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Digitale Schiefertafeln - Was taugen die neuen Tablet-Computer?

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Auf der CES in Las Vegas hatte eine Geräteklasse eindeutig die Nase vorne: Nahezu alle namhaften Hersteller und auch einige Newcomer kündigten Tablets an. Sie decken etliche Variationsmöglichkeiten ab: von 7 bis 12 Zoll, mit Windows oder Android, mit ARM- oder x86-CPU, mit und ohne Tastatur.

Bis die in Las Vegas präsentierten Tablets in ihrer gesamten Vielfalt im Laden stehen, werden einige Monate vergehen, denn viele nutzen derzeit nicht erhältliche Hardware und Betriebssysteme. Die Hersteller warten auf Intels Atom-Nachfolger Oak Trail und auf Android 3.0, Codename Honeycomb. Beides erwartet man im Frühjahr, erste Seriengeräte dann vielleicht im April.

Als erstes Android-3.0-Tablet wird Motorolas Xoom in den Handel kommen. Auf den ausgestellten Prototypen war eine Vorabversion von Android 3.0 installiert, die lediglich in einem Demovideo zeigte, wie die Oberfläche und einige Apps später aussehen sollen. An der Optik hat sich einiges getan: Statt auf statische Symbole setzt Google stärker als bisher auf dynamische Fenster (Widgets), zum Beispiel für Mail, Kalender und einzelne Kontakte. Android hält den Nutzer also besser auf dem Laufenden, ohne dass er Apps starten muss. Der Desktop in schickem Dunkelblau erscheint aufgeräumt; Bedienelemente, Statusleiste und Schriftzüge sind modern gestaltet, Googles Haus-Apps tragen darauf abgestimmte Designs.

Der Webkit-Browser ähnelt Googles Desktop-Browser Chrome. Dadurch wechselt man schneller zwischen Tabs hin und her als bisher und surft auf Wunsch inkognito. Favoriten und Einstellungen gleicht der Browser automatisch mit dem Desktop-Chrome des Nutzers ab. Zum Standardumfang gehört nun eine eigene E-Book-App inklusive schicker Umblätter-Animationen.

Unter der Haube des Xoom arbeiten Nvidias Tegra-2-Doppelkern und 32 GByte Speicher, der kapazitive 10-Zoll-Bild schirm zeigt 1280 x 800 Punkte. Auch ein Barometer soll an Bord sein. Es wiegt iPad-ähnliche 730 Gramm und soll mit einer Akkuladung beim Abspielen von Videos (bis 1080p) rund neun Stunden durchhalten. Motorola will es vor April in den Handel bringen, zumindest in den USA. Der frühe Marktstart ist mit Einschränkungen verbunden, so wird der SD-Kartenschacht erst nach einem Update funktionieren. Später im Jahr soll es in den Staaten ein LTE-Modul zum nachträglichen Einbau geben. UMTS mit HSPA und 11n-WLAN sind von Anfang an an Bord.

Mit Tastatur

Die Eee Pads Transformer und Slider mit Tegra 2 verlassen das derzeit vorherrschende Konzept der Touch-Bedienung, denn für beide Android-10-Zöller (1280 x 800) sieht Asus Tastaturen vor: Beim Transformer lässt sich im Querformat die Tastatur unten anstecken, dann ähnelt es einem Notebook. In der Tastatur steckt ein zweiter Akku, mit dem bis zu 16 Stunden Laufzeit möglich sein sollen.

Beim Slider ist eine herausschiebbare Tastatur eingebaut. Asus wird Android 3.0 bei beiden Modellen um eine an die Tastaturbedienung angepasste Bedienoberfläche namens MyWave ergänzen. Wegen dieser Software-Anpassungen kommen sie frühestens im April in die Läden.

Samsungs 10-Zoll-Gerät Sliding PC 7 hat wie das Eee Pad Slider eine Schiebetastatur, die hinter dem Touchscreen verschwindet. Er läuft mit Intels Oak-Trail-CPU und Windows 7 Home Premium, welches Samsung um eine eigene, schicke Touch-Oberfläche ergänzt.

Windows per Touch

Ein Windows-Tablet ohne Tastatur hat MSI im Angebot: Der 10-Zöller WindPad W100 (1024 x 600) soll spätestens im Februar zu kaufen sein. Für 600 Euro sind ein Atom Z530, 2 GByte Arbeitsspeicher, 32 GByte SSD und Windows 7 Home Premium enthalten. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen MSI das W100 im Einzelhandel vertreibt. In anderen Ländern wie den USA bekommen es nur Business-Kunden.

