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Nur scheinbar billig - Vorsicht bei falschen Preisempfehlungen, verdeckten Finanzierungskosten und teuren Auslaufmodellen

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Der Mensch ist ein Schnäppchenjäger. Jedes Schnäppchen löst beim Käufer echte Glücksgefühle aus. Und hier lauert die Falle: Kaufhäuser und Einzelhändler nutzen unsere Glücksgefühle aus und führen uns so manchmal hinter’s Licht. Und das machen sie so:

Falle 1 – Veraltete Technik

Ein Fernseher für nur 300 Euro, statt der üblichen 600 Euro. Das klingt nach einem Schnäppchen, satte 50% Rabatt winken dem Käufer. Aber Achtung: Häufig will man Ihnen hier vollkommen veraltete Technik unterschieben.

Fernseher, die so billig verkauft werden, liegen oftmals lange im Lager und sind bereits technisch etwas angestaubt. Nicht selten sind die Geräte bereits 2 Jahre und länger im Handel zu haben. Wer solche Technik kauft, wird nicht besonders glücklich werden. Ein schlechteres Bild, ein veraltetes Innenleben und ein deutlich höherer Stromverbrauch. So wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen echter Frust.

Dabei können Sie Schnäppchen schnell auf Ihre Gültigkeit hin überprüfen: Geben Sie die genaue Produktbezeichnung einfach im Internet in eine Suchmaschine oder ein Preisvergleichsportal ein. Mit wenigen Klicks können Sie dann in Erfahrung bringen, wann das betreffende Gerät erstmalig verkauft wurde. So lässt sich leicht abschätzen, ob die Technik überhaupt noch aktuell ist und aus dem Schnäppchentraum kein Schnäppchenalbtraum wird.

Falle 2 – Unverbindliche Preisempfehlungen

Unverbindliche Preisempfehlungen der Hersteller werden von Verkäufern gern genutzt, um mit dicken Rabatten zu winken. Auf eine Kamera gibt es dann mal 30% Rabatt, auf ein Notebook sogar fast 70%.

Das Perfide: Oftmals wurden die Geräte niemals zu den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller verkauft, sondern es wurde bereits bei der Markteinführung ein niedrigerer Preis im Handel durchgesetzt, der dann mit der Zeit weiter gefallen ist.

Da in Deutschland die "Preisbindung der zweiten Hand“ gesetzlich untersagt ist, können Hersteller den Verkäufern keine Verkaufspreise vorschreiben. Den tatsächlichen Preis bestimmen die Kunden durch Ihre Nachfrage und die Verkäufer durch das Angebot.

Doch die Trickserei des Handels geht noch weiter: Besonders freche Verkäufer schreiben unverbindliche Preisempfehlungen auf ihre Preistafeln, die es so nie gab. So wird aus einem tatsächlichen 10%-Rabatt im Verkaufsraum mal ganz schnell ein 50%-Rabatt. Die Grundlage der Rabatt-Berechnung des Verkäufers (die unverbindliche Preisempfehlung) hat es so aber nie gegeben.

Ein beliebter Trick auch: Hersteller geben für unterschiedliche Länder aber auch unterschiedliche Handelsketten innerhalb eines Landes verschiedene Preisempfehlungen heraus, um das Maximum an Verkaufserlösen zu generieren. Aus diesen unterschiedlichen Preisempfehlungen suchen sich einige besonders dreiste Verkäufer die höchste aus, um den gewährten Rabatt besonders hoch wirken zu lassen.

Falle 3 – Die 0%-Finanzierung

Besonders ärgerlich ist die Falle der "0%-Finanzierung“. Teure Technikprodukte langsam abstottern können, das klingt für viele Verbraucher erst einmal attraktiv. Und mit einer Finanzierung, die auch gar nichts kostet, lassen sich auch die letzten Zweifel ausräumen.

Durch Zusatzgebühren, Restschuldversicherungen und andere Aufschläge wird aus einem 0%-Kredit plötzlich ein Kredit mit einem effektiven Jahreszins von über 10%!

Beispiel IKEA: Kauft man dort Waren im Gesamtwert von 380 Euro ein und will diesen Betrag über ein Jahr finanzieren, so muss man ein Konto bei der IKEA-Bank „Ikano“ abschließen. Jahresgebühr: 38 Euro. Für diese Finanzierung über ein Jahr zahlt man in unserem Beispiel also einen satten Aufpreis von 10%! Ein Kredit bei Ihrer Hausbank wäre unter Umständen deutlich günstiger gewesen.

Tipp: Immer genau prüfen

Bevor Sie bei einem Schnäppchen zuschlagen oder eine Finanzierung mit dem Verkäufer vereinbaren, sollten Sie erst einmal recherchieren:

  1. Wann wurde das Produkt zum ersten Mal angeboten? Ist es vielleicht veraltet?
  2. Wie hoch ist die tatsächliche Preisempfehlung des Herstellers und gibt es das Wunschprodukt woanders vielleicht billiger? Ist der Rabatt also wirklich so hoch, wie Ihnen vom Verkäufer weisgemacht werden soll?
  3. Welche Haken hat die 0%-Finanzierung? Lesen Sie ganz genau das Kleingedruckte und lassen Sie sich alle Gebühren noch einmal vorrechnen. Entscheiden Sie dann, ob der tatsächliche Jahreszins immer noch so günstig ist.

Ein besonders bequemes Recherche-Instrument für all diese Fragen ist hierbei das Internet. Durch einfache Suchabfragen in Suchmaschinen wie Bing oder Google lassen sich die meisten Fragen binnen Sekunden klären. (Adrian Korte) / (gs)

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