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Bewegte Bilder im vollen HD-Format - HD-Camcorder - vom Fun-Modell bis zur Einsteiger-Cam

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Als die ersten filmfähigen Mobiltelefone herauskamen, belächelten die Camcorder-Hersteller diese seltsame Konkurrenz – kein Wunder angesichts der Aufnahmequalität. Inzwischen ist das Lächeln geschwunden, die Vertreter der Zunft haben durchweg eigene Modelle der Spezies im Programm. Diese oft „Spaß-Camcorder“ genannten Geräte stellen nicht nur für den Einsteiger eine willkommene Alternative zum funktionsgeladenen, oft überbordend aus gestatteten Cam corder der Standardklasse dar. Zugespitzt auf den Anwendungsfall, schnell und unkompliziert spontane Videos zu filmen, zeigen sie – wie ihre Gegenstückdie nicht mal 720p entsprechen e aus der Sport- und Actionabteilung – eine fast minimalistisch anmutende Ausstattung und einen vergleichsweise spartanischen Funktionsumfang.

Das muss gar kein Nachteil sein: Ohne langes Fummeln an Schärfe, Zoom oder Weißabgleich leisten die „Handy-Camcorder ohne Telefon“ genau das, was junge Leute, Freunde unvorbereiteter Szenen und Fans quirliger Videoschnappschüsse brauchen: einschalten, draufdrücken, los geht’s. An eine langwierige Nachbearbeitung per PC denken dabei die wenigsten; so spornstreichs wie die Aufnahmen entstehen, landen sie ungeschminkt auf einer der vielen Videoplattformen im Internet. Damit das ohne umständliche Programm-Installation geht, bringen die meisten Geräte im Testfeld gleich einen Uploader mit. Deren Leistungsspektrum zielt vor allem auf die schnelle Veröffentlichung im Web; Schnitt- oder Korrekturfunktionen spielen – sofern vorhanden – nur eine untergeordnete Rolle. Nahezu durchweg kommt als Speichermedium eine steckbare SD-Karte zum Einsatz, auf der auch die JPEG-komprimierten Fotos landen; im Testfeld nutzt nur der Sony Bloggie touch einen eingebauten, 8 GByte großen Flash-Speicher. Kodak stattet seinen Play touch mit einem 128 MByte großen Puffer aus.

Design sells

Mehr Wert als auf technische Fein heiten legen Hersteller und Zielgruppe auf ein ansprechendes Äußeres; hier äußert sich die Verwandtschaft zu den stylischen Handies – oder zum Apple iPod touch, dessen Bedienkonzept min destens beim Sony Bloggie touch Pate stand. Doch der iPod touch, der in der gleichen Preisklasse antritt wie die hier vorgestellten Camcorder, lieferte im Test Aufnahmen, die nicht mal 720p entsprechen.

Die wenigen Bedienelemente, das oft kleine Display und die – schon wegen der Handhaltung mindestens zigarrettenschachtelgroßen – Abmessungen lassen den Designern großen gestalterischen Spielraum. Den nutzen sie für Hochglanz, Chrom und Zierlinien; vom Äußeren her halten die getesteten Camcorder allemal mit aktuellen Funktelefonen mit.

Je weniger Parameter man verändern kann, desto geringer ist das Risiko einer Fehlbedienung – diese Philosophie steht bei den Camcorder-Minimalisten im Vordergrund. Funktionen für einen manuellen Fokus, für unterschiedliche Belichtungszeiten (Shutter Speed) oder Farbkorrekturen zählen definitiv zur Randgruppe der nur selten eingebauten Zutaten; im Testfeld bringt keines der Geräte solche Funktionen mit.

Stattdessen folgen die Kandidaten der Idee des narrensicheren Vollautomaten, wie es ihn im Fotobereich längst gibt: draufhalten, Auslöser drücken, passt. Das erfordert Automatismen, die in fast jeder Situation brauchbare Ergebnisse sicherstellen – „good enough qua lity“ reicht. Tiefschürfende Eingriffe in die Arbeitsweise des Gerätes sind da weder willkommen noch notwendig.

