Anders fernsehen - Neue LCD-TVs mit Zusatzausstattung
Gut gerüstet
Viele aktuelle Flachbildfernseher haben das Zeug, die alterehrwürdige Röhrentechnik abzulösen: Die Bildprozessoren werden immer leistungsfähiger und die Algorithmen zur Bildverbesserung immer ausgeklügelter. Die volle HD-Auflösung hat sich ab einer bestimmten Displaygröße weitgehend etabliert. Es kommen immer schnellere Panels zum Zuge und auch an der Hintergrundbeleuchtung der LCD-Schirme wird weiter gefeilt. Wiedergabeseitig hat sich so nach und nach zumindest im oberen Preissektor ein hoher Qualitätsstandard entwickelt.
Schärfer und besser – aber....
Wer als Hersteller neue Techniken einführen will, muss zum einen zeigen, dass sie besser sind als die herkömmlichen und gleichzeitig darauf achten, dass sich nicht gleichzeitig neue Schwächen auftun. Technisch ist inzwischen vieles möglich, allein hapert es oftmals an der konsequenten Umsetzung. Kein Wunder also, wenn die Verbraucher Neuerungen nur zögerlich annehmen. Zum Beispiel die Integration eines Netzwerkanschlusses im Fernseher: Keiner der Kandidaten mit Netzwerkschnittstelle nutzt deren Möglichkeiten voll aus. Loewe liefert beim Connect 32 Media DR+ zwar eine sauber integrierte Streaming- Lösung, verhindert allerdings das Auslesen der internen Festplatte, während es sich bei Technisats HDTV 40 B genau umgekehrt verhält. Der LED Lux 42PFL9803 von Philips scheint dem integrierten Streaming- Client "entwachsen" zu sein – eine solche Netzwerkkomponente hätte man vielleicht vor fünf Jahren erwartet, zumal der Hersteller ausgereifte Komponenten bereits erfolgreich in anderen Geräteklassen einsetzt. Eine eingebaute Festplatte wie in den Modellen von Loewe und Technisat kann auf Dauer einen externen Videorecorder ersetzen, wenn man das Funktionsspektrum noch um einige Funktionen wie Schnittmöglichkeiten und den flotten Export zum PC erweitert.
Backlights mit Leuchtdioden haben sicherlich gute Zukunftsaussichten. Die ersten Gehversuche sehen schon erfolgsversprechend aus. Beide Modelle mit LED-Backlight – der Philips LED Lux 42PFL9803H sowie Samsungs LE40A789R2F bieten einen bei LCD-Flachbildfernsehern zuvor noch nie da gewesenen Schwarzwert. Allerdings gilt es die local-dimming-Technik weiter zu verfeinern und die LED-Eigenschaften besser mit den Panels abzustimmen. So hapert es beim LED Lux noch in der Abstimmung dunkler Bildbereiche beim Samsung-Modell bei der Farbmischung und Bildoptimierung.
Toshibas 42XV556D und der LC-37XL8E von Sharp protzen nicht mit üppiger Ausstattung. Sie zeigen vielmehr, dass man eine hohe Bildschirmauflösung und ein großes Display bereits zu moderaten Preisen bekommt – allerdings auch verbunden mit ein paar Abstrichen. So funktioniert die 100-Hz-Technik beim LC-37XL8E nicht bei 1080p-Signalen und der Toshiba-TV berücksichtigt sie dar nicht. Insgesamt hat die Technik bei den Flachbildfernsehern deutliche Fortschritte gemacht. Jedoch lassen sich diese nur wirklich dann nutzen, wenn man die Bildschirme mit guten Signalen füttert. Wer bei analogem Kabelfernsehen oder beim analogen Videorekorder bleiben möchte, kann auch weiterhin in seine alte Röhre glotzen.
