In Japan stellen LEDs als Lampen ganz klar ihre Massentauglichkeit unter Beweis: "e-Revolution", eine Tochtergesellschaft des Spielzeugriesen Tomy, stattet seit neuestem seine beliebten dekorativen Terrarien und Aquarien für Ameisen und Garnelen mit blau leuchtenden LEDs aus. Die Serie "heilende Labo" – genauer die "Ants Capital Lights" (Ameisen-Hauptstadt-Beleuchtung) und "Fairy Shrimp Lights" ("Krabbenlichter") gehen für umgerechnet rund 18 Euro über den Tresen. 100.000 bis 200.000 dieser tierischen Entspannungshilfen will die Firma jährlich 20- bis 30-jährigen Japanern und Japanerinnen andrehen.
Der Einzug der LEDs als Beleuchtung in Spielzeug für große Kinder und kindlich gebliebene Erwachsene ist ein weiteres Beispiel, wie Japans Unternehmen durch die frühe Anwendung neuer Technologien viel versprechende Zukunftsmärkte besetzen wollen. Mit der frühen Anwendung verschaffen die Unternehmen besonders den einheimischen Herstellern von weißen LEDs einen Startvorteil auf dem Weltmarkt. Letztere verheißen einen riesigen Weltmarkt als Energie sparende Alternative für normale Lampen. Und bisher kontrolliert der japanische Hersteller Nichia rund 50 Prozent des Weltmarkts für die Leuchtdioden.
Beispielsweise hat Toyota im vorigen Jahr als erster Autohersteller ein Modell mit weißen LED-Scheinwerfern auf den Markt gebracht – Lieferant ist der japanische Autozulieferer Koito Mfg. Der Immobilienkonzern Eiden will ab diesem Frühling Apartments mit LED-Beleuchtung verkaufen. Der Schalter- und Spezialbeleuchtungshersteller Idec hat sein neuestes Verkaufsbüro in Osaka ganz mit weißen LEDs ausgestattet. Das kostete zwar 20 Prozent mehr als ein normaler Bau, soll aber 41 Prozent an Stromkosten und damit Kohlendioxidemissionen einsparen. Und Mitsubishi Electric liefert demnächst das größte hochauflösende LED-Display für das Stadion des berühmten amerikanischen Baseballclubs New York Yankees. Mit seinen Abmessungen von 17,92 Metern in der Höhe und 30,72 Metern in der Breite ist es fünf Prozent größer als Mitsubishi Electric bisheriger Rekordhalter, der bei den Atlanta Braves die Stimmung auf den Rängen anheben soll.
Gleichzeitig vereinen die Hersteller der Mini-Leuchten ihre Kräfte, um die agile Konkurrenz vorbeugend auf Distanz zu halten. Japans Branchenprimus Nichia hat sich mit Citizen zusammengeschlossen, Mitsubishi Chemical das LED-Geschäft einer anderen Firma des locker zusammenhängenden Firmenverbandes übernommen. Schon jetzt rechnen die Japaner ihre asiatischen Nachbarn zu ihren stärksten Rivalen. Doch auch Osram aus Deutschland drängt mit Macht auf den Markt. Die Tochter des Siemens-Konzerns hat gerade in Regensburg eine Chipfabrik für Leuchtdioden in Betrieb genommen. "LEDs sind das Licht der Zukunft", wird Osram-Chef Martin Goetzeler zitiert.
Doch die Japaner werden in dem Wettrennen als Zukunftsausleuchter einen langen Atem beweisen müssen. Zwar sind die weißen LEDs inzwischen so energieeffizient, dass sie im Vergleich zu herkömmlichen Leuchten wirklich Energie einsparen. Allerdings erwartet Hideki Ieshima, ein Technologieexperte des japanischen Forschungsinstituts Fuji Chimera, dass LEDs erst 2015 wirklich den Markt bestimmen werden.
Es gebe derzeit noch technische Hürden wie Hitzeentwicklung, Haltbarkeit und Kosten zu überwinden, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Nikkei. Erst wenn die LEDs wirklich in Massen in Autos als Frontscheinwerfer eingesetzt würden, wäre der Durchbruch perfekt. Bis 2010 werden allerdings nach Vorhersagen erst fünf Prozent der Fahrzeuge mit LEDs das nächtliche Dunkel ausleuchten. Noch haben die Unternehmen aus dem Rest der Welt (sogar aus Deutschland) Zeit, japanischen Herstellern die Führung in der LED-Herstellung abzujagen. (Martin Koelling)
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Über den Autor
Martin Kölling ist ein Sinologe in Tokio, der in Asien sein Faible für Technik austoben darf. Der einzige Fehler des hektischen Standorts: Wegen des ständigen Trommelfeuers an digitalen Neuheiten kommt er nicht oft dazu, die Tage gemütlich analog mit einem Buch ausklingen zu lassen.
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