Deutlich mehr Rechenleistung und Bildfläche bietet der Eee Slate EP121: Das 12,1-Zoll-Tablet mit 1280 x 800 Pixeln und Wacom-Technik läuft ebenfalls unter Windows 7. Für ordentlich Performance sorgt ein Core i5 von Intel – allerdings nicht aus der zur CES angekündigten CPU-Generation Sandy Bridge, sondern aus der bisherigen (Arrandale). Im EP121 stecken je nach Ausstattungsvariante SSDs mit 32 oder 64 GByte und bis zu 4 GByte Arbeitsspeicher. In Deutschland soll der Verkauf demnächst zu Preisen ab 1000 Euro starten.

Matte Touchscreens

Aus der Masse der Tablets mit spiegelndem Touchscreen sticht das CL900 von Motion Computing wohltuend hervor: Sein 10-Zoll-Display (1366 x 768) hat eine matte Oberfläche, die anders als bei vielen nachträglich mattierten Glare-Touchscreens nahezu frei von Grieseln ist.

Der Multitouchscreen nimmt außer (kapazitiv erkannten) Fingertippern auch Eingaben per Stift an und erkennt die Druckstärke. Die Panels der ausgestellten Prototypen zeigten beim seitlichen Blick stark verfälschte und invertierte Farbtöne, laut Motion Computing ein Problem auch der Seriengeräte.

Der CL900 soll Stürze aus über einem Meter Höhe aushalten und nach IP52 staub- und spritzwassergeschützt sein. Im umfangreichen Zubehörprogramm will Motion Computing unter anderem eine passende Hülle und eine Dockingstation samt Tastatur mit Touchpad anbieten. Zudem lässt sich das Tablet je nach Einsatzzweck erweitern: Auf der CES wurde ein Prototyp mit seitlich angebauten Ziffernblock und Kreditkartenleser gezeigt. Preise nannte der Hersteller nicht, sie dürften weit über denen der anderen Tablets liegen.

Ebenfalls einen matten Bildschirm hat der 10-Zöller Adam. Er wurde schon auf der CES 2010 vorgestellt, doch erst dieses Jahr zeigt Hersteller Notion Ink lauffähige Geräte. Optional kommt ein Bildschirm von PixelQi zum Einsatz, der bei abgeschalteter Hintergrundbeleuchtung das Umgebungslicht zur Darstellung nutzt – das spart Strom und garantiert eine gute Ablesbarkeit bei Sonnenlicht. Die ausgestellten Geräte zeigten kontrastreiche Bilder, die Farben waren aber arg flau.

Die Bedienoberfläche auf Android-Basis hat Notion Ink selbst gestrickt. Sie teilt das Display in drei nebeneinanderliegende Bereiche, in denen separate Apps laufen. Auf Wunsch schaltet man sie in den Fullscreen-Modus, wobei Notion Ink einige Apps vorführte, die dann den Platz ähnlich gut nutzen wie iPad oder Android 3.0. Besonders hebt der Hersteller die Multitasking-Fähigkeiten hervor. Jede Android-App soll sich installieren lassen, doch die besonderen Fähigkeiten der Oberfläche können nur speziell aufs Adam angepasste Apps ausnutzen. Ein Genesis genanntes SDK mitsamt eigenem Market will Notion Ink bereitstellen.

Als Besonderheit stellt Adam zwei USB-2.0-Host-Ports zur Verfügung, doch ob sich außer USB-Sticks auch Drucker und andere Peripheriegeräte darüber anschließen lassen, ist unbekannt. Die ersten Geräte sollen sich laut Hersteller in diesen Tagen auf den Weg zu ihren Käufern machen, die Basisversion kostet 375 US-Dollar. Gegen Aufpreis gibt es UMTS (50 US-Dollar) und das PixelQi-Display (125 US-Dollar).

7-Zöller

Wer ein Gerät im DIN-A5-Format der Galaxy-Tab-Klasse sucht, wird unter anderem bei Asus fündig. Das Eee Pad MeMO hat ein 7-Zoll-Panel und läuft unter Android 3.0. Für präzise Eingaben liefert Asus einen Stift mit, der für handschriftliche Notizen und Zeichnungen taugt. Ein Prototyp lag angenehm in der Hand und machte einen guten Eindruck als digitaler Notizblock. Weil Asus Android die Stiftfunktionen erst beibringen muss und passende Anwendungen mitliefern will, wird einige Entwicklungszeit ins Land gehen – vor Juni wird das Tablet nicht in den Handel kommen.

