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Easy Reader - Können elektronische Bücher die Papierausgaben verdrängen?

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Der Startschuss fiel Ende 2007 in den USA und kam von Amazon. Mit dem Lesegerät Kindle holte der amerikanische Onlinehändler elektronische Bücher aus ihrem Nischendasein. Das Erfolgsrezept war die Verknüpfung von einem aufs Lesen von Romanen zugeschnittenen Lesegerät mit großem E-Book-Angebot inklusive Bestsellern, dazu der Komfort, mittels integrierter Mobilfunkverbindung jederzeit Lesestoff nachkaufen zu können.

An Deutschland ging die Bücherrevolution bisher vorbei: Erste auch fürs Lesen langer Romane geeignete Lesegeräte bekam man zwar auch hierzulande zu sehen, aber bisher fehlte ein E-Book-Angebot, das einen großen Leserkreis anspricht. Nun will Sony den Markt erobern, als Einstiegsgerät dient der 300 Euro teure PRS-505, der in den USA seit Ende 2007 verkauft wird. Für Lesestoff sorgen der Großhändler Libri.de und die Buchhandelskette Thalia, die große deutsche Verlage wie Campus, Lübbe und Beltz ins Boot holen konnten.

Zum Verkaufsstart des Sony Reader führen die Online-Shops dennoch nur 1500 Bücher mit dem Fokus auf deutschsprachige Belletristik-Bestseller. Ein Blick auf die aktuelle Spiegel-Bestsellerliste zeigt sowohl die Fortschritte als auch die Mankos: 10 der 25 Hardcover-Bücher aus dem Bereich Belletristik sind als E-Books verfügbar, aber nur 2 der 25 zurzeit am meisten gefragten Sachbücher.

Das Besondere der E-Book-Lesegeräte von Sony, Amazon und Co. ist die Displaytechnik der US-Firma E Ink, die ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt. In kleinen Kugeln befinden sich winzige schwarze und weiße elektrisch geladene Pigmente, die per Elektronenraster angesteuert werden und je nach angelegter Spannung in den Kugeln nach oben oder unten wandern – das Schriftbild entsteht. Sind die Pigmente einmal sortiert, verbleiben sie auch ohne Stromversorgung in ihrer Position, sodass im Wesentlichen nur das Ändern des Bildes Strom benötigt.

Texte, die das sechs Zoll große Display des Sony Reader mit einer Auflösung von 167 dpi äußerst scharf darstellt, wirken für das Auge wie auf Papier gedruckt. Der Hintergrund bleibt dabei leicht grau wie bei Umweltpapier, weil sich unter die weißen immer einige schwarze Pigmente mischen. Wie bei richtigem Papier benötigt man zum Lesen auf dem E-Ink-Display Tageslicht oder eine Leselampe. Das Gerät, das mit seinen 254 Gramm und nur acht Millimetern Dicke nicht schwerer und größer als ein Taschenbuch ist und mit seinen abgerundeten Ecken gut in der Hand liegt, eignet sich so genauso zum Lesen in der Bahn, auf dem Sofa zu Hause oder auf der Parkbank.

Für das Öffnen von PDFs mit komplexem Layout und eingebettetem Bildmaterial braucht der Sony Reader mitunter über zehn Sekunden, ansonsten lädt er Dokumente in wenigen Sekunden. Der Aufbau einer neuen Seite dauert in etwa ein bis zwei Sekunden. Dabei wird der Bildschirminhalt zurückgesetzt, kurzzeitig erscheint ein Negativ der Seite. Danach zeigt das Display den neuen Inhalt: Die dadurch bedingten Pausen stören bei der Navigation, beim Lesen von Büchern fallen sie aber kaum auf und unterbrechen den Lesefluss nicht.

