Flach, groß und billig - Schnäppchenpreise bei Computerbildschirmen (3SAT)
Übersichtlich geht es in den Verkaufsregalen für LCD-Monitore nicht gerade zu – im Wust technischer Eigenschaften kann man schnell den Überblick verlieren. Wer weiß, worauf zu achten ist, erspart sich ärgerliche Fehlkäufe.
Der perfekte Monitor für alle Lebenslagen lässt sich kaum finden. Stattdessen gibt es Geräte, die sich für bestimmte Anwendungen besser eignen als für andere. Deshalb sollte bereits vor dem Kauf klar sein, wofür den Schirm später hauptsächlich nutzen will und welche technischen Eigenschaften dabei von Bedeutung sind.
Zunächst stellt sich die Frage, wie viel Platz auf dem Bildschirm gebraucht wird – und vor allem, wie viel man dafür ausgeben möchte. Mittlerweile setzen praktisch alle Hersteller bei den Größen 19 bis 30 Zoll auf das Breitbildformat. Für die Suche nach den kleineren 19- und 20-Zöllern im klassischen 5:4- respektive 4:3-Format muss man etwas mehr Zeit einplanen.
Als günstige Einsteigergeräte, die nur für gelegentliches Surfen oder Spielen herhalten sollen, leisten Displays mit Bildschirmdiagonalen von 22" gute Dienste. Sie gehen bereits für rund 150 Euro über die Ladentheke. Eine akzeptable Winkelabhängigkeit sowie Extras wie beispielsweise Lautsprecher oder flotte Schaltzeiten kosten indes etwas mehr.
Wer mehr Platz oder eine höhere Auflösung benötigt, kommt an Displays zwischen 24" und 28" und 16:10-Format nicht vorbei: Sie besitzen alle eine Auflösung von 1920 x 1200 Bildpunkten und damit je nach Bildschirmdiagonale 82 oder 94 dpi (dots per inch). Auf einer so großen Fläche macht das Arbeiten richtig Spaß: Bei der Bildbearbeitung kann man einen großen Ausschnitt des Fotos sehen und hat trotzdem massig Platz für Werkzeugleisten. Office-Dokumente und Browser-Fenster lassen sich nebeneinander drapieren, statt sie in der Taskleiste zu horten.
Die große Freiheit gibt es schon ab 350 Euro. Größere Schirme haben in den eigenen vier Wänden eine weitere Daseinsberechtigung: Ein Trio aus Monitor, PC und TV-Karte kann den Fernseher im Kinder- oder gar im Wohnzimmer nebst Festplatten-Receiver ersetzen. Soll der Schirm nicht nur vom Softwareplayer am PC abgespielte Videos oder Fernsehprogramme anzeigen, muss er weitere Videoeingänge besitzen: Dank HDCP-Unterstützung können die meisten Displays theoretisch auch kopiergeschütztes HD-Material von HD-Receivern oder HD-DVD- und Bluray-Playern anzeigen.
Schließt man den Monitor direkt an einen Videozuspieler an, gelingt aber nicht immer eine tadellose Darstellung von HD-Fernsehbildern. Grund: Bei Fernsehsendungen in Full HD werden keine Vollbilder (progressive), sondern Halbbilder im Zeilensprungverfahren (1080i, interlaced) übertragen. Da die LCD-Panels aber nur Vollbilder ausgeben können, müssen die Monitore Interlaced-Signale vor der Wiedergabe in Vollbilder zusammenfügen. Geht hierbei etwas schief, sieht man bei Kameraschwenks Bildruckler, ausgefranste Kanten oder bei eher statischen Bildern ein Zeilenflimmern. Zudem geben die meisten Receiver die Bilder mit einer Wiederholrate von 50 Hertz aus, was manche Monitore nicht unterstützen. Um solche Probleme auszuschließen, hilft häufig ein Blick ins Datenblatt des Monitors, wo meist die unterstützten Auflösungen aufgelistet werden. Monitore mit HDMI-Eingang, analogen Videoeingängen oder gar eingebauten TV-Tunern unterstützen in den meisten Fällen auch die gängigen HD-Formate.
Schaut man Fernsehen oder Filme auf den Schirmen, sind auf den Displays mit dem etablierten 16:10-Format im besseren Fall schwarze Balken an den oberen und unteren Bildrändern oder schlimmstenfalls verzerrte Bilder in Kauf zu nehmen. Seit dem vergangenen Herbst versprechen nun nahezu alle Monitor-Hersteller Filmvergnügen auf 16:9-Displays mit Full-HD-Timing.
