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Alles besser, alles schöner? - Die fünf Versprechen von Windows 7

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Nachdem Microsoft für Windows Vista fünf Jahre brauchte, war so mancher überrascht, dass Windows 7 schon nach halb so langer Entwicklungszeit fertig wurde: Statt wie ursprünglich angekündigt Ende 2009 stellte Microsoft das neue Betriebssystem bereits am 22. Juli fertig. Anfangs gewährte Microsoft allerdings nur einigen großen PC-Herstellern den Zugriff darauf (woraufhin die finale Version prompt in den Tauschbörsen auftauchte). Seit dem 6. August steht sie für MSDN- und Technet-Abonnenten sowie für Hard- und Softwarehersteller mit Connect-Zugang zum Download bereit. Zeit also zum Testen: Die finale Version (allgemeiner Verkaufsstart: 22. Oktober) soll zeigen, ob alles wie versprochen funktioniert.

Installation

Microsoft nennt als Systemvoraussetzungen für Windows 7 gerade mal einen 1-GHz-Prozessor, 1 GByte RAM (64 Bit: 2 GByte) und 16 GByte Festplattenspeicher. Das Setup-Programm gibt sich noch bescheidener: es verlangt lediglich nach 5723 MByte freiem Plattenplatz, und selbst auf einem PC mit nur 384 MByte RAM lief die Installation noch durch – erst wenn noch weniger RAM im Rechner steckt, kommt es zu Problemen: Auf einem PC mit 256 MByte stürzte das Setup-Programm mit einem Bluescreen ab.

Windows 7 kann zwar problemlos mit FAT16- und FAT32-formatierten Laufwerken umgehen, lässt sich darauf jedoch nicht installieren. Das klappt ausschließlich auf NTFS-formatierten Laufwerken. Das ist durchaus sinnvoll, denn FAT-Dateisysteme kennen im Unterschied zu NTFS keine Zugriffsrechte für Dateien und Ordner, und ohne die würde Windows 7 reichlich Sicherheit einbüßen.

Installiert man Windows 7 auf einer leeren Festplatte ohne Partitionen, erstellt es selbst gleich zwei: eine kleine (100 MByte) und dahinter eine, die den restlichen Platz der Platte füllt. In der kleinen landet unter anderem der Bootcode und der Bootmanager, außerdem liegt hier Code für die Festplattenverschlüsselung Bitlocker. Die 100- MByte-Partition bekommt von Windows 7 keinen Laufwerksbuchstaben zugeteilt, sodass der Explorer sie nicht anzeigt. In der Datenträgerverwaltung können Sie jedoch einen Laufwerksbuchstaben zuweisen (und bei Bedarf wieder entfernen). Falls die erste Partition noch etwas anders enthält, etwa eine Windows-XPInstallation, ist das nicht notwendig, dann taucht sie mit Laufwerksbuchstaben von Anfang an im Explorer auf.

Die Installation dauert je nach PC rund eine halbe Stunde – mal etwas mehr, mal etwas weniger, je nach Hardware und Installationsmedium. Besonders fix geht es mit einem USB-Stick: Auf einem Medion Akoya E1210 ("Aldi-Netbook") brauchte die Installation mit einem USB-DVD-Laufwerk 25 Minuten, vom USB-Stick hingegen war sie bereits nach 15 Minuten erledigt. Zum Vergleich: Die Installation von Windows Vista mit integriertem SP2 vom selben Stick auf dasselbe Netbook dauert doppelt so lange.

Direkt nach dem Start fragt das Setup-Programm nach Sprache, CD-Key, Zielpartition und so weiter, um dann ohne jede Nachfrage weiterzulaufen. Die nächsten Fragen tauchen erst kurz vor dem Abschluss der Installation auf, etwa nach Nutzername und Passwort, der Zeitzone oder ob die automatischen Updates aktiviert werden sollen. Auch die WLAN-Verbindung lässt sich bereits konfigurieren, doch wer die Passphrase eintippt, sollte sicherstellen, dass kein Unbefugter dabei zusieht: Während das Setup-Programm beim Eintippen des Kennworts für das Benutzerkonto dieses als Sternchen statt Zeichen darstellt, zeigt es die Passphrase überraschenderweise und ohne Warnung oder Möglichkeit zum Ändern im Klartext an. Anders als bei Vista, das anschließend erstmal langwierig "die Leistung des Computers" überprüft, taucht bei Windows 7 bereits Sekunden nach dem Beantworten der letzten Fragen der Desktop auf (die Leistungsüberprüfung lässt sich später nachholen, Aero läuft auch ohne).

