Wie wäre es, wenn das Internet uns nicht nur mit Informationen versorgen würde, sondern, auf ebenso intelligente wie eindrucksvolle Weise, auch mit Strom? Die vermeintliche Zukunftsvision ist bereits in Arbeit.
Es ist die selbe Grundidee, die das Netz selbst so erfolgreich gemacht hat, die uns nun auch einer nachhaltigen Energiewirtschaft entgegenführt: Dezentralisierung, viele Überallkraftwerke statt weniger Zentralkraftwerke. Zur selben Zeit, als das Internet in der Öffentlichkeit auftauchte, vollzog sich auch bei den Stromversorgern eine stille Revolution. Anfang der 90er Jahre war das deutsche Stromeinspeisungsgesetz in Kraft getreten (das heutige Erneuerbare-Energien-Gesetz). Es verpflichtete Energiekonzerne erstmals dazu, ihre Kunden nicht mehr nur als Stromkonsumenten wahrzunehmen, sondern auch als potenzielle Anbieter.
Bis dahin hatte die Stromversorgung funktioniert wie das Fernsehen: Ein Sender belieferte viele Empfänger. Dann begannen die Netze sich zu wandeln, die digitalen wie auch die elektrischen: Nun gab es nicht mehr nur eine Flussrichtung, sondern viele. Wie die Feuerzeugflammen im Dunkel einer Konzerthalle, an denen man sieht, dass es dem Publikum gefällt, leuchten seither immer mehr individuelle Energiepunkte auf – Dächer mit Solarpanels, Kleinturbinen an Bächen, you name it – und verbinden sich mit dem Netz. Das Fernsehen hat uns immer nur in einer Richtung mit Nachrichten beliefert, das Stromnetz als Einbahn mit Energie. In den neuen Netzen kann nun jeder nehmen und geben. Das Ausschlaggebende daran ist nicht primär die Menge – nicht die Kilowattstunden, die jemand mit seiner Biogasanlage ins Stromnetz speist und nicht die Anzahl an Blogbeiträgen, die einer ins Internet stellt. Das Ausschlaggebende ist, dass wir uns durch diese Veränderung in den Netzen eine Gewissheit zurückholen können: Ich kann etwas tun – und nicht nur die Welt konsumieren!
In Zukunft wird die Energiegewinnung um ein Vielfaches kleinteiliger und wendiger sein als heute. Nicht mehr nur Kraftwerkskolosse, sondern ein intelligentes System aus immer mehr Energiequellen wird zu einer stabilen Versorgung beitragen. Elektroautos etwa können in Verbindung mit einem flexiblen Netz auch als Stromspeicher fungieren und die gefürchteten wetterabhängigen Schwankungen bei der Erzeugung regenerativer Energie ausgleichen. Wie viele Hunderttausend andere könnte ich dann, während mein Auto wie so oft stundenlang auf dem Parkplatz steht, einem Energieversorger zwischendurch bezahlten Zugriff auf meine Batterie erlauben, um Spitzenlasten im Netz abzufedern.
Schon jetzt können Hightech-Energiebedürftige auf eine eindrucksvolle Auswahl an "Strom-Erfrischungen" zurückgreifen, vom Solarsegel für den Laptop über den Kinderwagen, der beim Schieben nebenher die Smartphone-Akkus wieder befüllt, bis hin zum "DanceCharger". einem Ladegerät, das seine Energie aus den Bewegungen beim Tanzen gewinnt.
Energiepfiffigkeit ist etwas, zu dem das Internet auch als erdumspannender Marktplatz der Ideen die Inspiration beflügelt – ob es sich um Drehtüren handelt, die sich zu Riesendynamos umfunktionieren lassen, um Energie aus dem steten Strom an Menschen zu ernten, oder um Fußböden, die Energie erzeugen, wenn man schlichtweg auf ihnen geht. So gibt es etwa im Londoner Nachtclub "Surya" eine stromerzeugende Tanzfläche, die das Soundsystem mit Strom versorgt. Die holländischen Entwickler haben ihren Bodenbelag auch schon auf einem Bürgersteig im französischen Toulouse erprobt. Wenn Passanten darüber spazieren, produziert er genug Strom, um abends Straßenlampen leuchten zu lassen. Läuft!
(bsc)
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Über den Autor
Peter Glaser, 1957 als Bleistift in Graz geboren, wo die hochwertigen Schriftsteller für den Export hergestellt werden. Lebt als Schreibprogramm in Berlin. Computerinteressiert. Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs.
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