Um eine wissenschaftliche Basis für ihre künftige Energiepolitik zu haben, hat die Bundesregierung bekanntlich mehrere Forschungsinstitute beauftragt, vier verschiedene Szenarien der künftigen Energieversorgung durchzurechnen. Dem Handelsblatt zufolge sollen die Studien von Prognos, dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung „zum Wochenbeginn“ zumindest zum Teil veröffentlicht werden.
Wir dürfen also gespannt sein. Leider ist die Chance, dass wir hinterher tatsächlich klüger sind, ziemlich gering. Denn die gesamte Diskussion um die Laufzeitverlängerung ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie verschiedene Interessengruppen vollkommen rational, sachlich und logisch aneinander vorbei argumentieren können.
Nehmen wir als Beispiel nur mal die Frage, ob „grüner Strom“ durch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten aus dem Netz gedrängt wird. In der FAZ war am Freitag eine hübsche Übersicht all dieser Fragen und Antworten (in der Art einer FAQ) und die Kollegen stellten also dazu fest: „Per Gesetz gilt der Vorrang für die Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen. Er kann deshalb nicht verdrängt werden. Auch werden die über 20 Jahre zugesicherten Einspeisevergütungen für die Erneuerbaren nicht angetastet.“
Soweit so gut. Eigentlich alles klar, sollte man meinen, oder? Nun argumentieren aber beispielsweise Wissenschaftler der Universität Flensburg in einem für den Ökostrom-Anbieter Lichtblick erstellten Studie viel umfassender: Weil AKWs als vergleichsweise unflexible Grundlastkraftwerke nicht in der Lage seien, den immer größeren, aber schwankenden, Anteil von Sonnen- und Windstrom sinnvoll zu ergänzen, ergäbe sich aus der Verlängerung der AKW-Laufzeiten quasi eine Art Sachzwang, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu begrenzen. „Stimmt gar nicht“, sagt die Atomlobby. „AKWs sind sehr wohl flexibel – die kann man auch in Teillast fahren“. „Mag sein“, kontert dann die Gegenseite, „aber das ist nicht sicher, und wirtschaftlich ist es auch nicht“. Und schon sind wir mittendrin, im Streit der Experten.
Welches Argument ist wichtig, welches wesentlich? Mehr Gutachten werden uns nicht helfen, diese Frage zu beantworten. Ich fürchte, sie werden wieder nur dazu dienen, uns im Kern politische – und natürlich finanzielle – Interessen als rationale und einzig richtige Lösung zu verkaufen.
(wst)
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Über den Autor
Wolfgang Stieler hat schon als Kind gern mit Maschinen gespielt und gute Geschichten geliebt. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Naturwissenschaften setzt er beide Vorlieben seit 1998 im Job um - seit 2006 ist er für den Online-Auftritt von TR verantwortlich.
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