Das Geschäft mit der Angst - Falsches Notrufhandy für Senioren
Es klingt so einfach auf der Verkaufsveranstaltung. Das richtige Handy in Verbindung mit dem passenden Vertrag soll Sicherheit geben. Das verspricht der Verkäufer des so genannten Senioren-Notrufhandys. Sogar Leben retten soll es können!.
Dafür hat das vermeintliche Handy angeblich sogar eine Notruftaste. Ein Druck und das Handy löst Alarm aus und ruft den Rettungsdienst an. Die Notfallretter sollen das Handy und damit auch die Notsituation über den eingebauten GPS-Empfänger auf wenige Meter genau orten können.
Windige Verkäufer
All das spielt sich auf einer Verkaufsveranstaltung der Vertriebs-Firma EKG ab. Das Angebot: Die Rentnerinnen sollen einen Handyvertrag abschließen: 4,95 Euro Grundgebühr und 15 Euro dazu, die als Gesprächsguthaben abtelefoniert werden können. Das ganze wird abgewickelt über den Mobilfunkbetreiber Talkline.
Die Handys können Gisela K. und Hedwig C. gleich mitnehmen. Eigentlich sehr praktisch.
Böses Erwachen
Aber dann kommt die erste Rechnung. Und der vermeintliche Spezialtarif entpuppt sich als ein ganz normaler Handyvertrag für 19,95 Euro Grundgebühr. Von einem Gesprächsguthaben ist jetzt keine Rede mehr. Und das Spezialhandy? Dabei handelt es sich um ein ganz normales Seniorenhandy mit keinen besonderen Fähigkeiten – der Notrufknopf entpuppt sich als ein einfacher Rufnummernspeicher. Auch die Ortungsfunktion gibt es nicht.
Aussage verweigert
Wir konfrontieren den Geschäftsführer von EKG im niedersächsischen Garrell mit den Vorwürfen. Zuerst gibt sich einer der Geschäftsführer ahnungslos, er sei nicht informiert und müsse erst Rücksprache halten. Dann allerdings bleibt die Tür zu. Man verweigert uns das Interview.
Die Björn-Steiger-Stiftung
Geworben hatte die Firma auch im Namen der Björn-Steiger-Stiftung. Die Stiftung zählt seit den 1960iger Jahren in Deutschland zu den Pionieren der Notfallrettung. Was hat die Stiftung mit diesen Machenschaften zu tun? Gar nichts, bestätigt uns Melanie Storch von der Björn-Steiger-Stiftung. „Wir verfolgen diese Machenschaften bereits seit längerem strafrechtlich und bitten alle Betroffenen dringend, sich bei uns zu melden.“ Die Werber haben sich vermutlich alte Flyer der Stiftung besorgt und verteilen diese auf ihren Verkaufsveranstaltungen, um einen serilsen Eindruck zu machen.
Was tun?
Betroffene sollten sich direkt bei der Björn-Steiger-Stiftung melden, entweder per Telefon 0711-320666-10 oder per Email an info@steiger-stiftung.de
Den abgeschlossenen Handyvertrag wird man los, indem man beim beim Vertragspartner den aufgrund falscher Versprechen geschlossenen Vertrag anfechtet. Auch wenn sich der Anbieter zunächst weigert, sollte man auf einer fristlosen Kündigung bestehen.
Im Themenforum Vorsicht, Kunde! diskutieren.
Videos dieser Serie (5)
-
Das Geschäft mit der Angst - Falsches Notrufhandy für Senioren
Die Verkaufsveranstaltung ist ein voller Erfolg: Der Anbieter hat genau das im Programm, was viele Senioren sich wünschen. Doch das dicke Ende kommt mit der Übersendung ver Vertragsunterlagen...
-
Probleme mit der Technik? - Schnurer hilft!
Volker H. aus Uelzen fragt wie er gelöschte Daten unter Windows wiederherstellen kann.
-
Schokotorte, Puzzle und Tapete - was man mit Fotos so alles machen kann
Das c’t magazin hat getestet, welcher Belichtungsservice die besten und die billigsten Fotoabzüge herstellt – denn auf das gute alte Fotoalbum will kaum einer verzichten.
-
Was ist eigentlich? - Das c’t magazin Computer ABC - Slamming
Das c’t magazin Computer ABC. Diese Woche: Was bedeutet “Slamming”?
-
Der Praxistest: Einkaufen, Auspacken, Aufbauen - Ist das wirklich so einfach?
Die Freude ist groß, der Traum vom neuen Fernseher zum greifen nah. Aber zuerst gibt’s erst einmal Frust. Denn der Aufbau des neuen Gerätes ist überhaupt nicht so einfach, wie gedacht und auch die...
Einloggen, um Kommentare schreiben zu können.