Dells 7-Zöller Streak 7 nutzt wie viele andere Tablets Nvidias Tegra 2 und soll in wenigen Wochen und damit ungewöhnlich früh im eigenen Webshop stehen – das klappt nur mit Android 2.2. Ein Update auf Android 3.0 soll „zu gegebener Zeit“ kommen. Dell spielt eine eigene Oberfläche namens Stage auf, die künftig in abgewandelten Versionen bei allen Touch-Geräten vom Smartphone bis zum All-in-One für einen komfortablen Zugang zu Videos, Bildern und E-Books sorgen soll. Am Ende von Dells Pressekonferenz hielt Präsentator Michael Tatelmann für wenige Sekunden ein 10-Zoll-Tablet in die Kameras – Details und Veröffentlichungsdatum unbekannt.

AOC will mit seinem Breeze eine besonders günstige Alternative schaffen: Das 8-Zoll-Tablet soll beim US-Marktstart Ende Februar unter 200 US-Dollar kosten. Entsprechend bescheiden nehmen sich die technischen Daten aus: Es hat einen resistiven Touchscreen (800 x 600), eine Rockchip-CPU mit nur 600 MHz und 4 GByte eingebauten Flash-Speicher (erweiterbar über Micro-SD-Karten). Für HDVideos in 720p soll das laut Entwickler reichen. Als maximale Laufzeit gibt der Hersteller bei der Videowiedergabe sechs und bei der Audiowiedergabe zwölf Stunden an. AOC will das Tablet mit Android 2.1 ausliefern. Ein Update auf neuere Versionen gibt es nicht, ebenso wenig einen Zugang zum Market.

Das Alles-anders-Tablet

Research in Motion (RIM), die Firma hinter den Blackberry-Smartphones, hatte seinen CES-Messestand nahezu vollständig dem 7-Zoll-Tablet Playbook gewidmet, welches in vielen Aspekten ungewöhnlich ist: Das kapazitive Multitouch-Display zeigt die hohe Auflösung von 1024 x 600, bei anderen 7-Zöllern sind 800 x 480 üblich. Der ARM-Doppelkern läuft mit 1 GHz, es handelt sich aber dem Vernehmen nach nicht um Nvidias Tegra 2, sondern erstmals um einen OMAP 4 von Texas Instruments – was RIM nicht bestätigen wollte.

Vor allem aber setzt es sich beim Betriebssystem ab. Statt Windows oder Android ist das eigene Blackberry Tablet OS an Bord, von dem RIM nun weitere Details zeigte. Design und Bedienung erinnern ein wenig an Palms WebOS: Parallel ausgeführte Programme werden in der Task-Ansicht verkleinert nebeneinander dargestellt. Ausgewählt wird per Fingertipp, zum Beenden einer Anwendung schnippst man ihr Fenster nach oben weg. Durch Programme im Vollbild kann man per seitlichem Wischen blättern.

Besonders stolz ist RIM auf das performante Multitasking, was vor allem in der Task-Ansicht deutlich wird: Statt auf Standbilder oder Icons zurückzufallen, arbeiten die Anwendungen einfach weiter. Bei den ausgestellten Geräten liefen ein HD-Video, ein Spiel und eine 3D-Anwendung gleichzeitig, ohne dass eine der Anwendungen ins Ruckeln gekommen wäre – und die Oberfläche reagierte weiterhin flüssig und prompt auf Eingaben.

Der Browser unterstützt sowohl Flash 10.1 als auch HTML5, die Vorseriengeräte hatten aber ihre Probleme mit deutschen Seiten: Bei heise.de kam nur eine Fehlermeldung, auf Spiegel.de stürzte der Browser ab. US-Seiten wie CNN.com funktionierten dagegen einwandfrei und wurden flott gerendert.