Bei den 22"-Displays bringt der Wechsel von 16:10 auf 16:9 ein Plus an Auflösung: Während das Gros der Wide-Screen-22-Zöller bisher Panels mit 1680 x 1050 Bildpunkten nutzt, setzten die 16:9-Schirme dieser Größe stattdessen auf die Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln. Entsprechend zeigen die Monitore mit ihren 102 dpi selbst kleinste Details gestochen scharf an. Das geht allerdings zu Lasten der Ergonomie: Die Schriften und Icons fallen im PC-Betrieb merklich kleiner aus. Etliche Anwender werden deshalb die Schriftgröße in der Textverarbeitung oder im Betriebssystem ein paar Prozentpunkte erhöhen.
Wie hinein, so heraus
Augenfreundlicher sind die 24-Zöller im 16:9-Format, bei denen man allerdings nicht von einer höheren Auflösung profitiert. Statt der bisher üblichen 1920 x 1200 Bildpunkte bekommt man nun auch hier 1920 x 1080 Pixel vorgesetzt. In der Horizontalen ändert sich also nichts, in der Vertikalen muss man sich mit 120 Pixeln weniger zufriedengeben. Die relative Auflösung ist mit 92 dpi geringfügig kleiner.
Gerade unter den Schnäppchen mit kleineren Diagonalen finden sich viele Geräte ohne Digitaleingang. Davon sollte man mittlerweile die Finger lassen. Die Signalverarbeitung in LC-Displays und Grafikkarten erfolgt grundsätzlich digital. Eine analoge Ausgabe gefolgt von erneuter Digitalisierung ist deshalb anachronistischer Unsinn. Der Verzicht auf diesen Umweg beschert durchweg bessere Signalqualität und automatisch eine saubere Synchronisation zwischen Display und Grafikkarte. Digital landen Bilder flimmerfrei auf dem Schirm. Bei der Arbeit mit Texten oder Tabellen, aber auch beim Publishing leiden die Augen merklich unter dem Flimmern einer schlecht synchronisierten analogen Darstellung.
Im professionellen Umfeld gehören DVI-Buchsen (Digital Visual Interface) zum Pflichtprogramm. Doch auch zu Hause sollte man wegen des längeren Lebenszyklus eines Monitors gegenüber dem PC zum DVI-Modell greifen. Die Grafikkarte oder gar der ganze Rechner wird meist in kürzeren Intervallen ausgetauscht als der Monitor. Wenn der eigene PC derzeit nur mit VGA-Buchsen aufwarten kann, muss man sich davon nicht abschrecken lassen: Fast alle LCDs verstehen sich auch auf analoge Grafikkartensignale – in einigen Fällen selbst dann, wenn sich an der Gehäuserückseite keine VGA-Buchse ausmachen lässt, denn DVI bedeutet nicht zwangsläufig ausschließlich digital.
DVI-Anschlüsse gibt es in mehreren Varianten: DVI-D (digital) eignet sich nur für digitale Bildsignale. DVI-I (integrated) akzeptiert analoge und digitale Signale. Anhand der Pinbelegung lassen sich Kabel und Buchsen leicht unterscheiden. Um den breiten Massepin an der linken Seite der Stecker befinden sich bei DVI-I vier kleine, eckige Pins für RGB- und Synchronisationssignale. Besitzt ein Display lediglich DVI-D-Buchsen, ist deshalb beim Kauf neuer Kabel Aufmerksamkeit geboten: DVI-I-Kabel passen nicht in DVI-DBuchsen.
Farbkasten
Zum Spielen, Surfen und für Office-Anwendungen reicht der Farbraum aktueller Flachbildschirme völlig aus. Legt man indes bei Videos oder der Bildbearbeitung großen Wert auf sattere Farben, wird man bei den Wide-Color-Gamut-LCDs (WGC) fündig: Dank spezieller auf das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtung abgestimmter Farbfilter bringen die WCG-Monitore sehr satte Grün- und Rottöne auf den Schirm.