Die in der Sendung vorgestellten Geräte in der Einzelbewertung:
Loewe Connect 32 Media DR+
Der Loewe Connect 32 steckt in einem weißen, edel anmutenden Kunststoffgehäuse, das allerdings eine beachtliche Tiefe hat. Der Fernseher sitzt drehbar gelagert auf einem zierlichen Metallfuß. An der linken oberen Ecke des Gehäuses hängt ein transparentes Öhrchen, das bei aktiver Netzwerkverbindung blau leuchtet. Die Lautsprecher stecken in einer breiten Zeile unterhalb des Displays. Sie verleihen dem mit 80 Zentimeter Bilddiagonale kleinsten Fernseher im Test einen kräftigen Sound, der sich nicht hinter dem der großen Fernseher verstecken muss. Unverständlich ist, warum der Hersteller das Display nicht sauber mittig, sondern etwas nach links versetzt eingebaut hat. Ein paar Spalten des Bildes werden so vom Rahmen verdeckt. In der Mitte zwischen den beiden Lautsprechern sitzt unauffällig und gut zugänglich die kreisrunde Tastenwippe. Darüber lässt sich eine begrenzte Auswahl an Funktionen direkt am Gerät bequem bedienen. Für die Lautstärkeregelung gibt es leider keine Direkttasten, sie steckt im Menü. Zur Bedienung vom Sofa liegt dem Display eine solide und handliche Fernbedienung bei. Das TV-Menü erschließt sich nicht immer von selbst, häufig gelangt man nur auf Irrwegen zur gewünschten Funktion. Immerhin blendet der Bildschirm zu jedem Menüpunkt über die Info-Taste eine ausführliche Hilfe ein. Der Kontrastregler steuert im unteren Bereich die Helligkeit des Backlights und nur im oberen Drittel den Weißpunkt. Das ist nicht nur unüblich, es lässt auch keine optimale Bildsteuerung zu.
Die Signalanschlüsse sind auf der Rückseite nach unten herausgeführt. Dort geht es sehr eng zu, was die Verkabelung erschwert. Dafür lassen sich die Kabel in der Mitte hinter dem Fuß zusammenfassen und hinter einer Abdeckplatte verbergen. So macht der Loewe-Fernseher auch von hinten einen ansehnlichen Eindruck. Die Ausstattung fällt sehr üppig aus: Außer der Netzwerkanbindung per LAN und WLAN bietet der Connect 32 zwei USB-Ports, an die sich externe Laufwerke wie ein USB-Stick, eine Festplatte oder ein Kartenleser anschließen lassen. Zugriff auf das externe Medium erlangt man über das Assist-Menü, in dem sich auch die Netzwerkkonfiguration und die Online-Hilfe befinden. Der FotoViewer unterstützt nur JPEG-Bilder, die er nacheinander anzeigt. In der Miniaturübersicht lassen sich einzeln gekennzeichnete Fotos alternativ zu einer persönlichen Diaschau zusammenstellen. Dem Anwender stehen zur Optimierung der Darstellung alle Bildparameter, wie Kontrast, Helligkeit und Farbe zur Verfügung. Zusätzlich lässt sich die Intervallzeit zwischen drei bis 60 Sekunden einstellen und die Art der Bildüberblendungen variieren. Das Display zeigt die Fotos wahlweise in einer an die Bildschirmauflösung angepassten Größe oder in Originalgröße an. Bei hochaufgelösten Bildern stellt das Display nur einen Ausschnitt dar, der sich per Cursor verschieben lässt. Über die MusicBox kann man Musiktitel vom externen Laufwerk abspielen oder als Untermalung der Diaschau verwenden.
