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Der neue iPod - Ein Klassiker in neuem Design

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Als wahrer Klassiker hat der iPod mit 1,8-Zoll-Festplatte seinen neuen Namenszusatz "classic" wahrlich verdient. Verglichen mit dem Vorgänger hat das Gerät der sechsten Generation dieselbe Kantenlänge (104 mm x 62 mm), ist in der 80-GByte-Variante allerdings nur noch 10,5 mm statt 14,2 mm dick. Selbst das Topmodell mit satten 160 GByte Speicherkapazität bleibt mit 14,1 mm Dicke knapp darunter. Das Clickwheel und die Anordnung der übrigen Bedienelemente sind erhalten geblieben. Die integrierten Festplatten im 1,8-Zoll-Format stammen von Toshiba, die 160-GByte-Variante wird derzeit ausschließlich in iPods verbaut.

Slim Fatty

Deutlicher fallen die Änderungen beim neuen iPod nano aus. In der dritten Generation kommt er als Miniaturversion des Classic daher. Das 4:3-Display mit QVGA-Auflösung ist nun quer eingebaut, dadurch ist der Kleine deutlich in die Breite gegangen. Das neue "Seitenverhältnis" hat ihm bei einer Kantenlänge von 69,8 mm x 52,3 mm in einschlägigen Foren den Spitznamen "Fatty" beschert. Tatsächlich aber wirkt das Täfelchen mit 6,5 mm Dicke ausgesprochen filigran, sobald man es in der Hand hält – der Dock-Stecker des mitgelieferten USB-Kabels ist mit 6,9 mm dicker als der Player.

Technisch hat der Nano deutlich aufgeholt: Während das Vormodell noch als reiner Audio-Player daher kam, muss sich der Neue nun nicht mehr hinter den Videofähigkeiten des großen Bruders verstecken. Apple bietet den Player mit 4 oder 8 GByte Flash-Speicher an.

Beide Neulinge sind ähnlich verarbeitet: Nachdem sich Apple beim Nano schon in der letzten Generation vom Hochglanz-Outfit verabschiedet hat, verzichtet nun auch der Classic auf den großen Auftritt in Klavierlack-Optik. Die meisten Kunden werden den empfindlichen Oberflächen keine Träne nachweinen, denn im täglichen Einsatz war statt Hochglanz ohnehin meist nur ein Fingerabdruck-Potpourri zu bewundern.

Stattdessen kommen nun iPod classic wie nano im Vollmetallkleid daher: Hinten Edelstahl, vorne eloxiertes Aluminium. Zu den Kanten hin ist die Vorderseite leicht abgeschrägt – ein Detail, das vor allem dem Classic gut zu Gesicht steht. Den Großen gibt es in Silber und Schwarz, beim Nano stehen zumindest beim 8-GByte-Modell noch drei weitere Farben zur Wahl. Das 4-GByte-Modell ist ausschließlich in Silber erhältlich.

Navigation

Die Bedienoberflächen beider Geräte gleichen sich. Meist sieht man eine Art Split-Screen-Darstellung, bei der man auf der linken Seite die gewohnten Navigationsbalken bewegt, während auf der rechten Seite verschiedene Animationen zu sehen sind. Das können zum Beispiel Screenshots der Videosammlung, Albumbilder oder Fotos sein. Auf einem 4:3-Display lässt diese Form nur einen recht schmalen Streifen übrig, die Bildeinblendungen werden gezoomt und der angezeigte Ausschnitt langsam verschoben (Ken-Burns-Effekt). Zumindest bei der Cover-Art-Darstellung scheint das Verfahren wenig sinnvoll, da der Algorithmus ziellos über Details der Albenbilder fährt. Zusätzlich hat Apple einige Statusmeldungen auf dem Display – wie zum Beispiel beim Laden oder Synchronisieren – grafisch aufgepeppt.

Mit Cover Flow hält bei den iPods ein Feature Einzug, das es bisher nur auf dem PC – oder für US-Kunden auf dem iPhone – zu bestaunen gab. Hierbei lässt sich die Musiksammlung anhand der Albenkunst durchblättern. Leider funktioniert das bei Nano und Classic nicht ganz so problemlos. Mit der Auslieferungs-Firmware 1.0 betrieben, brachte Cover Flow beide iPods sogar wiederholt zum Absturz. Die inzwischen verfügbare Version 1.0.1 lief zwar stabil, allerdings kam es immer noch vor, dass sämtliche Cover beim tart von Cover Flow zunächst fehlten und nur Stück für Stück wieder auftauchten. Zur Navigation in großen Sammlungen ist Cover Flow nur bedingt geeignet: Mit dem 160-GByte-Modell hat man locker ein paar tausend Alben in der Tasche – wer die mit dem Clickwheel durchnudelt, hat danach einen lahmen Daumen.

Apropos Daumen: Großhänder haben mit dem zierlichen Navigationsrad des iPod nano ihre Mühe – der Classic lässt sich mit seinem etwas breiteren Clickwheel deutlich entspannter bedienen.

