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Kleine Knipsen für bessere Bilder - Digitalkameras mit neuen Bildsensoren

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Entwicklungshilfe

Fast war in den vergangenen Jahren der Kauf eines Toasters spannender als der einer neuen Digitalkamera: Der Pixel- Wettlauf geriet mit Erreichen der 12-Megapixel-Schwelle erst einmal ins Stocken, weil die Bildergebnisse mit einem Mehr an Pixeln nicht besser wurden (eher im Gegenteil), und so mussten amüsante Firmware-Features wie die Lächel-Automatik oder das Wiedererkennen von Gesichtern und Personen als Kaufargument herhalten. So mancher Käufer stellte schließlich frustriert fest, dass die Bilder seines alten 6-Megapixel-Modells ansehnlicher waren als die des pixelstrotzenden Neuerwerbs. Der arbeitet nämlich, bedingt durch die kostensparende Miniaturisierung des Sensors, stets hart an den Grenzen der optischen und elektronischen Möglichkeiten. Die Naturgesetze können die hier vorgestellten Konzepte nicht aushebeln, auch wenn die Kompaktkamera-Technik noch weiten Raum für Verbesserungen bietet. Ganz oben auf der Wunschliste vieler Verbraucher steht die Rauscharmut bei hoher Lichtempfindlichkeit, gefolgt von einem großen Dynamikbereich, damit die Kamera wie das menschliche Auge auch starke Kontraste einwandfrei einfangen und wiedergeben kann. Dabei darf der Preis des Produktes nur wenig oder besser gar nicht steigen – der Markt hat sich schließlich schon an Oberklasse-Modelle in der 400-Euro-Region gewöhnt. Die Auflösung dagegen war eigentlich schon vor drei Jahren mit den damals vorherrschenden 7- und 8-Megapixel- Kameras „good enough“. Wir stellen die neuen Kameras vor.

Canon PowerShot G11

Eine klassische, äußerst solide Sucherkamera mit etwas zerklüftetem Gehäuse ist die neue Canon G11. Bemerkenswert ist der große 1/1,7"-Sensor, der „nur“ noch 10 Megapixel auflöst. Die sehr umfangreiche Ausstattung umfasst eigene Einstellräder für Belichtungskorrektur und ISOStufen, einen Drehring um die 4- Wege-Wippe für manuelle Fokussierung und Werteeinstellungen, eine frei belegbare Funktionstaste und zwei Benutzerspeicher. Das bildstabilisierte Fünffach- Zoom bleibt bis in den Telebereich recht lichtstark und bietet sogar eine pseudoanaloge Skalendarstellung. Endlich ist das Display einer G-Canon wieder dreh-und schwenkbar – hoch auflösend und hell ist der 2,8-Zoll-Monitor noch dazu. Der alternativ verwendbare optische Sucher hat eine Dioptrien-Korrektur, weist aber im Nahbereich eine starke irreguläre Parallaxe auf; außerdem drängt sich in Weitwinkel- Stellung der Objektivtubus ins Bild. Das Canon-typische, gut aufgeräumte Menü zeigt Hilfstexte, einen frei konfigurierbarem „My menu“-Reiter, ein „Func“-Menü für die Funktionstaste und zwei manuelle Weißabgleichsspeicher. Der recht zügige Autofokus (Makro-Grenze 1 cm) arbeitet in allen Brennweitenbereichen präzise und benötigt nur wenig Licht. Ihr TTL-Blitzschuh ist mit dem EOS-Blitzsystem kompatibel. Als Alleinstellungsmerkmal im Testfeld besitzt sie einen Neutraldichtefilter und einen speziellen Low-Light-Modus bis 12ˇ800 ISO. Etwas enttäuschend ist die geringe Serienbildrate trotz schnellem Digic-4-Prozssor, auch die Fernsteuermöglichkeit mittels Canon Remote Capture haben wir nicht mehr vorgefunden. Zu den wenigen Kritikpunkten gehört die ungenaue Akkuanzeige des eigentlich recht starken Akkus mit sprunghaft einsetzender Leerlaufwarnung. Die Videofunktion bietet nur VGA-Videoclips ohne bedienbaren Zoom und AF, aber einen sehr guten Ton. Preislich liegt das Gerät schon auf Spiegelreflexniveau.