Einige teure Referenzmonitore setzten auf rote, grüne und blaue Leuchtdioden anstelle herkömmlicher Kaltkathodenröhren (CCFL, Cold Cathode Fluorescense Light) als Lichtquelle für die Hintergrundbeleuchtung. Das reinere Farbspektrum der farbigen LEDs ermöglicht einen noch größeren Farbraum als bei WCG-Schirmen. Die LEDs geben das Licht jeweils in einem schmalen Wellenlängenbereich ab, worauf sich die Farbfilter des Panels gut abstimmen lassen. Zudem unterscheiden sich die Wellenlängen der Grundfarben von denen einer CCFL-Beleuchtung: Grün wirkt deutlich kräftiger und Rot besitzt nicht wie auf herkömmlichen Monitoren einen leichten Orangestich, sondern sieht wirklich knallrot aus.
Mindestens ebenso wichtig wie der Farbraum ist die Farbmischung. Wie gut der Monitor in dieser Disziplin abschneidet, erkennt man deutlich bei der Anzeige von Hauttönen: Sehen Gesichter auf dem Monitor ähnlich grünstichig aus wie nach einer Seereise bei Windstärke acht, ist bei der Mischung der drei Grundfarben etwas schiefgegangen.
Für Spieler und Bildbearbeiter ist es besonders ärgerlich, wenn dunkle Töne ins Schwarze absaufen oder helle Töne überstrahlen. Deshalb sollten Sie Wert auf eine sehr gute Graustufenauflösung legen und zu Displays mit einer Farbtiefe von 8 Bit pro Farbe greifen. Soll der Monitor für professionelles Publishing genutzt werden, lohnen sich auch Geräte, die intern mit 10 oder gar 12 Bit rechnen. Schirme mit 10- oder 12-Bit-LUT (Look-up-Tabelle) stellen sehr fein aufgelöste Grau- und Farbverläufe dar – kosten aber auch mehr.
Damit die Darstellung auf dem Monitor möglichst dem Original entspricht, wünscht man sich bei der Bildbearbeitung zudem möglichst feine Einstellungsoptionen – beispielsweise eine Gammakorrektur, variable Farbtemperaturen und einen RGB-Abgleich. Schief geschaut LCD-Monitoren haftet nach wie vor das Image der starken Winkelabhängigkeit an. Die Zeiten, in denen man stocksteif vor dem Monitor sitzen musste und trotzdem die Ecken verblassten, sind glücklicherweise passé. Ganz eingeholt haben LCDs ihre Röhrenahnen in dieser Disziplin jedoch noch nicht.
In LC-Displays finden vorrangig drei verschiedene Panel-Arten Verwendung: In Plane Switching (IPS), Vertical Alignment (VA) oder Twisted Nematic (TN). Sie unterscheiden sich in der Struktur und der Ausrichtung des Flüssigkristalls und besitzen deshalb unterschiedliche Blickwinkelcharakteristiken.
In der professionellen Bildbearbeitung und beim Publishing benötigt man eine verlässliche Farbdarstellung. Auf großen Displays blickt man bereits beim Betrachten der Bildränder recht schräg auf den Schirm. Damit die Farben von Fotos oder Bildern auch dann stabil bleiben, wenn man sie nicht im direkten Sehfeld hat, sollte hier die Wahl auf Displays mit VA- oder IPS-Panel fallen. Displays mit TN-Panels schneiden merklich schlechter ab. Besonders bei der Betrachtung von unten wird ihre Darstellung insgesamt düster. Schaut man von den Seiten auf einen TN-Monitor, sehen die Farben blasser aus und Weiß wird häufig gelb-, rosa- oder blaustichig. Für Textverarbeitung, zum Surfen und Spielen reichen die günstigeren Bildschirme mit TN-Technik aber aus – sofern man in hektischen Spielpassagen still sitzen bleibt.
Auch bei Monitoren mit Portraitfunktion sind große Einblickwinkel Pflicht. Ein hochkant gedrehtes TN-Display sieht von einer der beiden Seiten betrachtet vor allem dunkel aus. Möchte man das Display häufiger für einen Videoabend nutzen, könnte auch ein winkelunabhängiger 24-Zöller mit VA-Panel auf der Einkaufsliste stehen.
Im Verkaufsregal erkennt man ein TN-Panel relativ leicht, wenn man von unten auf das Display schaut: Es erscheint dann deutlich dunkler. IPS- und VA-Panels lassen sich schwieriger auseinanderhalten. Das Datenblatt des Monitors schafft meist Klarheit darüber, welche Paneltechnik im Gerät steckt.
Licht und Schatten
In puncto Leuchtdichte halten LCDs keine unangenehmen Überraschungen bereit: Geräte mit weniger als 150 cd/m2 muss man heutzutage schon mit der Lupe suchen. Selbst in sehr heller Umgebung kann man auf aktuellen LCD-Monitoren problemlos arbeiten. Beim Spielen und Videogucken ist eine höhere Leuchtdichte gefragt: Hierfür sollte das Display mindestens 200 cd/m2 erreichen.
