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Der Google-Alltags-Check - Unterwegs mit Kamera, Leiter und Laptop

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Wir spielen Google

Es gibt kaum jemanden, der noch nicht mit Google in Berührung gekommen ist. So nutzen Millionen die vielen Angebote der Suchmaschine. Der Haken an der Sache. Google lernt dadurch unsere Wünsche kennen und kann sie dann zum Beispiel Produkt-Anbietern weitergeben. Pfiffige Idee, finden wir. Deshalb schauen auch wir den Leuten mal heimlich über die Schulter. Ein nicht ganz ernst gemeinter Selbstversuch…

Erste Station: Supermarkt

Hier gibt es ja genug Konsumwillige, die nur darauf warten, tolle Tipps für noch mehr tolle Produkte zu bekommen. Mit einem Laptop bewaffnet, protokollieren wir die Einkäufe der Kunden. Als sie aus dem Laden kommen, „empfehlen“ wir zusätzliche Produkte. Doch nur die wenigsten lassen sich auf unsere Werbung ein. Die meisten gehen einfach weiter. Also, irgendwie gar nicht so einfach, den Leuten was aufzuquatschen. Vielleicht haben wir sie ja noch nicht genau genug kennengelernt, um zu wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen.

Zweite Station: Das Postamt

Aber: Vielleicht haben wir ja als „Google Mail“ mehr Erfolg. Denn durch sein kostenloses Mail-Programm hat Google Zugriff auf allerlei vertrauliche Daten, aus denen sich Geld machen ließe. Ob wir an solche Daten auch rankommen? Vor dem Postamt sprechen wir eine Briefträgerin an und bitten sie, uns in die Briefe und Postkarten schauen zu lassen. Natürlich ohne Erfolg. Auch bei Postkunden läuft es nicht besser. Aber zumindest erzählen sie uns auf Nachfrage aus ihrem Privatleben, verraten uns Schuhgröße, Hobbies und Hochzeitstag. Aber so recht zufrieden sind wir immer noch nicht.

Dritte Station: Privatgrundstück

Bleibt uns zum Schnüffeln nur noch Googles „Street View“. Mit dieser tollen Idee fotografiert Google in Deutschland in schicken Autos alle Häuser. Und will sie dann bei uns demnächst ins Internet stellen. So kann jeder jedem ins Wohnzimmer schauen und was über den anderen rauskriegen. Das finden zwar viele Menschen einen Skandal und protestieren dagegen, aber Google zieht das trotzdem durch. Na, das können wir auch – und machen uns mit Aluleiter und Fotoapparat auf die Socken, tun so, als fotografierten wir in die Wohnzimmer unserer ahnungslosen Opfer. Und es dauert nicht lange, da kommen die ersten auch schon aus ihren Häusern. Man beschimpft uns, droht uns mit Polizei. Natürlich klären wir die Sache auf.

Fazit

Ernüchtert stellen wir fest: Um so clever wie Google zu sein, müssen wir noch ganz, ganz viel üben. Denn sonst wird das wohl nix mit unserer neuen Geschäftsidee.

Google - die größte Datenkrake der Welt

Bei Google mag man wohl Rekorde: Die Website gilt als die bekannteste im Internet, die Marke Google gilt mit einem Wert von 100 Milliarden US-Dollar als die teuerste der Welt und Datenschützer bezeichnen Google als den größten Datensammler der Welt. Das aber ist den meisten Nutzern, die hinter Google "nur“ eine Suchhilfe für das Internet vermuten, gar nicht bewusst. Das besondere Verständnis von Privatsphäre hat Google-Chef Eric Schmidt in einem Interview mit einem amerikanischen Fernsehsender so definiert: "Wenn es Dinge gibt, von denen Sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas darüber erfährt, dann sollten Sie so etwas nicht tun.“

Google lebt von den Informationen über andere. Jeder Suchvorgang wird auf den Servern mehrere Monate lang gespeichert. Und über alle Nutzer, die Google nicht nur als Suchmaschine einsetzen, sondern auch die personalisierten Dienste wie Google Mail, den Bilderdienst Picasa oder auch nur die personalisierte Startseite iGoogle verwenden, weiß der Internetkonzern sowieso genauestens Bescheid. Natürlich, so versichern die Google-Offiziellen immer wieder, würden diese Daten nur eingesetzt, um die Dienste für die Nutzer weiter zu optimieren. Sämtliche Daten würden also nur anonymisiert gespeichert. Dennoch bleibt bei den Nutzern ein schaler Beigeschmack.

Street View

Das neuste und eines der aufwändigsten Projekt bringt Google im Herbst 2010 an den Start. Google Street View. Google lässt dazu spezielle Kamerafahrzeuge kreuz und quer durch Deutschland fahren und fotografiert ganze Straßenzüge und Gebäude. Diese Detailaufnahmen sollen später im Internet jedem interessierten Nutzer kostenlos zugänglich gemacht werden.

Hier allerdings gebt es erheblichen Widerstand von völlig unerwarteter Seite. So unterstützt der "Hauseigentümerverband Haus und Grund“ Pläne innerhalb der Bundesregierung, gegen Aufnahmen des US-Konzerns Google von Straßen und Häusern im Internet vorzugehen. Google müsse vor einer Veröffentlichung von Häuserfotos jeden Immobilienbesitzer um Erlaubnis fragen, forderte Verbandspräsident Rolf Kornemann in der Zeitung Die Welt und fordert eine entsprechende Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes. Kornemann begrüßte die Datenschutz-Pläne von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).

Aigner hatte zuvor gesagt, sie stehe in Kontakt mit dem Bundesinnenministerium, um "rechtliche Schritte und mögliche Gesetzesänderungen zu prüfen". Sie wolle das bisherige Verfahren umdrehen: Nicht die Bürger sollten einer Veröffentlichung ihrer privaten Daten widersprechen müssen, sondern Google solle verpflichtet werden, Genehmigungen einzuholen. Die Federführung hat bei dieser Frage allerdings das Bundesjustizministerium.

Google wies die Kritik zurück. Für Street View seien in Deutschland bereits seit mehr als einem Jahr im Einklang mit den Datenschutzbehörden Fotos aufgenommen worden. Das Unternehmen will die Bilder aus Deutschland nach Angaben einer Sprecherin im letzten Drittel dieses Jahres online stellen.

Was tun?
Wer Google intensiv als registrierter Nutzer einsetzt, kann über das Google Dashboard sehen, welche Daten über ihn gespeichert wurden. Man sollte wissen, dass sämtliche Eingaben und Suchvorgänge monatelang bei Google gespeichert werden. Generell gilt, im Internet nur die Daten preiszugeben, die unbedingt notwendig sind. Denn einmal veröffentlichte Daten kann man nie wieder einfangen. (gs)

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