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Gefahr durch das Navi - Wenn der digitale Pfadfinder die Sicht versperrt

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Um richtig gut zu führen, benötigen Navis nicht nur frisches Kartenmaterial, sondern auch zeitnahe Informationen zur Verkehrslage sowie detailreiche Informationen zur Umgebung. Mit einem klassischen Fahrzeug-Navigationsgerät kommt man da schnell an die Grenzen: Karten, Adressverzeichnisse und Radar infos sind nur so aktuell wie das letzte Update am PC, und Staumeldungen per TMC (Traffic Message Channel) über UKW brauchen lange und bieten wenig Infos. Abhilfe schafft ein direkter Draht zum Internet.

Vier Hersteller bieten inzwischen solche Connected Navis mit GSM-Modulen und Live-Diensten an. Navigon und TomTom haben gleich mehrere Modelle damit ausgestattet, Garmin und Medion bisher jeweils eines. Wir haben für den Test vier Geräte ausgesucht, die einen ähnlichen Funktionsumfang bieten und mit 350 bis 400 Euro Listenpreis in derselben Preisklasse spielen: das Garmin nüvi 1690 nü-Link, das Medion Gopal P4635, das Navigon 6350 Live und das TomTom Go 950 Live.

Ab ins Netz

Die in Deutschland und teilweise auch in anderen europäischen Ländern bereitgestellten Live-Dienste kosten nach Ablauf einer kostenfreien Nutzungsdauer je nach Hersteller zwischen 5 Euro und 10 Euro monatlich oder 50 bis 100 Euro jährlich. Für die Datenübertragung fallen keine weiteren Kosten an, die Nutzung einer eigenen SIM-Karte ist nicht vorgesehen. Bei den meisten Navis ist das Mobilfunkmodul integriert, nur bei den Navigon-Geräten muss man ein extra Kästchen mit USB-Kabel zwischen Ladekabel und Navi anbringen. Das sorgt für Kabelgewirr im Auto, außerdem lassen sich die Live-Dienste nur bei aktiver Stromversorgung nutzen.

Die Geräte sind auf einige Navi-spezifische Live-Dienste beschränkt – Surfen im Netz, EMails lesen oder telefonieren geht damit also nicht. Bei Garmin, Medion und TomTom kann man gleich loslegen, bei Navigon ist erst die Eingabe eines Aktivierungscodes nötig. Das funktionierte im Test anders als vorgesehen nicht direkt am Gerät, sondern nur über die PC-Software Navigon Fresh (Windows, Mac Beta), laut Navigon ein kurzzeitiges Problem einiger SIM-Karten, das inzwischen behoben ist.

Die Königsdisziplin der Live-Dienste sind zeitnahe Verkehrsinformationen. TomTom, der schon seit über einem Jahr Connected Navis anbietet, ist mit seinem Verkehrssystem HD Traffic Vorreiter: Außer den Meldungen vom ADAC und von Induktionsschleifen auf Autobahnen wertet das niederländische Unternehmen anonymisierte Bewegungsprofile von Flottenpartnern, Vodafone-Handys und TomTom-Navis aus, die Aufschluss über zähfließenden Verkehr und Stauungen geben und zügig in das Meldesystem eingespeist werden.

Garmin, Medion und Navigon benutzen ebenfalls einen Mix aus Verkehrsdaten, Induktionsschleifen und weiteren Quellen. Die Navis von Medion und Garmin greifen auf den Premiumdienst vom Kartenhersteller Navteq (Navteq Traffic, TMCpro) zurück, bei dem seit Kurzem ebenfalls anonymisierte Handydaten von Navteq-Eigner Nokia einfließen. Der Anwender bekommt die TMCpro-Meldungen darüber deutlich schneller als über UKW. Navigon setzt auf Daten vom US-Unternehmen Inrix und berücksichtigt außerdem die anonymisierten Bewegungsdaten seiner eigenen Live-Nutzer; anders als bei TomTom ist die Weitergabe der Daten freiwillig. Auf den Testfahrten Anfang Januar im tief verschneiten Raum Hannover und kalkulierten Routen durch Deutschland hatte Tom-Tom in puncto Details und der Anzahl der Meldungen die Nase vorn, gefolgt von Navigon; Garmin und Medion lieferten etwas weniger, aber genauso schnell. Bei allen vier Navis werden die Verkehrsnachrichten in einer Übersicht aufgelistet, auf der Streckenkarte eingeblendet und natürlich in die Routenplanung einbezogen. Bei Navigon und TomTom kann man sie sich auch vorlesen und etwas detaillierter einblenden lassen.