Lesemarathon

In unserem Labortest, bei dem wir in Abständen von drei Sekunden umblätterten, hielt der Akku etwa 6800 Seiten durch; allerdings darf man die Zahl nicht mit tatsächlichen Romanseiten gleichsetzen. Zwar benötigt der Reader außer beim Blättern tatsächlich so gut wie keinen Strom, ganz ohne geht es aber dann doch nicht: Bleibt der Reader stundenlang an, verbraucht er Strom. Deshalb bietet Sony einen Suspend-Modus, der nach einer Stunde das Display abschaltet. Außerdem erfordert das Booten des Readers bei Neustart ebenso Energie wie das Navigieren durch die Menüs. Und wer mit der Lupenfunktion die Schriftgröße verändert, teilt die Romanseiten in mehrere Display-Seiten auf, sodass man für jede echte Buchseite mehrmals blättern muss.

Im Alltagstest reichte der aufgeladene Akku aber immer noch gut für über eine Woche und zwei Romane à 500 Seiten. Im Vergleich zum Handy oder Notebook sind das paradiesisch lange Laufzeiten. Zum Laden liegt nur ein USB-Kabel bei, zwischen drei und vier Stunden dauert damit ein Ladevorgang.

Ton und Bild

Sonys PRS-505 kann auch Bilder darstellen und Musik spielen. Die acht Graustufen reichen aus, um Fotos mit hohem Kontrast in Schwarzweiß einigermaßen ansehnlich anzuzeigen – der Reader erkennt JPEG, BMP, GIF und PNG. Für große Bilddateien eignet er sich weniger, bei einem 5000 x 3000 Pixel großen JPEG-Bild benötigte das Gerät 20 Sekunden für den Aufbau, Dateien über 10 MByte zeigte er gar nicht erst an.

Der Audioplayer spielt MP3 und AAC ab, die Qualität ist vergleichbar mit der von günstigen MP3-Spielern. Die Anzeige für die Musiksammlung gestaltet sich recht schlicht, alle Musikdateien werden als große Playlist alphabetisch sortiert und in einer Endlosschleife abgespielt. Für ein bisschen Hintergrundmusik beim Schmökern genügt das, der Akku reicht dann aber nur für knapp sechs Stunden Hörgenuss.

Formatfragen

Der Sony Reader zeigt ungeschützte Dokumente der Formate TXT, RTF, BBeB, PDF und EPUB an. Außerdem kommt das Lesegerät mit den DRM-Systemen Marlin DRM (von Sony in den USA eingesetzt) und Adobe Adept für EPUB und PDF zurecht. EPUB mit Adobe DRM ist unter anderem bei Libri.de und Thalia im Einsatz. Das von einigen Shops bevorzugte E-Book-Format Mobipocket stellt er nicht dar.

Vom internen Flash-Speicher sind etwas über 200 MByte für den Anwender frei verfügbar. Das genügt für mehr als 100 Bücher, ein paar Stunden Musik oder je nach Qualität einige Bilderalben. Erweitern lässt sich der Platz mittels Memory Stick, Memory Stick Pro, SD oder SDHC um bis zu 32 GByte. Vorsicht beim Einschieben von Speicherkarten: Der Reader durchforstet sie sofort nach allen Formaten, die er lesen kann. Eine Karte mit vielen hundert Bild-, Text- und Audiodateien führte im Test dazu, dass das Gerät in einer Endlosschleife neu bootete, bis der Flash-Speicher entfernt wurde.

Der Anwender muss E-Books erst auf einen internetfähigen Rechner herunterladen, bevor er sie auf seinen Sony Reader per USB oder SD-Karte übertragen kann. Bei Anschluss an einen Rechner wird er als USB-Laufwerk erkannt; für DRM-freie E-Books, PDF-Dokumente, TXT-Dateien und ähnliche Materialen reicht es aus, diese vom Rechner manuell in einen beliebigen Ordner auf den Sony Reader zu schieben, danach sind sie dort verfügbar.