Um den angepeilten Preisrahmen bis etwa 250 Euro nicht zu sprengen, haben die Hersteller mit spitzem Rotstift Ausstattungs- und Feature-Listen durchforstet. Übrig geblieben ist ein knapper Vorrat an Bedienelementen und Funktionen. Deren Auslegung und Anordnung erinnert an die Flip-Cam, die vor Jahren die Klasse der Spaß-Camcorder initiierte; deren aktuelle Version, die Flip-HD, //www.heise.de/artikel-archiv/ct/2009/22/132:haben wir bereits vorgestellt. Das Flip-Bedienkonzept erfordert im Wesentlichen je einen Auslöser für Video und Foto, einen Ok-Knopf sowie vier Taster für Rauf/ Runter und Links/Rechts; mehr ist schon fast zu viel.

Gleiches gilt für die technische Auslegung, vom Objektiv, das inzwischen nicht mehr durchgehend in Fixfokus-Bauweise aus geführt ist und immerhin bei drei von sieben Geräten per Optik zoomen kann, über die Wandler, die für brauchbar aufgelöste Fotos taugen, aber keine knackig scharfen Videos liefern, bis zu den Akkus, die für 50, bestenfalls 120 Minuten Dauerbetrieb Energie liefern. Wenn im Freien die Temperaturen in Richtung Nullpunkt rauschen, nimmt allerdings auch die Kapazität der Stromspeicher um zweistellige Pro zentwerte ab. Dumm, wenn man die Akkus wie beim Sony Bloggie touch nicht gegen ein ge ladenes Doppel austauschen kann. Außerdem endet die Lebensdauer des Camcorders mit der des Akkus. Verzichten muss man auch auf optische Bildstabilisatoren, manuelle Audiokontrolle und manuellen Weißabgleich. Sucher und Fernbedienung fehlen durchweg.

Die HDMI-Schnittstelle – als direkte Kopplungsmöglichkeit für eine optimale Übertragung an hochauflösende Displays – hat sich als Standard durchgesetzt; selbst im Testfeld kommen nur der Aiptek und der Panasonic ohne diese Buchse in Miniaturausführung aus. Eine analoge AV-Schnittstelle zählt schon fast zu den Besonderheiten seltener Art; nur noch JVC und Panasonic statten ihre Modelle damit aus.

Ein S-Video-Anschluss ist bei keinem Gerät vorhanden. Und nur mit den Geräten von Kodak und Samsung kann man aufgezeichnete Clips direkt im Camcorder schneiden. Über den Datentransfer hinaus werden bei nahezu allen Kandidaten die Akkus über die USB-Schnittstelle geladen.

Unsere Tests konzentrierten sich auf die Bedienung, auf die Arbeitsweise der Automatiken und auf die optischen Fähigkeiten, auch in schummriger Umgebung. Die technischen Eckpunkte wurden im Labor ermittelt, wir probierten die Camcorder in verschiedenen Situationen aus, wo es um Autofokus, Weißabgleich und Belichtungssteuerung ging, und prüften Bedienkonzept und Handhabung. Die Ergebnisse der Messungen fassen die Tabellen und Diagramme in der Printausgabe 1/2011 des c't magazins ab Seite 120 zusammen. Dort finden Sie auch unsere Bewertungen der nicht in der Sendung vorgestellten Fun-Camcorder sowie die wichtigsten Ausstattungsmerkmale und technischen Daten auflistet. Hier nun die Resultate der drei in der Sendung näher vorgestellten Geräte.