Parken, Blitzen, Tanken

Das TomTom Go 950 Live und das Navigon 6350 Live nutzen die Funkverbindung außerdem, um neben stationären Radarfallen temporäre Blitzer anzuzeigen. Sie setzen dabei auf eine emsige Community: Der Nutzer kann Blitzer auf dem Navi eintragen, die beim Hersteller überprüft und dann sofort an andere Nutzer weitergeleitet werden.

Die Navis von Medion und TomTom zeigen die Spritpreise an. Bei Testfahrten waren viele Tankstellen erfasst, die Preise erwiesen sich meistens als ungenau, die Tendenz günstiger oder teurer stimmte aber. Beim Medion-Navi kann man die Spritpreise direkt auf dem Gerät korrigieren, die Änderungen werden nach wenigen Sekunden wirksam. Es zeigt die Preise naheliegender Tankstellen in der linken Seitenleiste, das Go 950 Live nennt die günstigste Zapfsäulen auf der Route, in der Nähe, in der Region oder einer festgelegten Entfernung.

Navigon und Medion bieten eine ausführliche Parkhaus-Datenbank mit Informationen wie Öffnungszeiten und Preise: Per Funk rufen sie außerdem die aktuelle Belegung ab und geben an, ob sich das Parkhaus derzeit leert oder füllt. Im Test fanden wir nur wenige Parkhäuser, die diese Infos auch tatsächlich bereitstellten.

Und nun zum Wetter

Bei langen Fahrten lohnt ein Blick auf die Wettervorhersage, auf den Live-Navis hat man sie immer dabei. Alle vier Navis zeigen für den Zielort oder vorgegebene Adressen das Wetter an und geben eine Vorhersage für die nächsten Tage. Das Go 950 Live liest sie auch vor, Navigon blendet die Wetterlage praktischerweise für einzelne Streckenabschnitte in der Routenübersicht ein.

Auf der Suche nach Ärzten, Restaurants, Einkaufsläden oder Fußballstadien stoßen vorinstallierte POI-Datenbanken (Points of Interests) in puncto Umfang und Aktualität schnell an ihre Grenzen. In solchen Fällen kann man bei den Netz-Navis auf Googles Adressdatenbank „Lokale Suche“ (im Internet unter Google Maps zu finden) zurückgreifen. Dort findet man für den gesuchten Ort häufig nicht nur die Adresse, sondern auch Öffnungszeit, Telefonnummer und Bewertungen; zu einem guten Teil stammen die Infos aus dem Datenbestand der Gelben Seiten. Mit einem Klick startet das Navi die Navigation zum ausgewählten Ort. Garmin bietet auf dem nüvi 1690 nüLink außerdem Zugriff aufs Telefonbuch und dessen Adressverzeichnis, zeigt die Flugpläne inklusive Verspätungen und liefert im installierten Währungsrechner tagesaktuelle Kurse. Auf der Webseite von Garmin erstellte Zielorte kann man außerdem drahtlos an das Navi senden.

Verlängert man das Live-Abo nicht, greifen die Navis statt auf die zeitnahen Verkehrsdienste übers Funkmodul aufs klassische TMC per UKW zu. Bei Medion und Navigon ist der Empfänger dabei, TomTom liefert einen Gutschein dafür mit. Den sollte man unbedingt auch bei Nutzung der Live-Dienste einlösen, sonst bekommt man in den vielen europäischen Ländern ohne HD-Traffic-Abdeckung gar keine Verkehrsinfos.

Garmin nüvi 1690 nüLink

Das Garmin kann mit einer klaren Menüführung glänzen, die ganz auf seine Navigationsfunktionen ausgerichtet ist und dank eindeutiger Icons und Beschreibungen schnell beherrscht ist. Der Touchscreen reagiert schnell, erfordert aber festeres Drücken. Beim Abruf der Livedienste ist das Navi etwas lahm.

Die Routenkalkulation ist recht fix und liefert ordentliche Ergebnisse, berücksichtigt aber keine tageszeitabhängigen Daten und schätzt die Ankunftszeiten meist zu optimistisch. Die Kartenansicht ist schlicht und ohne viele Zusatzinformationen, bleibt dafür aber übersichtlich. Der Fahrspurassistent ist manchmal missverständlich, die Illustrationen für Autobahnabfahrten hat es dagegen am besten integriert: Sie überlagern nur einige Sekunden die Karte und helfen nicht nur bei Aus-, sondern auch bei komplizierten Auffahrten.