Hell leuchtende Displays sind aber nur die halbe Miete: Die Schirmhelligkeit sollte sich in dunkler Umgebung merklich reduzieren lassen. Ein strahlendes Display strengt beim nächtlichen Einsatz die Augen an und führt auf Dauer zu Kopfschmerzen. Generell ist es ratsam, die Leuchtdichte des Displays auf ein angenehmes – respektive ergonomisches – Maß zu reduzieren. In normalen Wohn- und Büroumgebungen liegt dieses bei 100 bis 130 cd/m2 – was letztlich bedeutet, dass man die Helligkeit aktueller LCDs immer etwas herunterregeln sollte.
Ebenso erwartet man einen hohen Kontrast. Dieser gibt den maximalen Helligkeitsunterschied zwischen schwarzen und weißen Flächen an. Eine Kontrastangabe von beispielsweise 600:1 bedeutet, dass das Display weiße Bildinhalte 600-mal heller darstellt als schwarze. Ein zu geringer Kontrast stört bei allen Anwendungen. Blassschwarze Texte oder Tabellen sind schlechter lesbar; langes Arbeiten führt dann schnell zum Ermüden der Augen. Filme, Bilder und Spiele leiden ebenfalls unter kontrastschwachen Monitoren: Es fehlt ihnen Brillanz und die Darstellung wirkt etwas saft- und kraftlos. Ein gutes Display sollte heute mindestens einen Kontrast von 600:1 erreichen.
Den Datenblättern der Hersteller kann man bei den Kontrastwerten jedoch nicht vorbehaltlos vertrauen, da dort nicht immer der statische In-Bild-Kontrast angegeben wird. Manche Monitore verändern je nach Bildinhalt die Intensität der Hintergrundbeleuchtung: In dunklen Szenen wird das Backlight gedimmt, in hellen Szenen strahlt es intensiver. Dadurch erreichen die Schirme theoretisch (dynamische) Kontrastwerte von mehr als 10 000:1 allerdings nur in aufeinanderfolgenden Bildern. Der Kontrast innerhalb eines Frames lässt sich durch diesen Kniff nicht beeinflussen. Entsprechend profitiert man nur beim Spielen oder Videoschauen von dieser Funktion. Bei der Bildbearbeitung wünscht man sich sowieso eine konstante Helligkeit und schaltet den dynamischen Kontrast besser aus, um sicher zu gehen, dass sich die Backlight-Intensität nicht ständig ändert, wenn man größere Bildausschnitte verschiebt.
VA-Panels bringen gegenüber anderen Techniken meist die kontrastreichsten Bilder auf den Schirm – auch ohne in die Trickkiste greifen zu müssen. Werte von über 1100:1 sind hier keine Seltenheit. TN-Displays kommen da zwar auch heran, von schräg betrachtet nimmt ihr Kontrast aber schnell ab. Den geringsten Kontrast erreichen meistens Monitore mit IPS-Panel, ermöglichen aber jenseits von 500:1 ebenfalls komfortables Arbeiten.
Beim Einstellen der Anzeige bieten LCDMonitore einen großen Vorteil: Ihr Helligkeitsregler bestimmt ausschließlich die Stärke der Hintergrundbeleuchtung – sofern der Hersteller nicht gepfuscht hat. Einige Displays besitzen im Einstellungsmenü zudem Regler für Kontrast und Schwarzpegel. Viele Geräte verzichten auf letzteren. Wenn der Schwarzpegel ab Werk ordentlich vorgegeben ist, stellt das kein Problem dar. Falls nicht, vermatschen dunkle Töne zu einem einheitlichen schwarzen Brei.
Besonders ärgerlich sind Monitore, bei denen der Kontrastregler sowohl die Helligkeit als auch den Schwarzpegel verändert. Hier misslingt die Abgrenzung feiner Graustufen häufig, sodass Schwarz absäuft oder helle Flächen deutlich überstrahlen. Über die Einstellung ist dann meist nicht viel zu retten, da man nur noch die Wahl zwischen zwei Übeln hat.
Nachbrenner
Beim Spielen oder Videoschauen müssen die Bildpunkte schnell zwischen hell und dunkel umschalten können. Auf langsamen Panels erkennt man Schlieren an schnell bewegten Objekten. Matschige Bilder trüben auch den TV- und Videogenuss merklich: Laufschriften lassen sich schlechter lesen, Actionszenen und Sportübertragungen verwischen leicht.
