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Bilder - zum Anfassen schön - Die 3D-Technik kommt

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"Noch drei Jahre, dann wird es im Kino fast nur noch 3D-Filme zu sehen geben" – das verkündete vor wenigen Monaten der US-amerikanische Filmproduzent Jeffrey Katzenberg, Miteigentümer des großen Studios DreamWorks und definitiv keine kleine Nummer in Hollywood. Katzenbergs Prognose wirkt im ersten Moment befremdlich. Doch die Zahlen geben dem 3D-Evangelisten recht: In Deutschland hat sich die Zahl der 3D-fähigen Digitalkinos in den letzten Monaten mehr als verdoppelt. Rund 80 Kinos können derzeit digitales 3D zeigen. Auf der anderen Seite des Atlantiks haben bereits nahezu 1600 der insgesamt 5900 Kinos mindestens einen Saal auf die digitale 3D-Technik umgestellt. Ein Nischenphänomen ist das nicht mehr – so viel ist sicher.

Nicht zu vergessen: Die Kasse klingelt ordentlich. Bei der DreamWorks-Produktion "Monsters vs. Aliens" wurde ein Drittel des deutschen Gesamtumsatzes in 3D-Kinos generiert – und das, obwohl nur 50 von insgesamt 750 Spielstätten die räumliche Fassung zeigten, dafür allerdings auch höhere Eintrittspreise verlangten. An Material mangelt es nicht: Die erfolgreichsten Animationsfilm-Produzenten Pixar, Disney und DreamWorks haben verkündet, jeden ihrer neuen Filme auch in einer stereoskopischen Fassung in die Kinos zu bringen. Mit Steven Spielberg, James Cameron und Robert Zemeckis arbeiten einige der bekanntesten Regisseure an 3D-Produktionen.

Wohnzimmer aufrüsten

Die aktuelle 3D-Welle schickt sich zudem an, aus den Kinosälen in die Wohnzimmer zu schwappen: Wenn es nach dem Willen der Unterhaltungsindustrie geht, sollen die Zuschauer im Kino mit dem räumlichen Filmerlebnis angefixt werden, um dann ihren Wohnzimmer-Gerätepark auf 3D-Technik umzustellen. Das Problem: Es gibt noch keinen Standard für 3D-Filme in hoher Auflösung. Die 3D-Lobby betont zwar, dass bereits 1,4 Millionen 3D-fähige Fernseher in den Wohnzimmern stehen. Mangels 3D-Inhalten werden die meisten Besitzer dieser Wunderkisten allerdings gar nicht wissen, dass ihr Fernseher – zusammen mit einer Shutterbrille – auch räumlich statt flach könnte.

Mitverdienen an der neuerlichen 3D-Welle wollen auch die Hardware-Hersteller mit 3D-Monitoren und dergleichen. Dabei haben sie einen entscheidenden Vorteil: In der Computerwelt gibt es bereits massenhaft 3D-Inhalte. Während in der Unterhaltungselektronik-Branche noch fieberhaft überlegt wird, wie man stereoskopisches Videomaterial in die Wohnzimmer bringen kann, benötigt man am Rechner nur einen Treiber, der Direct3D- oder OpenGL-Software stereoskopisch ausgibt. Mehr dazu beschreibt der Artikel "Räumlich am Rechner, Fotos, Videos und Direct3D-Programme stereoskopisch darstellen" in der Printausgabe 15/09 des c't magazins ab Seite 84. Den Beitrag erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't-Kiosk.

Spiele, Programme wie Google Earth, Rendering- und Konstruktionssoftware lassen sich so überreden, räumliche Bilder anzuzeigen – hier wird ja intern bereits mit Tiefeninformationen gearbeitet, es müssen lediglich zwei Ansichten berechnet werden. Nach Unternehmen wie Hyundai, Zalman und iZ3D hat nun auch Grafikkarten-Primus Nvidia seine Shutterbrille 3D Vision auf den Markt gebracht. Ein Test dieser und weiterere 3D-Brillen sowie 3D-tauglicher Displays lesen Sie in der Printausgabe 15/09 im Artikel "Richtig räumlich, 3D-Hardware im Test" ab Seite 90. und weiterer en Beitrag erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't-Kiosk.

Kurioserweise unterscheidet sich die Nvidia-"Innovation" technisch keinen Deut von den Shutterbrillen, die Unternehmen wie Elsa und Asus bereits vor zehn Jahren verkauft haben. Wirklich neu ist in Sachen 3D ohnehin so gut wie nichts: Die Stereografie wurde sogar noch vor der Fotografie erfunden – der Wissenschaftler Charles Wheatstone nutzte bei seinem ersten Stereoskop noch Zeichnungen statt Fotos. Erst einige Jahre später war die Fotografie so ausgereift, dass sie für Stereoskope verwendet werden konnte. Auch die Filmpioniere Lumière sollen Ende des 19. Jahrhunderts schon mit 3D-Filmen experimentiert haben. Die heute noch gebräuchlichen Verfahren, Stereobilder mit Farboder Polarisationsfiltern darzustellen, wurden vor weit über 100 Jahren entwickelt.