Formate

Bei den unterstützten Medienformaten hat sich gegenüber dem alten iPod wenig verändert. Musik mögen beide Player als AAC-, MP3-, WAV- oder Apple-Lossless-Dateien. Fotos können als JPEG-, TIF-, PNG-, GIF- oder BMP-Datei vorliegen. Videos müssen in M4V-, MP4- oder MOV-Containern stecken. Die iPods unterstützen H.264- oder MPEG-4-kodiertes Material mit bis zu 2,5 MBit/s mit maximal 30 Bildern pro Sekunde und einer Auflösung von bis zu 640 x 480 Bild-punkten. Die Tonspur muss im AAC-Format vorliegen (Low Complexity) und darf bis zu 160 kBit/s belegen. Eine Transcoder-Software liegt den Playern nicht bei, wer selbstständig Filme für die iPods aufbereiten möchte, ist auf Software von Drittanbietern angewiesen. Alternativ kann man sich natürlich am kostenlosen Angebot von Video Podcasts oder Film-Trailern bedienen.

Die bisherigen Modelle ließen sich außer mit iTunes auch noch mit anderen Transferprogrammen mit Musik befüllen und – im Falle des praktischen YamiPod – wieder entleeren. Auch Winamp, Amarok und andere konnten den iPod befüllen. Bei den neuen iPods ist die interne Musikdatenbank durch eine Prüfsumme gesichert. Wird die Datenbank mit einem anderen Programm als iTunes verändert, verweigert der iPod in Folge komplett die Wiedergabe von Musik. Software von Drittanbietern lässt sich daher nicht nutzen. Inzwischen gibt es angeblich einen Hack, der die Prüfsumme umgeht – für unbedarfte Nutzer ein wenig komfortabler Weg.

Eine ähnliche Politik scheint das Unternehmen beim iPod-Zubehör zu fahren. Während die alten iPods Videodateien per Composite-Ausgang über Klinkenstecker oder proprietären iPod-Stecker an beliebige Geräte ausgaben, prüfen die neuen Geräte über letzteren Weg erst, ob es sich um lizenzierte Peripherie-Geräte handelt. Nur wenn der iPod mit einem derartigen Ausgabegerät verbunden ist, ist die Option "TV-Ausgabe" aktivierbar. Per Klinkenstecker lässt sich das Videosignal nicht mehr abgreifen.

Verspielt

Viel bewegt hat sich auch in der Abteilung Spiele. Das Music Quiz ist zum iPod Quiz avanciert und bietet neben dem munteren Liederraten aus der eigenen Musikbibliothek nun auch ein kurzweiliges Frage- und Antwort-Spiel zum Thema Musik. Aus Solitär wurde Klondike, auch hier fliegen die Karten nun animiert übers Display. Das unsägliche Abschießen von Fallschirmspringern in "Parachutes" gehört endlich der Vergangenheit an – nette 3D-Animationen wären hier wohl auch fehl am Platz gewesen.

Mit Vortex ist auf den Playern ein Spiel vorinstalliert, das es bisher nur gegen Geld im Apple Store zu kaufen gab. Leider sind die bisher erworbenen Spiele für die 5G-iPods für die neuen Player nicht zu gebrauchen. Ärgerlich, wenn man hier schon viel Geld investiert hatte. Mit "Sudoku", "Ms. Pac Man" und Tetris stehen für die Neuen zudem deutlich weniger Kaufspiele bereit.

In unseren Batterielauftests brachte es der iPod classic in der 80-GByte-Version bei der Audio-Wiedergabe auf 24,5 Stunden, die 160-GByte Version auf stolze 43 Stunden – beim kleinen Classic fünf Stunden weniger als von Apple angegeben. Die Laufzeit des Nano entspricht mit 23,5 Stunden in etwa den Herstellerangaben. Bei der Videowiedergabe sinken die Wiedergabezeiten auf etwa ein Siebtel ab.

Fazit

Ein Klassiker ist meist zeitlos elegant, aber auch irgendwie in die Jahre gekommen. Genauso verhält es sich mit dem iPod classic: Das MP3-Player-Urgestein ist immer noch der annähernd perfekte Musikspieler und einbrauchbarer Videospieler. Mit seinem üppigen Speicherangebot ist er inzwischen am Ende dessen angelangt, was sich noch sinnvoll verwalten lässt, zumal Apple den schnellen Zugriff durch Cover Flow und die immer gegenwärtige Anzeige von Coverarts ausbremst. In jedem Fall gibt es momentan kaum eine nettere Art, sich 160 GByte in die Tasche zu stecken.

Der iPod nano ist durch die Videoabspielfunktion endlich flügge geworden. Das wurde Zeit, denn inzwischen kann fast jedes Handy unterhaltsame Videoschnipsel zum Besten geben. Für längere Kinositzungen ist das Täfelchen mit dem Mini-Display ohnehin nicht gedacht.

Die Anpassung der Bedienoberfläche beider iPods wirkt bemüht, ein "halber Screen" und animierte Albumbilder machen noch keinen Sommer. Der steht mit dem iPod touch bereits vor der Tür. Wer wissen möchte, wie eine wirklich innovative Bedienoberfläche aussieht, sollte sich noch ein wenig gedulden, bevor er sein Geld in einen anderen MP3-Spieler mit Apfellogo anlegt. Das "beschnittene iPhone" ist in Kürze verfügbar und steckt Nano und Classic in dieser Disziplin locker in die Tasche.

Die zunehmende Verdongelung der Produkte innerhalb des Apple-Universums scheint aus unternehmerischer Sicht clever zu sein, für den Kunden ist sie mindestens nervig. Schließlich waren umfangreiches Zubehör oder alternative Transfersoftware für manch einen erst der Grund, zu einem iPod zu greifen. (gs)

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