JVC GC-WP 10 - der Wetterfeste

Die meisten Foto- und Videogerätschaften mögen weder Nässe noch Spritzwasser. Nicht so der WP-10 von JVC: Er ist laut Hersteller tauchfest bis drei Meter Wassertiefe. Dabei sieht er nicht mal sonderlich „abgedichtet“ aus. Nur die vier Taster – Ein/Aus, Foto/ Video, Auslöser und Screen Lock – an der rechten Seite sind gut geschützt, die Anschlüsse verdeckt eine stramm verriegelbare Abdeckung, deren Dichtgummi
die Buchsen für HDMI-, USB- und AV-Schnittstelle sowie den SD-Kartenslot vor eindringendem Wasser schützen soll. Am HDMI-Ausgang steht bei der Wiedergabe ein HD-Datenstrom bereit.

Hauptbedienelement ist ein 76 mm (Diagonale) großes Touchdisplay, das zwar keine ganz so „stylische“ Bedienoberfläche zeigt wie der Sony Bloggie touch, aber übersichtlich und gut verständlich Funktionen und Parameter zugänglich macht. Insgesamt schneidet die Bedienung des Camcorders gut ab.

Das gilt für die Videos nur eingeschränkt. Die Belichtungssteuerung reagiert prompt, der Weißabgleich angemessen ruhig. Bei strahlendem Sonnenschein entstehen auffallend farbkräftige – fast posterartig knallige – Clips, solange man den Camcorder nicht bewegt. Bei bedecktem Himmel entwickelt der JVC eine Tendenz zum Rauschen; dann führen Bewegungen des Camcorders zu deutlichem Verwischen der Videos. Luminanz-Auflösung und Schärfe rangieren auf gutem Niveau, die Farbauflösung rutscht aber deutlich ab. Der digitale Zoom verschlechtert den Bildeindruck zusätzlich; er sollte daher nur sehr sparsam eingesetzt werden. Ein Bildstabilisator fehlt.

Etwas besser sehen die Fotos aus dem JVC aus, die mit akzeptabler Schärfe und ausreichender Kontrastwiedergabe aufwarten – eine kräftige Beleuchtung vorausgesetzt.

Als einziges Gerät im Testfeld bietet der JVC eine Funktion zur Audioaufnahme in Stereo, die dank eines fast unerschütterlichen Limiters nicht nur für dokumentarische Zwecke praktisch ist. Auf dem Display erscheint dann eine bunte, aber ausreichende Aussteuerungsanzeige. Wie im Videomodus dringen allerdings Handhabungsgeräusche deutlich in die Aufzeichnung durch.

Mit dem Camcorder liefert JVC eine Version der Videosoftware LoiLoScope EX mit. Das recht eigenwillige Programm stellt eine brauchbare Basis zum Zurechtstutzen und Uploaden ins Web bereit.

Panasonic HM-TA 1 - der Günstige

Der günstigste Camcorder im Testfeld zeigt ein unauffälliges Äußeres. Das gut verarbeitete, robuste Gehäuse enthält einen ausschiebbaren USB-Stecker, der, starr mit dem Camcorder verbunden, ein gewisses Abbruchrisiko birgt. Gleiches gilt für den an einem zierlichen Kunststoffband hängenden Deckel für den USB-Stecker. Die transparente Abdeckung über dem Objektiv ist anfällig gegen Kratzer.

Auf dem 51 mm (Diagonale) messende Display sieht man ein vergleichsweise kleines Kontrollbild, das eine exakte Ausrichtung in detailreichen Situationen nicht sonderlich erleichtert. Anzahl und Layout der Bedienelemente folgen dem üblichen Umfang – bis auf die Taste „Light“. Damit aktiviert man eine weiß leuchtende LED, die nach Art der Displaybeleuchtung eines Funktelefons im Nahbereich etwas Aufhellung bringt. Über die Vier-Achsen-Taster lässt sich das übersichtlich strukturierte Menü gut bedienen. Dort finden sich ein ausreichender Vorrat an Parametern und obendrein eine kleine Sammlung von Effekten – vom Weichzeichner bis zur Sepia-Tönung.