Von der Kirmes ins Kino

Noch bevor sich der Kinofilm als Massenmedium durchsetzte, erlebte die Stereoskopie ihre erste Blütezeit. Auf Jahrmärkten buhlten hölzerne Guckkästen – sogenannte Stereoskope – um zahlende Zuschauer und begeisterten mit räumlichen Ansichten aus fernen Ländern, von Naturkatastrophen und leichtbekleideten Frauen. Effektiv war das Prinzip nicht, schließlich benötigte man ein Stereoskop pro Person, ganz im Unterschied zu Kinovorführungen, wo ein Projektor einen ganzen Saal voller Menschen mit bewegten Bildern beglücken kann.

Und auch wenn in den dreißiger Jahren der noch heute erhältliche View-Master, sozusagen die Mini-Version der Jahrmarkt-Guckkästen mit auswechselbaren Bildscheiben, zum Verkaufsschlager wurde, blieb 3D bis in die fünfziger Jahre ein massenmedialer Nebenschauplatz. Doch dann, im November 1952, kam "Bwana Devil". Der Farbfilm gilt als Auslöser des ersten 3D-Booms im Kino. Auch zuvor gab es schon 3D-Filme zu sehen, allerdings in Schwarzweiß und meist mit Anaglyphen-Technik, bei der die Zuschauer Rot-Grün-Brillen tragen mussten.

Bei "Bwana Devil" wurden farbneutrale Polfilterbrillen eingesetzt; die gleichzeitige Darstellung von Farbe und räumlicher Tiefe war eine technische Sensation – und bedeutete großen Aufwand. Kinobetreiber mussten zwei Projektoren – einen für jedes Auge – sowie eine Silberleinwand installieren. Konventionelles Leinwandmaterial hätte die vorpolarisierten Bilder wieder entpolarisiert, sodass der 3D-Effekt nahezu vollständig verschwunden wäre. Außerdem mussten die beiden Filme synchron durch die Projektoren laufen, was in der Praxis fast nie perfekt funktionierte. Nicht zuletzt störten Helligkeitsunterschiede in der Projektion sowie der unruhige Bildstand. Das Resultat: Kopfschmerzen bei den Zuschauern, weil das Gehirn mit dem Zusammenpuzzeln nie wirklich zusammenpassender Stereobilder heillos überfordert war.

All diese Probleme führten bereits nach wenigen Jahren zum jähen Ende dieser 3D-Ära. Hitchcocks 3D-Produktion "Bei Anruf Mord" lief Ende 1954 zumindest in Europa fast überall nur in der 2D-Version – und das, obwohl die Produktion noch heute als Lehrstück für sinnvolle 3D-Inszenierung gilt. In populären Comic-Heften lebte die 3D-Kultur weiter. Wie dieser c’t-Ausgabe lagen den Heften oft Anaglyphen-Brillen bei.

Die 3D-Verfechter in Hollywood gaben nicht auf: Mit sogenannten Single-Strip-Verfahren, also mit Stereobildern auf einem einzelnen Filmstreifen, versuchte man, die 3D-Projektion zu vereinfachen. Statt zweier aufwendig synchronisierter Projektoren war hier nur noch ein einzelner Projektor mit Speziallinse erforderlich. In den achtziger Jahren brandete die 3D-Welle noch einmal kurz auf, Filme wie "Jaws 3-D" und "Amityville 3-D" begeisterten das meist jugendliche Publikum. In puncto Bildqualität waren die Single-Strip-Verfahren im Vergleich zu den Doppelprojektionslösungen aus den Fünfzigern jedoch ein Rückschritt.

Nackte Früchte – in 3D

Auch im Fernsehen experimentierte man immer mal wieder mit räumlichen Bildern: So produzierte der NDR Anfang der achtziger Jahre die zweiteilige Sendung "Wenn die Fernsehbilder plastisch werden", die mit der Anaglyphen-Technik und Rot-Grün-Brillen arbeitete. In den Neunzigern steigerte RTL die Quoten von Hugo-Egon Balders Gaga-Show "Tutti Frutti", in dem man die Striptease-Auftritte von Kandidaten und Ballettmädchen in 3D bewundern konnte. Zum Einsatz kam hier die Pulfrich-Technik (erst als Nuoptix vermarktet, später als Telcast). Der Zuschauer trägt hier eine Brille mit einer hellen linken und einer dunklen rechten Folie. Im Vergleich zu einem Bild normaler Helligkeit werden abgedunkelte Bilder verzögert wahrgenommen – so entsteht ein Stereoeffekt, obwohl die Bilder mit einer ganz normalen Kamera aufgenommen wurden.

