Ich bin hundemüde. Ein unschuldiges Opfer der Zeitumstellung. Es wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben, warum wir uns jedes Jahr wieder diesem Ritus unterziehen. Im Ernst: Angeblich spart die Sommerzeit ja Energie. Und mit diesem Argument geht im Moment ja alles. Also haben die USA gerade erst den Beginn ihrer Sommerzeit auf den 11. März vorgezogen, was dem Lande angeblich die Verbrennung von 100.000 Fass Erdöl pro Tag ersparen soll. Und die Briten denken doch allen Ernstes darüber nach, die Sommerzeit auf den Winter zu verschieben und die neue Sommerzeit um eine zweite Stunde nach vorne zu schieben. Die Idee ist im ersten Anlauf gescheitert, aber wer weiß, wenn man das ganze irgendwie auch noch clever mit dem Klimawandel verbinden kann....
Warum zum Teufel hat eigentlich noch nie jemand diesen Unfug mit dem Energiesparen gegengerechnet? Welche Produktionsausfälle gibt es, weil die meisten Menschen hierzulande heute wahrscheinlich genauso müde sind, wie ich? Wie viele Unfälle? War sich die Politologie nicht längst einig, dass das Industriezeitalter beendet ist? Findet die moderne Informationsarbeit nicht sowieso 24/7 statt? Wie viele unproduktive Gespräche beginnen heute mit Geschimpfe über die Sommerzeit? Und welche Rolle spielt die Kaffee-Industrie in dieser Verschwörung?
Manchmal denke ich allen Ernstes, es gibt die "grauen Herren" tatsächlich, die Michael Ende sich in Momo ersonnen hat. Eine Stunde Lebenszeit im Frühjahr zwangsenteignet, liegt auf irgendeinem Konto der Zeitbank, wirft Millisekunden an Zinsen ab – und ich bekomme die Stunde im Herbst zurück, wenn ich damit höchsten noch kalte Regenabende verbringen kann. Da muss doch was dran sein, oder? (Wolfgang Stieler)
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(wst)
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Über den Autor
Wolfgang Stieler hat schon als Kind gern mit Maschinen gespielt und gute Geschichten geliebt. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Naturwissenschaften setzt er beide Vorlieben seit 1998 im Job um - seit 2006 ist er für den Online-Auftritt von TR verantwortlich.
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