Ehrgeizige Spieler lehnen die vermeintlich langsamen LCDs deshalb häufig kategorisch ab. Gerade bei Ego-Shootern muss man sich auf einzelne Bildbereiche konzentrieren – beispielsweise auf die Hecke, in welcher der Gegner lauern könnte. Bewegungsunschärfen sehen dann nicht nur hässlich aus, sondern sind auch ein strategischer Nachteil.
Um die Helligkeit eines Pixels zu ändern, muss der Flüssigkristall seine Ausrichtung ändern. Die Drehung der Moleküle nimmt einige Zeit in Anspruch. Zügige Displays benötigen für einen einfachen Bildwechsel – sprich einen Schaltvorgang – im Mittel zehn Millisekunden. Ein vollständiger Wechsel, wie er bei Bildschwenks nötig ist, dauert also rund 20 Millisekunden.
Für enthusiastische Spieler halten die Hersteller deshalb Displays mit Overdrive bereit. Dahinter verbirgt sich ein technischer Kniff, der dem Flüssigkristall Beine macht: Anstatt ihn mit dem für eine gewünschte Helligkeit notwendigen Pegel anzusteuern, verpasst man ihm kurzfristig eine höhere oder niedrigere Spannung. Durch den stärkeren Impuls richtet er sich zügiger aus und erreicht die Zielhelligkeit schneller.
Bislang findet sich die Overdrive-Technik vorwiegend bei Displays mit VA- oder TN-Panel. Auf aktiv beschleunigte IPS-Displays trifft man dagegen seltener. Nutzt man das Display vorrangig zum Spielen oder Videoschauen, lohnt sich der Griff zu den etwas teureren, aktiv beschleunigten Displays.
Der Overdrive einiger Geräte pusht den Kristall mitunter aber so stark, dass die Zielhelligkeit zunächst über- oder unterschritten wird und anschließend mehrere Millisekunden vergehen, bis sich die endgültige Ausrichtung respektive gewünschte Helligkeit einstellt. Dieses sogenannte Überschwingen lässt sich oft auch mit bloßem Auge erkennen: Bewegte Objektkanten ziehen einen hellen Saum hinter sich her. Misst man nur die Zeiten, bei denen nach einem Bildwechsel die neue Helligkeit erstmalig erreicht wird, erzielen aktiv beschleunigte Displays gute Ergebnisse. Zieht man bei den Messungen allerdings nicht diese theoretische Zeit heran, sondern berücksichtigt auch die Überschwinger, verpufft der Geschwindigkeitsvorteil.
Einige Monitore analysieren das von der Grafikkarte angelieferte Bild und vergleichen es mit dem vorherigen Frame. Dadurch lässt sich der Overdrive exakter dosieren. Problem: Die Analyse kostet ebenfalls Zeit, weshalb eine Latenz bei der Bildausgabe auftritt. Wenn außer dem vorherigen und dem ak tuellen auch der folgende Frame für die Stärke des Impulses ausgewertet wird, können Latenzen von bis zu drei Frames auftreten – die angezeigten Bilder hinken der Realität dann um 48 Millisekunden hinterher. In sehr schnellen Ego-Shootern können drei Frames über Treffen oder Getroffenwerden entscheiden …
Leider kann man sich auf die Herstellerangaben zu den Schaltzeiten kaum verlassen. Meistens wird in den Prospekten nur die Zeit eines einfachen Schaltvorgangs angegeben. Und selbst hier gibt es beachtliche Unterschiede: Ein Wechsel zwischen Schwarz und Weiß geht deutlich flotter über die Bühne als ein Grauwechsel mit geringen Helligkeitsunterschieden. Ein im Laden mit sechs Millisekunden beworbenes Display kann sich deshalb zu Hause trotzdem als lahme Ente entpuppen. Verlässliche Angaben – auch zu möglichen Nebenwirkungen des Overdrive – finden Sie in jedem Monitortest in den regulären Ausgaben der c’t. Aus insgesamt 60 Messungen errechnen wir bei unseren Tests die durchschnittliche Dauer eines Schwarz-Weiß- und eines Grau-Wechsels (jeweils rise + fall).