Der große Vorteil des Verfahrens: Auch ohne 3D-Brille sieht man scharfe Bilder. Der Nachteil: Die Kamera – oder zumindest der Bildhintergrund – muss immer in Bewegung sein, was bei längeren Produktionen zu akuten Ermüdungserscheinungen der Zuschauer führt. Statt einer Spezialbrille können Sie sich auch einfach eine Sonnenbrille vor das rechte Auge halten.

2005 begann dann die immer noch aktuelle zweite große 3DKinowelle, und zwar mit einem technischen Quantensprung: Das US-amerikanische Unternehmen RealD hatte ein eigentlich für Röhrenmonitore konzipiertes Verfahren für die große Leinwand adaptiert, sodass man mit einem einzelnen digitalen Projektor stereoskopisch vorführen konnte – in perfekter Bildqualität (mehr zur 3D-Kinotechnik lesen Sie in c’t 16/08 im Artikel "3D 2.0, Neuer Anlauf für Stereoskopie im Kino" ab Seite 72. Den Beitrag erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't-Kiosk.). Zwar boten auch die Verfahren aus den fünfziger Jahren einen ausgezeichneten Bildeindruck – allerdings nur theoretisch, weil es in der Praxis nur selten gelang, die Projektoren perfekt zu synchronisieren.

Auch die Filme selbst erreichten durch die vollständige Digitalisierung aller Arbeitsabläufe ganz neue Qualitätsdimensionen. Auf einmal waren Dinge möglich, von denen man zehn Jahre zuvor nicht einmal zu träumen wagte. Das Tollste: Dank billiger Rechenpower waren sie sogar bezahlbar.

Digitale Initialzündung

Die ersten digitalen 3D-Produktionen "Chicken Little" (2005), "Beowulf" (2007) und "Hannah Montana & Miley Cyrus: Best of Both Worlds Concert" (2008) stellten dann eindrucksvoll unter Beweis, dass sich mit 3D-Kino noch Geld verdienen lässt. Überdies versuchen die Majors schon seit langem, die Kinobesitzer von der digitalen Projektion zu überzeugen – wenn die Filme auf Festplatte oder sogar per Datenleitung in die Kinos gelangen, können sich die Studios die teuren Analogkopien und deren Transport sparen. Die Kinobetreiber stellten sich quer, viele wollten nicht für etwas investieren, das lediglich Verleih und Studios Geld spart – schließlich sei es den Kinobesuchern herzlich egal, ob analog oder digital projiziert wird, argumentierten viele Kinobetreiber. Mit der aktuellen 3D-Technik, die zwingend digitale Projektion erfordert, bekommen die Kinobetreiber nun allerdings einen Mehrwert.

Und der scheint zu überzeugen: Seit den ersten 3D-Erfolgen schreitet die Digitalisierung weit schneller voran als zuvor – und der 3D-Hype im Kino scheint wie eine Initialzündung für 3D in anderen Medien zu wirken. Auch wenn Kritiker nicht müde werden zu betonen, dass von der Stereo-Mania lediglich die Hollywood-Studios profitieren, rollt die 3D-Welle nicht nur in den USA: Auch in Deutschland sind bereits eine Handvoll 3D-Produktionen in Arbeit – spannenderweise keine Mainstream-Blockbuster, sondern ambitionierte Filmkunst-Projekte.

Ob nun aber, wie Hollywood-Tycoon Katzenberg prognostiziert, in ein paar Jahren wirklich alle Filme in 3D in die Kinos kommen, ist zweifelhaft. Realistischer scheint, dass bei künftigen Filmproduktionen stets abgewägt wird, ob sich der Stoff für die stereoskopische Präsentation eignet. Je mehr 3D-Produktionen in die Kinos kommen, desto größer wird die Nachfrage nach 3D-Heimkino-Technik. Und: Hat sich das stereoskopische Sehen erst einmal etabliert, wird es alle Medien verändern – vom Computerspiel bis zur Vorabendserie. Vorher müssen die 3D-Macher allerdings noch beweisen, dass Stereoskopie mehr sein kann als ein billiges Gimmick – nämlich ein Hilfsmittel, um Geschichten intensiver zu erzählen.

Die Software, um auf einem PC 3D-Videos abzuspielen finden Sie auf unserer "Serviceseite 3D". Dort stellen wir auch einige 3D-Videos zum Download bereit. Aus urheberrechtlichen Gründen benötigen Sie zum Download der Video-Dateien einen Usernamen und ein Passwort. Beides winden Sie in der Printausgabe 15/09 des c't Magazins im Artikel "Räumlich am Rechner, Fotos, Videos und Direct3D-Programme stereoskopisch darstellen" ab Seite 84. (Jan-Keno Janssen) / (gs)

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