Wer es etwas dezenter (und preiswerter) mag, findet in der Powershot S90 ein deutlich kompakteres Modell mit dem gleichen Sensor.

Canon PowerShot G11
Testnote 1,8
Preis: 589 Euro

Fuji Finepix F70EXR

Die trotz bildstabilisiertem 10fach-Zoom (ab 27 mm Weitwinkel) sehr zierliche Fuji ist die junge Schwester der beiden 200EXR-Modelle, hier allerdings mit kleinerem EXR-Sensor und 10 Megapixel Auflösung. Der Super-CCD unterstützt die EXR-Modi HR, DR und SN. Bei letzteren sind die manuellen Eingriffsmöglichkeiten allerdings stark eingeschränkt, die Auflösung sinkt hier auf 5 Megapixel. Das helle, etwas grobe LC-Display bietet einen sehr großen Einblickwinkel. Angenehm auch das weiße Fokus-Hilfslicht und die flexiblen Blitzfunktionen – das leider etwas schwächliche Blitzlämpchen belichtet auch Makro-Aufnahmen immer stimmig und korrekt. Es gibt hier sogar Sondermodi für Doppelaufnahmen mit und ohne Blitz, mit Erhalt der Lichtstimmung oder einem durch unscharfen Hintergrund freigestellten Motiv. Letzterer soll die kreativen Möglichkeiten einer Spiegelreflex simulieren, indem das scharfe Motiv (Portrait) elektronisch vor einen unscharfen Hintergrund gesetzt wird – was überraschenderweise durchaus ansehnliche Ergebnisse bringt. Gelungen ist das „F“-Modus- Menü für schnelle ISO-, Bildgrößen- und „Filmcharakteristik“- Einstellung. Eine voll manuelle Einstellung ist möglich, auch wenn die Schnappblende nur zweistufig arbeitet und eine manuelle Fokussierung nicht angeboten wird. Die zügige und genaue AF-Funktion ist aber bis zur Telestellung bei geringem Lichtbedarf gewährleistet. Das fummelige Funktionswahlrad lässt sich nur mit dem Zeigefinger gut betätigen und beim Kamerastart nervt ein zeitraubendes Zwangslogo. Überhaupt arbeitet die Datenspeicherung träge, lediglich drei langsame Serienbilder sind in Folge drin. Die F70EXR liefert nur VGA-Videos mit Störgeräuschen von Zoom und Autofokus im dumpfen Ton.

Fujifilm FinePix F70 EXR
Testnote 2,8
Preis: 279 Euro

Sigma DP1

Auch wenn sie schon einige Zeit am Markt ist, haben wir die DP1 wegen ihres derzeit sehr günstigen Preises mit in den Test aufgenommen; außerdem hat sich bei ihrer brandneuen Nachfolgerin DP1s Sensor- und bildverarbeitungsmäßig nichts geändert. Als einzige Kamera im Vergleich ist sie nicht mit einem Zoom, sondern mit einer Festbrennweite von 16,6 mm (vergleichbar mit 28 mm KB) ausgestattet – wohl auch ein Tribut an den großen Sensor, aber in der Edel-Kompaktklasse durchaus nicht unüblich. Ein Zoom hätte hier durch den erforderlichen großen Bildkreis fast die Abmessungen eines Spiegelreflex-Objektivs erreicht. Die Kamera ist nicht besonders klein, wirkt aber durch die Reduktion von Tasten und Funktionen durchaus hochwertig. Der satt rastende Funktionswahlschalter bietet nur übersichtliche fünf Foto-Modi von manuell bis Vollautomatik, zusätzlich gibt es noch die Film- und Audioaufzeichnung. Die „Zoomwippe“ kann im Aufnahmemodus mit verschiedenen Funktionen belegt werden, ansonsten dient sie zum Vergrößern/Verkleinern des angezeigten Wiedergabe-Bildausschnitts. Leider hat der Hersteller auf eine Bildschirmlupe bei manueller Fokussierung verzichtet. Besonders gelungen fanden wir die manuelle Fokussierung, die bequem über ein mit Entfernungsangaben beschriftetes Daumenrad unterhalb des Auslösers vonstatten geht. Zusätzlich wird im Monitor eine Entfernungsskala eingeblendet.