Im Fernseher ist eine Festplatte mit einer Kapazität von 160 GByte eingebaut, die das Fernsehprogramm aufnimmt. Im EPG kann man Sendungen für die Aufnahme kennzeichnen. Der Bildschirm liefert angenehm neutrale Farben. Vor allem Gesichter wirken stets plastisch und natürlich. Zudem verzichtet der Fernseher auf unnatürliche Glättungen von einfarbigen Flächen, sondern lässt diese wie im Röhrenflair etwas körnig erscheinen. Allerdings wirken auch Kinofilme eher wie Fernsehproduktionen. Insgesamt liefert der Connect 32Media DR+ die sauberste Bildoptimierung im Testfeld. Bei Kameraschwenks ruckelt es sowohl im Fernseh- als auch im Videobetrieb – selbst dann, wenn die Funktion Filmmodus aktiviert ist. Feinere Elemente geraten bei Schwenks sogar ins Flimmern. Vor allem dunkle Graustufen geraten etwas bunt, sodass ein grauer Anzug schon mal bunt schimmert. Startet man einen am Connect 32 angeschlossenen PC, verschluckt er den Bootscreen. Erst bei höheren Auflösungen zeigt er ein Bild. Am Analogeingang unterstützt das Display nur die XGA- und WXGA-Auflösungen. Im Digitalbetrieb klappte es bis zur LCD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten ohne Probleme. Auflösungen oberhalb von 1280 x 720 Bildpunkten stellte er stets unskaliert, also pixelgenau mit schwarzem Rand dar.
Kontrast, Helligkeit, Graustufen und Farben sind im digitalen PC-Betrieb gut, allerdings nimmt die Helligkeit in den Ecken um bis zu 25 Prozent ab. Da es keinen separaten Steller fürs Backlight gibt, wirkt der Bildschirm insgesamt sehr hell.
Philips 42PFL9803H/10
Der LED Lux von Philips zählt neben Samsungs LE40A789R2F zu den ersten LCD-Fernsehern mit LED-Backlight. Dadurch erzielt das Display einen beeindruckenden Schwarzwert, der den Vergleich mit Plasmadisplays in dunkler Umgebung nicht scheuen muss. Allerdings misslingt dem Bildschirm die Abstufung dunkler Farbtöne, sie wirken in vielen Szenen zu grob und zusätzlich verfärbt. Manchmal können feine Strukturen im Hintergrund schnellen Kamerabewegungen nicht folgen, was je nach Filmmaterial mal mehr, mal weniger stört. Diese Effekte liegen vermutlich nicht am LED-Backlight, sondern am Umgang des Bildprozessors mit Störungen im Ursprungsmaterial. Der Fernseher liefert ansonsten eine ausgewogene Farbmischung mit kräftigen, satten Tönen – vor allem reine Farben geraten beeindruckend leuchtend, Hauttöne wirken trotzdem natürlich. Auch sonst wartet er mit allen Techniken aktueller High-End-Geräte auf: Die 100- Hz-Technik verbessert die Bewegtbildwiedergabe, die Perfect Pixel HD Engine mindert digitale Störungen wie MPEG-Artefakte, Rauschen und Filmruckeln. Wenn man all die Bildverbesserungen zuschaltet, macht sich jedoch der Soap-Effekt bemerkbar, bei dem sich im Vordergrund liegende Bildinhalte auffällig vom Hintergrund absetzen und dadurch stark hervorgehoben werden. Bei schnellen Kameraschwenks entstehen an kontrastreichen Kanten zuweilen wolkenartige Schatten (Halos). Allerdings sind die Effekte hier weniger stark ausgeprägt als bei den meisten anderen 100-Hz- Fernsehern.
Zur weiteren Ausstattung des LED Lux zählen die Wellness-Raumbeleuchtung Ambilight Spectra 2, sowie eine USB- und eine Ethernet-Schnittstelle mit DLNA-kompatiblem Sreaming-Client zur Wiedergabe von JPEGBildern, MP3-Musik oder MPEG-2-Videos von externen USB-Quellen oder aus dem Netz. Das Menü ist trotz seiner üppigen Einstellmöglichkeiten übersichtlich gestaltet, nimmt aber den gesamten Bildschirm ein. Bei Auswahl eines Parameters verkleinert es sich zwar auf einen Einstellbalken. Doch der verdeckt so viel vom Bildinhalt, dass man die Auswirkungen nicht gut kontrollieren kann. Einzig der Lautstärkebalken hat eine angemessene Größe. Das Zusammenspiel zwischen dem Rändelrad auf der hochwertigen Fernbedienung und der Cursor- Bewegung im Menü klappt nicht zuverlässig. Vorteile ergeben sich eigentlich nur beim Einstellen der Parameter. Bei der Kindersicherung lassen sich einige Extras einstellen wie etwa die Abschaltzeit zu einer vorgegeben Uhrzeit. Die automatische Formatumschaltung zieht 4:3-Sendungen stets auf volle Schirmbreite auf (Panorama), was nicht jedem Zuschauer gefällt. Bei einigen anderen Fernsehern lässt sich dies konfigurieren. Die Lautsprecher klingen ausgewogen und werden dank satter Basswiedergabe auch Spielfilmen oder Livekonzerten gerecht.