Zum Surfen muss man entweder in WLAN-Reichweite sein oder per Bluetooth ein Smartphone gekoppelt haben, denn Mobilfunk ist nicht eingebaut; eine 4G-Variante hat RIM lediglich in Aussicht gestellt. Die Kopp lung mit einem Blackberry-Handy ist notwendig, wenn man auf Blackberry-Servern gespeicherte E-Mails oder Termine abrufen will, denn das Playbook kann sie nicht selbst abrufen. Nutzer ohne Blackberry können natürlich trotzdem per Browser beliebige Webmailer ansteuern; zu IMAP- oder POP3-Unterstützung äußerte sich RIM nicht. Auch nannte RIM keinen Preis. In den USA soll das Playbook im März erscheinen. Ab Marktstart wird es ein umfassendes Zubehörprogramm geben – von farbigen Hüllen über edle Ledereinbände bis hin zu einer Dockingstation, die das Gerät lädt und gleichzeitig den HMDI-Anschluss nach außen führt.

Smartphone-Desktop-Notebook

Schließlich waren auf der CES auch neue PC-Konzepte zu sehen, die anders als etwa Windows für ARM-CPUs kurz vor dem Verkaufsstart stehen. So ist Motorolas Atrix nur auf den ersten Blick ein normales Highend-Smartphone mit Tegra 2, Android 2.2 und hochauflösendem kapazitivem 4-Zoll-Touchscreen. Der Clou ist das Zubehörprogramm: Setzt man das Atrix in ein kleines Dock ein, so überträgt es auf dem Gerät gespeicherte Medieninhalte per HDMI an Fernseher oder Beamer. Auf dem Touchscreen werden dann Steuerelemente eingeblendet; deutlich komfortabler geht das Navigieren aber per Fernbedienung.

Zusätzlich bietet das Dock drei USB-Ports. Schließt man daran Tastatur und Maus an, verwandelt sich das Atrix in einen Nettop-PC: Die Android-Oberfläche läuft dann nur in einem kleinen Fenster des angeschlossenen Monitors. Eine Motorolaeigene Oberfläche nimmt den übrigen Platz ein, sie enthält zusätzlich den Firefox-Browser in der aktuellen Version 3.6.13. Dank eines Plug-in erkennt Firefox beispielsweise Telefonnummern in Webseiten; per Rechtsklick kann man sie ins Adressbuch übernehmen oder eine SMS dorthin schicken.

Alternativ zum Nettop-Dock gibt es auch eine Netbook-Variante: Sie sieht wie ein klassisches 11,6-Zoll-Gerät samt Display, Tastatur und Touchpad aus, enthält sonst aber keine weiteren Hardware-Komponenten. Bedienoberfläche und Rechenleistung kommen wie beim stationären Dock direkt aus dem Atrix, das an einen Port an der Rückseite andockt und im Netbook-Betrieb hinter dem aufgeklappten Deckel verschwindet. In den USA soll das Atrix samt Zubehör im ersten Quartal exklusiv bei AT&T erhältlich sein; für Europa nannte Motorola keine Details.

Lenovo hatte im Vorjahr das Ideapad U1 gezeigt, ein Doppel-Gerät aus Netbook und Tablet als Prototyp. Nun soll eine überarbeitete Version tatsächlich in den Handel kommen. Der Deckel mit kapazitivem 10-Zoll-Multitouch-Display ist ein eigenständiges Tablet inklusive Qualcomms ARM-Prozessor Snapdragon und einem Akku, der bis zu sechs Stunden durchhalten soll. Als Betriebssystem ist Android 2.2 an Bord, aufgrund von Google-Beschränkungen ohne Market-Zugang. Im Rumpf arbeitet ein ULV-Prozessor der Core-i-Schiene von Intel, auf dem ein normales Windows 7 Home Premium läuft. Setzt man das Tablet in den Deckel ein, schaltet es den ARM-Teil aus und fungiert lediglich als Monitor für den Rumpf. Tablet und Notebook teilen sich also nur das Panel.

Lenovo will den Hybriden in China vor April auf den Markt bringen, und zwar sowohl mit als auch ohne Rumpf – für umgerechnet rund 1000 Euro beziehungsweise 400 Euro. Letztere Variante heißt schlicht LePad. Ob U1 und LePad auch im Rest der Welt erscheinen werden, ist derzeit nicht entschieden. Ein reines 10-Zoll-Tablet mit Tegra 2 und Android 3.0 hat Lenovo wie auch das Windows-Tablet IdeaPad Slate mit Oak Trail für Mitte des Jahres in Aussicht gestellt. (Florian Müssig) / (gs)

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