Die DP1 fokussiert auf eines von neun auswählbaren Feldern, „Spielereien“ wie eine Gesichtserkennung gibt es hier nicht – so lieben es die Puristen. Die Symbol-Beschriftung der Tasten ist leider so gut wie überhaupt nicht zu erkennen, lediglich ihre Zweitfunktionen sind gut lesbar. Der Blitz wird manuell über einen Schieber ausgefahren. Insgesamt macht die Verarbeitung einen sehr guten Eindruck. Als optionales Zubehör gibt es eine Gegenlichtblende und einen Aufstecksucher für den Blitzschuh – damit sieht die Kamera schon fast wie eine Leica aus. Die Videoaufzeichnung ist lediglich eine Notlösung; mit QVGA-Videos (320 x 240 Pixel) geben sich heute selbst billigste Einsteiger-Modelle nicht mehr zufrieden. Der 2,5"-Monitor ist hell, aber mit ebenfalls nur QVGA-Auflösung (230ˇ000 Subpixel) kein Ausbund an Schärfe. Hier stört zudem die erhabene Plexi-Abdeckung, die beim Ablegen der Kamera schnell verkratzt. Die Fokussierzeit liegt mit fast einer Sekunde inakzeptabel hoch, auch wenn man entschuldigend die großen zu bewegenden Linsenelemente anführt. Einen Makro-Modus kennt die Kamera nicht, die Naheinstellgrenze liegt bei 30 Zentimetern. Wer oft Kleinode für Online-Auktionen fotografiert, sollte besser zu einem anderen Modell greifen: Kleiner als ein A4-Blatt dürfen formatfüllende Motive nicht werden. Unerwartete Schwierigkeiten bereitete unserer Mess-Software die automatische Auswertung der Testbilder: In den EXIF-Daten ist die Auflösung 2640 x 1760 Pixel (4,6 Megapixel) vermerkt, was das auf Bayer-Sensoren kalibrierte Programm zu überschwänglichen Angaben bezüglich des relativen Auflösungs- “Wirkungsgrades“ veranlasste. Über die absoluten Werte herrschte allerdings kein Zweifel: Die effektive Auflösung liegt recht nah bei dem, was der Sensor theoretisch zu liefern im Stande ist; das Objektiv wird ihm also mehr als gerecht. Der Kamera liegt ein spezielles Raw-Entwicklungsprogramm bei, die gängigen Bildverarbeitungen (etwa von Adobe) können mit dem Raw-Format der DP1 nichts anfangen – dies gilt übrigens für alle Sigma-Modelle.