Am PC lässt sich der Fernseher mit seiner Nennauflösung betreiben. Für flüssiges Arbeiten empfiehl es sich, die Bildverbesserungen abzuschalten, sonst hinkt der Mauszeiger den Bewegungen stark hinterher. An der analogen Sub-D-Buchse unterstützt der Bildschirm nur Auflösungen bis WXGA.
Toshiba 42XV556D
Mit einem Preis von 830 Euro ist Toshibas 42XV556D das günstigste und gleichzeitig mit das größte Modell im Test. Für sein Geld erhält man zwar volle HDAuflösung, allerdings nicht einmal 100-Hz-Technik. Die Ausstattung ist insgesamt nur Standard. Der Fernseher wirkt dank seines mit dreieinhalb Zentimetern schmalen Rahmens trotz seiner Größe eher zierlich, ist solide verarbeitet und steht sicher auf seinem Drehfuß. Die Anschlüsse sind wie bei Philips, Samsung und Sharp an der Rückseite leicht versenkt untergebracht. Die in einer sehr schmalen Leiste unterhalb des Displays untergebrachten Lautsprecher liefern einen mittelmäßigen Klang, der für Nachrichten, Talkshows und Dokumentationen ausreicht. Wie beim Gerät von Samsung erscheint im DVB-T-Betrieb zunächst ein von der Standardoberfläche abweichendes Menü, das jedoch bei Auswahl der Bildparameter wieder in die Normalansicht wechselt. Das Ordnen der Senderliste geht nur zäh vonstatten, da der Fernseher beim Scrollen durch die Senderliste stets ein Bild einstellen will, was bis zu zwei Sekunden pro Kanal dauert. Wenn man alle 30 Sender neu sortieren möchte, gerät das zu einer abendfüllenden Beschäftigung. Auch das Zappen von Sender zu Sender dauert mit knapp fünf Sekunden entschieden zu lange. Im Fernsehbetrieb liefert der Bildschirm ein im Vergleich weich gezeichnetes, wenig detailliertes Bild. Ein Stoppelbart gerät hier zu einer gräulichen Fläche. Gesichter wirken so nur wenig plastisch und natürlich. Auch bei der Farbmischung vergreift sich das Display immer wieder vor allem bei Gesichtern, die manchmal unnatürlich rötlichgelb geraten, manchmal in Schattenpartien ins Grünliche abgleiten. Mit hochaufgelöstem Videomaterial kommt der Bildschirm besser klar. Hier gelingt ihm eine natürlichere Farbmischung mit Kinotouch. Hintergrundflächen, wie etwa farbige Zimmerwände, geraten allerdings etwas unruhig verrauscht, bei Kameraschwenks ruckelt es ähnlich wie im Kino deutlich.
Die Darstellung wirkt insgesamt kontrastärmer als bei den anderen Kandidaten. Schwarz sieht stets etwas gräulich aus. In seiner Standardauflösung am PC liefert Toshibas 42XV556D ein gestochen scharfes Bild. Sobald sich aber im Bild etwas bewegt, beginnt die Darstellung unerfindlichen Gründen lokal an zu flimmern. Der Effekt lässt sich auch nicht dadurch beseitigen, dass man die Bildverbesserungen deaktiviert. Bei anderen Auflösungen tritt der Fehler nicht auf. Analoge PC-Timings akzeptiert der Bildschirm bis WXGA, in der Darstellung treten dann aber helle Säume an kontrastreichen Kanten auf, die sich nicht beseitigen lassen.
Den gesamten Testbericht erhalten Sie als PDF-Datei auch in unserem Archiv.
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