Bestseller mit DRM

Die Prozedur, die der Anwender in Kauf nehmen muss, um kopiergeschütztes Lesematerial auf seinen Reader zu bringen, ist kompliziert und nicht kundenfreundlich. Dazu ist die Installation der kostenlosen Software Adobe Digital Editions (Windows, Mac) erforderlich, die die Autorisierung der Bücher übernimmt, wozu bei jedem Kauf eine Verbindung mit Adobes Server nötig wird. Dafür muss sich der Anwender bei Adobe registrieren, damit er außer dem PC weitere Geräte – dazu gehört auch der Sony Reader – freischalten kann. Tut er dies nicht, wird das Buch nur für den Rechner mit Digital Editions verschlüsselt. Das spätere Verknüpfen mit einer Adobe ID machte im Test vorher heruntergeladenen Bücher unbrauchbar. Als drittes benötigt der Anwender die dem Sony Reader beigelegte eBook Library. Nur damit erkennt das mit Adobe ID versehene Digital Editions den PRS-505 als Lesegerät.

Nach Kauf eines EPUB-Buchs bei Libri.de, Thalia, Mayersche oder einer der vielen lokalen Partner-Buchhandlungen wird ein wenige Kilobyte großes Token generiert, das nicht mehr als Metainformationen und einen Link zum eigentlichen Buch enthält. Das Token kann im jeweiligen Shop unter "Mein Konto" mit dem Browser heruntergeladen werden, allerdings benötigte die Bereitstellung bisweilen bis zu zehn Minuten. Die kleine Datei startet den Download des eigentlichen, anhand der Adobe ID personalisierten Buches in Digital Editions, wo es auf Windows-Rechnern direkt auf den Sony Reader gezogen werden kann. Auf der Platte legt die Adobe-Software die Bücher unter "My Digital Editions" im Dokumente-Ordner des aktiven Benutzerkontos ab – einen anderen Speicherordner kann der Anwender für die lokale Ablage nicht bestimmen.

Fazit

Mit dem Sony Reader macht es Spaß, Bücher und Dokumente zu lesen, schnell stellt sich dasselbe Lesevergnügen wie auf Papier ein. Die größten Vorteile dabei sind, die Schriftgröße verstellen zu können und eine ganze Büchersammlung in einem taschenbuchgroßen Gerät bei sich zu haben. Die Trägheit des Bildschirms stört bei der Navigation, nicht aber beim Lesen. Der Sony Reader ist ein recht schlichtes Lesegerät, das neben dem Lesen von Büchern wenig bietet. Besonders fehlt die Mobilfunkverbindung, die das Kaufen von Büchern auf dem Amazon Kindle so komfortabel macht und Zeitungs- wie Zeitschriftenabos ermöglicht.

Das Leseangebot deutscher Bestseller für den Sony Reader ist noch recht dürftig: Wer in den Online-Shops gezielt nach Büchern sucht, wird öfter enttäuscht als fündig, auch wenn nun erstmals deutschsprachige Bestseller in digitaler Form verfügbar sind. Am meisten stört die umständliche Download-Prozedur, die dem Sicherheitsbedürfnis der Verlage geschuldet ist: Der Spaß, den das Gerät eigentlich beim Lesen macht, droht beim Kauf der DRM-geschützten Bücher verloren zu gehen. Bleibt zu hoffen, dass das Angebot in den nächsten Monaten schnell wächst und die Verlage doch noch ein etwas komfortableres System zum Herunterladen ihrer Bücher finden – dann könnte der Sony Reader tatsächlich das E-Book in Deutschland massenmarkttauglich machen.

Den kompletten Artikel "Auf der E-Book-Welle, E-Book-Reader Sony PRS-505 plus Leseangebot im Test" finden Sie in der Printausgabe 8/09 des c't Magazins ab Seite 94. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 13. April 2009 im c't Kiosk auch als PDF-Datei. (Achim Barczok) / (gs)

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