Während der Installation ersetzt Windows 7 einen bereits vorhandenen Bootmanager durch einen eigenen. Ältere Windows-Versionen werden dabei gefunden und eingebunden.

Upgrade-Installation

Wer Windows 7 nicht frisch installieren möchte, sondern sein bestehendes Windows nur auf Windows 7 aktualisieren möchte, macht eine Upgrade-Installation. Das klappt allerdings nur mit Vista, sofern mindestens das Service Pack 1 installiert ist. Für den Test kam das oben erwähnte Aldi-Netbook mit vorinstalliertem Vista mit SP2 zum Einsatz.

Eine Upgrade-Installation lässt das Setup-Programm nur zu, wenn man es unter dem bestehenden Windows startet. Die Installation verläuft dann ähnlich bequem wie eine frische: Am Anfang einige Fragen, am Ende einige und Sekunden später kann man arbeiten. Auf dem Netbook dauerte die ganze Aktion ziemlich genau eine Stunde, allerdings handelte es sich eben auch um ein frisch installiertes Vista ohne Anwendungen. Das Aktualisieren eines gealterten Vista mit diversen Anwendungen dürfte länger dauern.

Taskleiste

Nach der Installation fällt auf den ersten Blick die neue Taskleiste auf: Sie ist höher als die alte, die laufenden Programme werden nun mit quadratischen Symbolen ohne Namen dargestellt. Hat ein Programm mehrere Fenster geöffnet, werden diese zu einem Eintrag zusammengefasst. Dies lässt sich zwar deaktivieren, aber leider nicht für einzelne Anwendungen, sondern nur komplett: Wer also beispielsweise verschiedene Browser-Fenster mit thematisch jeweils zusammengehörenden Tabs geöffnet hat und die jeweils einzeln in der Taskleiste sehen will, hingegen die diversen Fenster der Textverarbeitung gruppiert haben möchte, wird enttäuscht.

Programme lassen sich an die Taskleiste anheften, sodass ihr Programmsymbol auch dann zu sehen ist, wenn sie nicht laufen. Das spart den Weg über das Startmenü und damit diverse Mausklicks. Im Prinzip bot die Schnellstartleiste bei älteren Windows-Versionen das Gleiche, doch musste man je nachdem, ob das Programm bereits lief oder nicht, jeweils an eine andere Stelle klicken – nun ist es immer die gleiche. Der Unterschied mag banal klingen, doch erspart er das Nachsehen, wo man hinklicken muss und damit auf Dauer tatsächlich Zeit. Zudem fällt es nun leichter, Ordnung in der Taskleiste zu halten, da nicht mehr das zuerst gestartete Programm ganz links steht, sondern immer dasselbe. Endlich lassen sich die Elemente in der Taskleiste auch verschieben. Das Gleiche gilt für den Infobereich neben der Uhr. Hier passen in der Standardkonfiguration zudem nur noch vier Symbole hinein, sodass er aufgeräumter wirkt.

Praktisch sind die "Jump Lists", die sich über einen Rechtsklick auf einen Eintrag in der Taskleiste öffnen. Sie zeigen beispielsweise die zuletzt mit der Anwendung geöffneten Dateien an; besonders oft geöffnete Dateien lassen sich anheften. Das klappt auch mit den Favoriten des Internet Explorer oder mit Ordnern im Explorer. Wer allerdings mehrere Ordner anpinnen will, die gemeinsam auf einem Server im lokalen Netz liegen, erlebt eine unangenehme Überraschung: die Jump List merkt sich stets nur den letzten.