Checkliste
Der Weg zum richtigen Display ist weit weniger steinig, wenn man sich im Vorfeld genau überlegt, wofür man es vorrangig nutzen möchte. Ebenso wichtig wie Größe, Auflösung und Seitenverhältnis ist die Auswahl des Panels: Wer überwiegend Grafikanwendungen nutzt, ist mit VA- und IPS-Panels besser bedient. Sie können mit großzügigen Einblickwinkeln aufwarten. Für Textverarbeitung reichen die günstigeren TN-Displays aus. Die Ersparnis ist in eine etwas größere Bilddiagonale meist besser investiert.
Ab 22 Zoll bieten die Displays für die meisten Anwendungen ausreichend Platz. Wer mehr Freiraum benötigt oder häufig mehrere Fenster gleichzeitig offen hält, für den lohnt sich der Griff zu größeren Displays. Zwischen den Größen 24 bis 28 Zoll ändert sich allerdings nur die Bildfläche, nicht aber die Anzahl der Bildpunkte – sie bleibt bei 1920 x 1200. Die größeren Schirme zeigen also nicht mehr an, sondern einfach nur alles etwas größer. Damit die Inhalte auch gestochen scharf auf dem Schirm landen, sollte grundsätzlich eine DVI-Schnittstelle an Bord sein.
Heimanwender betreiben häufig keine Anwendungsmonokultur. Hier gestaltet sich die Auswahl schwieriger: Will man häufiger die Urlaubsfotos aufpolieren, bietet sich die Anschaffung eines VA- oder IPS-Monitors an. Wer mit Grafik wenig am Hut hat und eher ein Spielchen wagt oder gerne Filme schaut, für den rechnet sich die Anschaffung eines TN- oder VA-Displays mit Overdrive. Als größte Hürde gilt es abschließend, im Geschäft die eigenen Wünsche mit der Brieftasche in Einklang zu bringen. (Stefan Porteck)
Im Themenforum Prüfstand diskutieren.
Videos dieser Serie (8)
-
Vorsicht Kunde! - Teures Versehen – Falsche Versprechen bei der Datenrettung
Es geschieht am 1. Juli: Willi S. passt einmal nicht auf und fegt die externe Festplatte seines Computers vom Schreibtisch. Der Sturz auf den harten Boden hat fatale Folgen. Rund 60 wertvolle Filme...
-
Probleme mit der Technik? - Schnurer hilft! - Bandbreite bei UMTS
Was tun, wenn der Drucker nicht mehr drucken will und der Computer streikt? Dann ist guter Rat teuer und stundenlange Reparaturversuche zermürben den Benutzer. Machen Sie es sich einfach, fragen Sie...
-
Auf Knopfdruck digital - Fotoscanner für Papierbilder im Vergleichstest
Das ist doch mal eine richtig gute Idee! Ein Fotoscanner, mit dem sich auf Knopfdruck die alten Papierbilder in die digitale Welt holen lassen. Damit könnte endlich Schluss sein mit...
-
Was ist eigentlich? - Das c’t magazin Computer ABC - "HD+"
Ist es gut, wenn sich der Computer der "Shared Memory"-Technik bedient? Könnte es ein Problem geben, wenn man ein "Cookie" auf dem Rechner hat? Und wissen Sie, was ein Klammeraffe ist? In der Welt...
-
Flach, groß und billig - Schnäppchenpreise bei Computerbildschirmen (3SAT)
Die ganze Welt kauft Flachbildfernseher, der Markt boomt, die Geräte werden immer billiger. Und von dieser Entwicklung können die Verbraucher auch beim Kauf von Computermonitoren profitieren.
-
Spaßmacher - HD-Mini-Camcorder ab 100 Euro im Test (3SAT)
Manchmal muss es schnell gehen. Nur so lassen sich wirklich gute Schnappschüsse machen. Was für Fotos gilt, soll nun auch für Videoclips gelten. Im Urlaub, auf Partys oder beim Sport, manchmal bleibt...
-
Top oder Flop? - Schnurer’s Einkaufstour der Woche (3SAT)
Auch in dieser Woche hat sich c't-magazin-Experte Georg Schnurer wieder einmal in den Entwicklungslabors umgeschaut und präsentiert die neuesten technischen Errungenschaften. Viele Neuerscheinungen...
-
Richtig schenken Teil 1 - Notebooks und Netbooks ab 250 Euro
Weihnachten steht vor der Tür und auf vielen Wunschzetteln stehen elektronische Geräte mal wieder ganz weit oben. Aber es ist schwer, die richtige Auswahl zu finden. Das c’t magazin bietet in seiner...
Einloggen, um Kommentare schreiben zu können.