Sigma DP1
Testnote 2,4
Preis: 290 Euro

Sony Cyber-shot DSC-WX1

Der neue Exmor-R-Sensor mit 10 Megapixeln war Sony nicht genug Innovation: Der Hersteller wollte wohl auch zeigen, wozu neuzeitliche Kleinprozessoren in der Lage sind. Dazu gehört beispielsweise die Schwenkpanorama- Funktion: Für eine Breitwandaufnahme muss man nun keine Einzelbilder mehr anfertigen, sondern man schwenkt die Kamera während der Aufnahme einfach seitlich über den gewünschten Winkel. Der Prozessor kann ebenso im Low-Light- Modus sechs Einzelbilder passgenau übereinanderlegen und durch Mittelung das Rauschen reduzieren. Der BIONZ-Chip ist auch für die hohe Serienbildrate verantwortlich, die über zehn Bilder aufrechterhalten wird. Der optisch bildstabilisierte 5- fach-Zoom beginnt bei innenraumfreundlichen und zudem recht lichtstarken 24 mm Weitwinkel, sein Autofokus arbeitet tadellos; in Richtung Tele fällt die Lichtstärke dann aber doch ab. Die recht lange Akkulaufzeit mit Restzeitanzeige, eine kurze Blitzladezeit und die gute Nahblitzfunktion stehen bei der WX1 ebenfalls auf der Plus-Liste, auch wenn das Blitzmodul nur recht spärliches Licht liefert. Witzig: Auf dem optionalen motorisierten „Party shot“-Drehteller sucht die Kamera drehend, schwenkend und zoomend ihre menschlichen Fotomotive selbstständig. Das nicht entspiegelte Display löst leider nur mäßig hoch auf, außerdem stört sein geringer vertikaler Einblickwinkel (kippende Farben). Zu den Kritikpunkten gehören auch die winzige Serienbildtaste, die fummelige 4-Wege-Wippe und die relativ menülastige Bedienung mit zum Teil langen Manövrierwegen; das Kamera-Setup ist mit eigenem Reitersystem gut im Menü versteckt. Eine manuelle Belichtungssteuerung bietet die WX1 nicht. Die Videoclips sind wie der zugehörige Ton von nur mäßiger Qualität. Sony-Käufer müssen mit erhöhten Folgekosten durch den „verdongelten“ Spezialakku und vergleichsweise teure MS-Duo-Speicherkarten rechnen.

Sony Cyber-shot DSC-WX1
Testnote 2,4
Preis: 350 Euro

Fazit

Im Vergleich zu den mit Standard- Sensoren ausgestatteten Kameras bieten die hier versammelten „Exoten“ einen deutlichen Mehrwert. Dabei zeigt Canon, dass man auch mit Detailverbesserungen an bekannten Konzepten sehr gute Ergebnisse erzielen kann – wenn die Vernunft und nicht die Marketing- Abteilung regiert. Nur die sportliche Preisvorstellung spricht gegen die G11; wer auf einige Features verzichten kann, erhält mit der kleineren Power- Shot S90 den gleichen Sensor. Fujis F70EXR musste gegenüber der F200EXR und S200EXR (beide mit größerem 1/1,6"-EXRSensor) deutlich Federn lassen. Zwar kann sie sich gegenüber einer 12-Megapixel-Kamera mit „normalem“ CCD immer noch gut behaupten, im Vergleich zu den „Großformatigen“ ist der halbzöllige 10-MP-Sensor dann aber doch überfordert. Für ein Gerät mit derzeit nur noch 226 Euro Straßenpreis ist sie trotzdem eine gute Wahl. Die Sigma DP1 wendet sich an Puristen, die weder auf viele Megapixel noch auf einen zweistelligen Zoom-Faktor schielen. Mit Geräten vom Schlage einer G11 kann und will sie nicht mithalten, und trotz knapper APS-C-Größe vermag der Sensor nicht vollends zu überzeugen – schade, dass seine Weiterentwicklung seit geraumer Zeit stagniert. Immerhin liefert der Handel sie inzwischen zum Schnäppchenpreis von weit unter 300 Euro. Den besten Eindruck unter den kleinformatigen Sensoren liefert Sonys Backside-Illumination- Konzept. Mit nur 1/2,4" Diagonale rückt der Exmor-R-Chip den größeren bedenklich auf die Pelle; wir befürchten allerdings, dass der Hersteller die positiven Ergebnisse zum Anlass nehmen wird, die Sensoren in Zukunft noch weiter schrumpfen zu lassen.

(Carsten Meyer)

Im Themenforum Prüfstand diskutieren.

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