Herzlich Willkommen in der kalten Hauptstadt Berlin: Nachdem es vor ungefähr zwei Wochen das letzte Mal (verhältnismäßig leicht) geschneit hat, liegen hier noch immer die weißen Überreste von "Miriam", "Jennifer" und "Keziban" (oder wie auch immer das aktuelle Tief nun wieder heißt) herum. Die wenigsten Hausbesitzer scheinen ihren Streupflichten nachzukommen, während die staatlichen Räumdienste ihre Geräte gefühlsmäßig nur dann herausholen, wenn es vom Himmel gleich tonnenweise rieselt – sonst überlässt man die Beseitigung des Schneematsches der Natur, ist ja sonst auch zu teuer.
Die Feuerwehr schneidet lebensgefährliche Eiszapfen ab, weil Verwaltungen dazu nicht in der Lage sind – beziehungsweise gar nicht wissen, was sich da auf ihren Dächern ansammelt. Nebenstraßen und sogar manche Hauptmagistralen sind immer noch am Rand mit bräunlichen Bergen bedeckt, die das Fortkommen erschweren, während der Zyklus aus kurzem Abschmelzen und nächtlichem Zufrieren die Wege zu lebensgefährlichen Eisbahnen macht. Zwischenzeitlich hört man im Radio die Meldung, dass das Streusalz zur Neige ginge.
Bei all dem Chaos frage ich mich, wie wir so furchtbar unvorbereitet sein konnten. Ist Schnee im Winter heute wirklich so ungewöhnlich? Technische und verkehrliche Systeme offenbarten ihre Angreifbarkeit: Vom ICE über die Berliner S-Bahn bis hin zum Ärmelkanal-Express. Warb man früher mit dem Slogan, die Bahn käme immer voran, egal bei welchem Wetter, ist das heute ein schlechter Scherz, während man bibbernd am Bahnhof oder im Zug mit ausgefallener Heizung sitzt.
Woran liegt das alles, an radikalen Sparmaßnahmen? Oder daran, dass alle heute immer nur nach dem Durchschnitt, nicht aber nach Ausreißern planen? Man kann Mitteleuropa nur dazu gratulieren, dass wir von echten Naturkatastrophen zumeist verschont bleiben. Man will nicht wissen, was dann passieren würde. (Ben Schwan)
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(bsc)
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