broschüre heißt es dann: 22,90 in den ersten zwölf Monaten. Dann 29,90, aber hier steht nichts über die Laufzeit des Vertrages. Dafür links unten: „Einfach fair in Preis und Leistung“. Na, wenn das nichts ist. Schauen wir doch mal nach dem supergünstigen Gratis-Telefon: Ah, das gibt es drei Monate lang kostenlos, danach kostet die Nummer 9,90 Euro. Warte, dann sind wir im zweiten Jahr bei 39,80. Ersatzweise könnte ich aber auch...
Eigentlich, berichten zumindest die Kollegen, steht das Unternehmen glänzend da – kann sozusagen von Haus aus, was die große Konkurrenz sich mühsam erarbeiten musste: Aus einer Hand TV, Internet und Telefonie anbieten. In der Telekommunikationsbranche scheint es aber offenbar nicht zu reichen, dass man ein gutes Produkt anbieten kann. Da muss man auch noch aggressives Marketing zukaufen – mich erinnert das immer an „Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin-Schnapper“, diesen Straßenhändler aus dem Scheibenwelt-Zyklus von Terry Pratchett.
Warum machen die das? Gibt es arbeitslose Werbetexter und Juristen im Dutzend billiger, die solche Kampagnen konstruieren? Werden die gar in Käfig-Büros irgendwo in Asien gehalten? Oder hat irgendein cleverer Programmierer sämtlichen Telecom-Unternehmen in Deutschland eine Software angedreht, die diesen Unfug ausspuckt?
(wst)
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Über den Autor
Wolfgang Stieler hat schon als Kind gern mit Maschinen gespielt und gute Geschichten geliebt. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Naturwissenschaften setzt er beide Vorlieben seit 1998 im Job um - seit 2006 ist er für den Online-Auftritt von TR verantwortlich.
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