Eine nützliche Kleinigkeit stellt die Fortschrittsanzeige in der Taskleiste dar: Wenn Windows-7-kompatible Programme gerade beschäftigt sind, färben sie ihren Eintrag nach und nach von links nach rechts grün ein, bis sie fertig sind. Währenddessen kann man mit anderen Fenstern arbeiten und verpasst trotzdem nichts. Praktisch ist das etwa, wenn man größere Datenmengen von einem Server kopiert oder eine DVD brennt. Bislang beherrschen allerdings nur wenige Programme das Einfärben – nicht mal alle Windowseigenen. Der Windows-Explorer kann es, nicht aber das bord eigene Programm zum Brennen von CD-/DVD-Abbildern (ISO-Images).

Startmenü

Das Startmenü ähnelt dem von Windows Vista: links eine Liste der häufig genutzten Programme, die sich durch eine Ansicht aller Programme ersetzten lässt, rechts Abkürzungen unter anderem zum Explorer, zur Systemsteuerung und einigen persönlichen Ordnern. Das wichtigste Element des Startmenüs ist unten zu finden: das Eingabefeld für die Suchfunktion. Die durchsucht das Startmenü unter Windows 7 so schnell, dass es länger dauert, den Eintrag etwa für Paint unter "alle Programme/Zubehör" zu suchen, als kurzerhand "pai" ins Suchfeld zu tippen und Enter zu drücken.

Die Konfiguration des Startmenüs ist logischer geworden, beispielsweise lässt sich die Schaltfläche zum Herunterfahren nun in der Systemsteuerung in den Eigenschaften von Taskleiste und Startmenü konfigurieren statt versteckt in den Energieoptionen.

Weitere Informationen zu den neuen Funktionen von Windows 7 finden sich in der Printausgabe 18/09 des c't magazins im Artikel "3, 2, 1, los! Das fertige Windows 7 im Test" ab Seite 78. Den Artikel erhalten Sie auch als pdf-Datei im c't Kiosk.

Fazit

Auch wenn wir hier Kritik an Windows 7 üben: Das ist größtenteils Jammern auf hohem Niveau. Nur an einer Stelle muss die Kritik wirklich deutlich ausfallen: Mit der von Microsoft gewählten Voreinstellung für die Benutzerkontensteuerung ist Windows 7 unsicherer als Windows Vista. Wir empfehlen daher dringend, als ersten Schritt nach der Installation ins Suchfeld des Startmenüs "uac" einzutippen und anschließend den UAC-Sicherheitsregler nach ganz oben zu schieben.

Nur dann ist Windows 7 so sicher wie sein Vorgänger – macht aber viel mehr Spaß. Und das nicht nur, weil alles von Anfang an so funktioniert wie versprochen: das sollte ohnehin als Selbstverständlichkeit gelten. Und auch nicht, weil Windows 7 vor Killerfeatures nur so strotzen würde, im Gegenteil: Abgesehen von einigen Highlights wie der neuen Taskleiste, den Homegroups oder den Bibliotheken sind es vor allem die Kleinigkeiten, die es vom Vorgänger unterscheiden. Wer partout lästern will, könnte Windows 7 als gigantisches Service Pack für Vista bezeichnen, das vor allem haufenweise Fehler und Macken ausbügelt – und läge damit gar nicht mal so falsch.

Viel wichtiger ist aber letztlich, dass es dieses Mal gelungen ist, die Wünsche der Anwender ins fertige Produkt einfließen zu lassen: Offensichtlich hat sich Microsoft bei jedem Handgriff Gedanken gemacht, ob sich das nicht mit ein oder zwei Mausklicks weniger erledigen lässt. Das ist zwar bei der UAC in die Hose gegangen, aber sonst so gut gelungen und an so vielen Stellen mit so viel Liebe zum Detail umgesetzt, dass nur ein Schluss bleibt: Windows XP hat endlich einen würdigen Nachfolger gefunden. Bleibt noch zu klären, ob die gewohnte Hard- und Software mit Windows 7 läuft und ob sich der Umstieg auf die Akku-Laufzeit auswirkt. Diesen Fragen widmet sich der Artikel "Jungfernflug, So schnell und kompatibel ist Windows 7" in der Printausgabe 18/09 des c't magazins ab Seite 84. Den Beitrag erhalten Sie auch als pdf-Datei im c't Kiosk. (Daniel Bachfeld, Johannes Endres, Axel Vahldiek) / (gs)

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