Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Reihe: Wir sind eine kleine, radikale Minderheit – aber das vertreten wir hier laut und deutlich ( siehe dazu beispielsweise die Beiträge zur Schraubendreher-Frage, zur Sommerzeit, zu iTunes ohne DRM oder zu den beliebtesten Verschwörungstheorien). Heute behandeln wir an dieser Stelle die Frage: Warum ist die Besserwisseroberlehrererbsenzählerkritik am Begriff Quantensprung totaler Quark? Vor kurzem hat Scienceblogs die Geschichte mal wieder aufgegriffen. Und ich kann es einfach nicht mehr hören.
Worum geht es? Die – ansonsten immer sehr um inhaltliche Klarheit bemühte – Wikipedia schreibt beispielsweise zum Stichwort Quantensprung: "Beim hypothetischen Zustandsübergang von Quanten von einem Zustand in einen anderen handelt es sich um einen angenommenen Vorgang im Mikrokosmos, daher einen sehr kleinen Vorgang". Der Duden übersetzt das Wörtchen "Quant" mit "kleinstmöglicher Energiemenge". Und seit Mathias Senoner das Thema 1996 in der Zeit verbraten hat, zählt es offenbar zum Standardrepertoire des belesenen Erbsenzählers, auf die Verwendung der Metapher "Quantensprung" mit dem Einwand zu reagieren: Lieber Autor, weißt Du denn gar nicht, dass ein Quantensprung gar nichts Großes ist sondern nur etwas ungeheuer kleines und damit unbedeutendes (Du physikalischer Analphabet)?
Dabei ist der – möglicherweise manchmal sogar gut gemeinte – Einwand haarsträubender Unfug! Das entscheidende an der Quanten-Hypothese von Planck war nicht, dass das Wirkungsquantum eine sehr sehr kleine Größe ist (und das die Theorie daher nur für mikrophysikalische Systeme gilt). Das entscheidende daran ist, dass Energie von einem Quantensystem nur in ganzzahligen Vielfachen einer bestimmten Grundmenge aufgenommen oder abgegeben werden kann. Soll heißen: Wenn ein Quantensystem von einem "Zustand" – was immer das nun eigentlich genau heißt lassen wir an dieser Stelle mal weg – in einen anderen Zustand übergeht, dann ist es tatsächlich, von einem Schlag auf den anderen, in einem ganz anderen Zustand als vorher. Da gibt es keinen langsamen, gleitenden, infinitesimal angenährten Übergang – das ist ein qualitativer Wechsel in etwas völlig Anderes. So wie gasförmig ein anderer Aggregatzustand als flüssig ist.
Man kann nun lange darüber diskutieren, ob es tatsächlich keine Zwischenzustände gibt, oder ob wir die nur nicht messen - und damit wahrnehmen - können. Aber das ist eine andere Geschichte. Der Einwand, beim Wechsel von einem Quantenzustand in den anderen würden ja nur unvorstellbar kleine Energiemengen ausgetauscht und deswegen sei der Quantensprung ja nur ein unglaublich kleiner – nahezu bedeutungsloser – Zustandswechsel, geht schlicht am Kern der Sache vorbei. Zum ausführlichen Nachlesen zitiere ich mich natürlich am liebsten selbst. Und jetzt will ich diesen Einwand nicht mehr lesen. Wer sich daran nicht hält, schreibt hundert mal: "Schrödingers Katze kotzt kollabierende Wellenfunktionen". (Wolfgang Stieler)
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(wst)
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Über den Autor
Wolfgang Stieler hat schon als Kind gern mit Maschinen gespielt und gute Geschichten geliebt. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Naturwissenschaften setzt er beide Vorlieben seit 1998 im Job um - seit 2006 ist er für den Online-Auftritt von TR verantwortlich.
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