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Frühling für das Radio - Aktuelle Hits und gute Unterhaltung aus dem Internet

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Das Radio erfindet sich neu. Schauplatz des Geschehens ist jedoch nicht das klassische UKW-Band: Hier machen sich die Platzhirsche der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender seit Jahren mit dem "Besten" der 80er und 90er und gebetsmühlenartig eingehämmerten Sender-Jingles gegenseitig die angeblich werberelevante Zielgruppe der ewig 14- bis 29-Jährigen streitig. Der Innovationsfaktor tendiert hart gegen Null.

Die wirklich frischen Radioblumen blühen im Internet: innovativ und interaktiv – manchmal auch skurril bis chaotisch. Beflügelt wird der Radiofrühling gleich durch mehrere Faktoren. Da ist zum einen die bessere Internetversorgung: entweder per WLAN über die DSL-Flatrate in den eigenen vier Wänden oder unterwegs per "Datenflat" fürs Handy, Net- oder Notebook.

Hinzu kommt, dass man nicht mehr vor dem PC hocken muss, um "Radio Internet" zu lauschen: Neben WLAN-Geräten in Form von Koffer- oder Küchenradios, Radioweckern oder Streaming-Clients verstehen sich immer mehr Handys auf die Wiedergabe von Audio-Streams aus dem Internet. Unangefochtene Nummer 1: Apples iPhone, dass mit zahlreichen kostenlosen Radioanwendungen aus dem AppStore punkten kann.

Nicht zuletzt sind es die Dienste selbst, die die Hörer mit frischen Angeboten locken. Dabei nutzen sie die Möglichkeiten des Internets voll aus und gehen weit über das hinaus, was das klassische Radio per UKW zu bieten hat. Der zu Tode komprimierte Gurgelsound der Anfangstage ist überwunden – die meisten Anbieter erreichen dank hoher Bitrate oder effizienterer Audiokomprimierung mühelos UKW-Qualität.

UKW goes Internet

Die klassischen Radiomacher nutzen ihre Präsenz auf der UKW-Skala nach Kräften, um die analoge Hörerschaft auf ihre Webportale im Internet zu lotsen. Hier erwartet den Hörer leichte Kost: Neben einem Live-Stream des aktuellen Programms gibt es meist eine Abspielliste zu sehen, in der man sich über die bisher gespielten Titel informieren kann. Auf seinen lokalen UKW-Radiofavoriten muss man auch nach einem Umzug oder am Urlaubsort nicht verzichten.

Zudem bieten viele "UKW"-Stationen neuerdings zusätzlich Spartenkanäle an: So findet sich zum Beispiel beim Sender Hit Radio Antenne (hitradio.de) unter anderem ein Comedy-Format und ein Stream mit Filmmusik.

Hier und da experimentieren Anbieter mit speziellen Formaten fürs Internet. Der WDR geht mit 1Live Kunst täglich auf Sendung: Auf dem Plan steht Kulturberichterstattung und Popmusik für die junge Internet-Hörerschaft. Momentan produziert der WDR täglich nur ein vierstündiges Programm, das über den Tag als Schleife ausgestrahlt wird.

Neben den Online-Ablegern der klassischen Radioanbieter gibt es zahlreiche Webradios, die ihren Audiostrom ausschließlich über das Internet an den Mann und die Frau bringen. Einer der großen Anbieter ist rautemusik.fm mit gleich neun verschiedenen Live-Streams. Während in "Main" Massenkost der 80er und aktuelle Hits geboten werden, versorgen die restlichen Kanäle wie eXTreMe (Rock), JaM (Hip-Hop, Rap), FunkY (Dance, Electro) oder Goldies (Oldies der 60er und 70er) kleinere Zielgruppen. Das Projekt finanziert sich über Bannerwerbung auf der Homepage und kurze Werbeeinblendungen.

Hardware

Internetradio ist eine feine Sache – richtig Spaß macht es aber erst, wenn man es auch über WLAN-Radios oder portable Endgeräte genießen kann.

Wenn es um mobilen Empfang geht, bietet Apples iPhone momentan die größte Auswahl an Audio-Diensten. Im App Store gibt es viele kostenfreie Anwendungen, die Musik aufs Handy bringen. Wer Internetradio mit stationären Geräten über das heimische Funknetz genießen möchte, kann heute auf eine große Auswahl an Radios zugreifen.

Fazit

Internetradio rockt. Wer genervt ist vom Einerlei auf der UKW-Skala oder wem die eigenen Musikkonserven nur noch ein müdes Gähnen entlocken, der sollte "Radio Internet" eine Chance geben. Zu verlieren hat man nichts – am Computer sind die meisten Angebote kostenfrei nutzbar. Die Auswahl an Endgeräten fürs PC-lose Radiovergnügen ist verlockend. Zur Not lässt sich auch ein ausgedientes Notebook zur Abspielstation wandeln.

Abseits der schnarchend langweiligen Diskussionen um die Digitalisierung des UKW-Bandes ist das Medium Radio längst dabei, sich neu zu erfinden. Hörfunkprofis, Musiker, Blogger, DJs und Menschen mit allgemeinem Sendungsbewusstsein sorgen für einen bunten Mix an Angeboten. Schnell, interaktiv, international, eingebunden in Social-Networks immer am Puls und in der Tasche ihrer Hörerschaft. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Entwicklung mit der Verbreitung des mobilen Internets noch an Dynamik gewinnt. Bald dürfte die Zeit reif sein für den All-Time-Classic "Internet Killed the Radio Star".

Eine Übersicht interessanter Internet-Radiostationen und -geräte finden Sie in der Printausgabe 11/09 des c't magazins im Artikel "Radiofrühling, Mehr Hörspaß mit Internetradios und Streaming-Communities" von Sven Hansen ab Seite 118. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 25. Mai 2009 auch als pdf-Datei im c't Kiosk. (Sven Hansen) / (gs)

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