Die Wirkung des Rotstiftes merkt man am deutlichsten bei der Ausstattung. So muss der Panasonic-Käufer auf eine HDMI-Schnittstelle verzichten; eine direkte Möglichkeit zum Abspielen der Clips auf einem großen Display verschließt sich damit. Die über eine proprietäre Kabelpeitsche bereitgestellte AV-Schnittstelle überträgt SD-Video und Mono-Ton – denn in Stereo zeichnet der HM-TA 1 nicht auf.

In den Videos zeigt sich eine beachtliche Qualität, die auch bei Bewegungen nicht abnimmt. Der digitale Zoom allerdings verschlechtert die Bildqualität einmal mehr deutlich. In Sachen Rauschen belegt der Panasonic den Spitzenplatz im Testfeld, zumindest solange der Camcorder eine ausreichend beleuchtete Szenerie vorfindet. Die Farben erscheinen – auch bei schwachem Licht – natürlich und gut abgestimmt, was die Messungen im Labor bestätigen. Kontrast und Schärfe rangieren auf erfreulichem Niveau. Auch bei kräftigen Bewegungen bleiben Artefakte weitgehend unsichtbar; der Stabilisator hilft hier zu erkennbar beruhigten Bildern.

Recht ausgeglichen fällt die Audioaufzeichnung aus. Handhabungsgeräusche dringen kaum in die Aufnahme durch. Fotos aus dem Panasonic sehen zwar etwas kühl getönt aus, sind aber allemal brauchbar.

Samsung HMX-U 20 -der Elegante

Im gleichen Format wie der Panasonic macht der HMX-U 20 schon durch ein deutlich größeres Gewicht auf sich aufmerksam. Das vermittelt eine wertige Haptik, man hat was in der Hand. Die leicht gebogene Gehäuseform bewahrt das 51 mm (Diagonale) kleine, von oben schlecht ablesbare Display auf der Rückseite vor manchem Kratzer. Das 3x-Zoom-Objektiv vorne wird durch einen auffallenden Kragen geschützt.

Auf der Rückseite sind die üblichen Knöpfe und Taster vorhanden, ergänzt um eine Miniatur-Zoomwippe, mit der man den Blickwinkel recht bequem ändern kann. Ein mit „Smart Auto“ beschrifteter Knopf startet die Upload-Funktion für YouTube. Ein wackeliger Deckel soll die Anschlüsse schützen. Flexibel ist der ausklappbare Arm mit dem USB-Stecker. Das Menü des Samsung enthält fünf Haupteinträge, mit denen man Auflösungen und Parameter schnell einstellen kann; dank der guten Strukturierung ist es einfach durchschaubar.

Ohne Zweifel belegt der Samsung im Testfeld einen der Spitzenplätze, was die Qualität der Aufnahmen betrifft – sofern der digitale Zoom nicht in Aktion tritt. Auf Beleuchtungsintensitäts- und Farbwechsel bei Schwenks reagiert die Steuerung souverän und ohne Pumpen. Die Farbwiedergabe gefällt trotz einer leichten Gelb- und Magentaschwäche. Zwar kommt es hier und da zu Rolling-Shutter-Effekten, auch das Rauschen bei schwachem Licht kann man nicht wegdiskutieren, aber selbst bei starken Bewegungen erspart der HMX-U 20 dem Zuschauer grässliche Kompressionsartefakte, Klötzchenbildung und extremes Rauschen.

Im Vergleich mit den meisten digitalen Zooms sorgt die Samsung-Lösung für akzeptable Ergebnisse, allerdings zeigten sich im Labor hier und da Unsicherheiten in der Fokussierung. Schade, dass eine Stabilisierung fehlt – diese Videos würden den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen.

Ähnlich erfreulich schnitten die Fotos des HMX-U 20 ab. Mit einer preiswerten Digital-Fotokamera werden sie nicht mithalten können, aber als Schnappschüsse taugen sie allemal.

Die Audio-Abteilung arbeitet unspektakulär. Wie bei den anderen Kandidaten sind Handhabungsgeräusche – hier vor allem das Betätigen der Zoomwippe – deutlich in der Aufnahme hörbar. (Ulrich Hilgefort) / (gs)

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