Die Audio-Ansagen sind laut genug und deutlich, allerdings klingt die Stimme abgehackt und kommandierend, Straßennamen spricht das Navi häufig falsch aus. Die Ansagen kommen zum richtigen Zeitpunkt, sind allerdings bei komplizierten Straßenführungen etwas ungenau. Nach Eingabe des durchschnittlichen Spritverbrauchs führt das nüvi 1690 Buch über die anfallenden Benzinkosten, die Anwendung ecoChallenge belohnt den Anwender mit Punkten für spritsparendes Fahrverhalten. Die Freisprecheinrichtung bietet gute Klangqualität.

Navigon 6350 Live

Navigon liefert beim 6350 Live nicht nur die schönste Kartenansicht, sondern auch vielfältige Zusatzinformationen: Gebirgsrücken sind teilweise dreidimensional, POIs mit aussagekräftigen Icons dargestellt. In Innenstädten zeigt es Gebäude und Sehenswürdigkeiten als 3D-Modelle an. Die optisch ansehnliche Pfeilnavigation, der Spurassistent und Abfahrtillustrationen helfen, auch in komplizierten Streckenabschnitten den Überblick zu behalten.

Gesprochene Navigationshinweise sind präzise und informativ und ertönen in angenehmer Stimme, kommen allerdings bisweilen etwas früh. Die Routenberechnung bietet drei Strecken zur Auswahl, nannte meistens sinnvolle Routen und nutzt dafür die tageszeitabhängigen Durchschnittsgeschwindig keiten des Anwenders. Auf einer Testfahrt fiel für zwei Minuten das GPS komplett aus, sonst machte es aber eine gute Figur.

Die Spracherkennung erlaubt die Menüsteuerung und die Adresseingabe per Stimme, was bei leiser Umgebung recht gut klappt. Der Touchscreen reagiert flott, die Menüs sind etwas verschachtelt und nicht ganz so intuitiv, bei der arg schmalen unteren Leiste tippt man hin und wieder daneben.

Außer dem getesteten Modell bietet Navigon noch ein Premiumgerät für 500 Euro mit Live-Diensten an: Das 8450 Live hat einen größeren kapazitiven Touchscreen (5 Zoll Diagonale), einen Mediaplayer und in einigen Städten eine komplette 3D-Ansicht. Die beiden Modelle 8410 und 6310 können für 100 Euro mit einem Live-Modul ausgestattet werden.

TomTom Go 950 Live

Das Go 950 Live bietet mit sehr aktuellen und detailreichen Verkehrsinfos, tageszeitabhängigen Streckenprofilen aus den Daten aller TomTom-Nutzer (IQ Routes) und vielen Einstellmöglichkeiten die beste Routenberechnung mit einer guten Vorhersage der Ankunftszeit. Vor der Fahrt zeigt es die Zielführung als Text, Bilderreihe, Demo-Fahrt oder auf einer ansehnlichen Übersichtskarte an. In einem Fall war eine ganze Seitenstraße verschwunden, was zu einer falschen Route führte, sonst lieferte das Navi durchweg gute Strecken.

Fehler auf der Karte kann man direkt am Gerät korrigieren; sie werden auf dem eigenen Navi sofort berücksichtigt und man kann sie optional an andere Fahrer weitergeben. An zwei Stellen war die Verortung auf der Karte ungenau, sodass sich das Navi an falscher Stelle wähnte.

Dank übersichtlicher Menüs und kurzer Reaktionszeiten bedient man das Go 950 Live sehr flott. Die Kartenanzeige ist übersichtlich und etwas schlicht, punktet dafür mit eingezeichneten Fußwegen und Gebäudeflächen. Die Stimmnavigation klingt nicht besonders angenehm, nennt wenige Details und nervt mit unnötigen Hinweisen, zum Beispiel bei Bundesstraßen mit vielen Abfahrten.

Die Spracherkennung ist kaum zu gebrauchen: Die Erkennung liegt oft daneben und man muss zum Abschluss der Befehle auf den Touchscreen tippen. Die Freisprecheinrichtung ist an sich gut, tönt aber etwas leise im Auto.

TomTom bietet Live-Dienste inzwischen für drei Modelle an. Dem Go 750 Live fehlen gegenüber dem Go 950 Live die Nordamerika-Karten und der Beschleunigungssensor, ist mit 300 Euro aber 50 Euro billiger. Das TomTom XL Live IQ Routes für 230 Euro hat weder Sprachsteuerung noch Freisprecheinrichtung.

Die kompletten Testergebnisse aller überprüften Navigationssysteme finden Sie im Artikel "Die Netz-Navis, Navigationsgeräte mit Internetanbindung" von Achim Barczok in der Printausgabe 4/2010 des c't Magazins ab Seite 132. Den Beitrag erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . (Achim Barczok)

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