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Schallplatten, MCs, Super-8- und VHS-Filme digital - Wie man alte Clips und betagte Hits auf den Rechner bekommt

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Was für schöne Erinnerungen an die gute alte Zeit – Das alte Hochzeitsvideo von Mutti und Papi oder die Lieblingsschallplatte von den Stones. An den raumeinnehmenden Andenken aus vergangenen Tagen nagt gnadenlos der Zahn der Zeit. Deshalb müssen sie ins digitale Zeitalter gerettet werden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre zerkratzten und verstaubten Erinnerungen für die Ewigkeit sichern können.

Mission: VHS-Kassetten retten

Um analoges Videomaterial in den Computer zu holen, werden die alten Bänder mit einem funktionsfähigen Abspielgerät wiedergegeben – möglichst nur einmal, denn mit jedem Wiedergabedurchgang steigt das Risiko von Aussetzern. Das analoge Videosignal – in Composite (FBAS) oder S-Video-Ausführung – wird dabei samt Tonsignal in eine Wandlerbox, einen so genannten Videokonverter, geschickt. Der erzeugt daraus digitale Daten und reicht die an den Rechner weiter. Der übernimmt anschließend die Fehlerkorrektur und die Komprimierung in ein nutzbares Format wie MPEG-2.

Im Test vertreten waren fünf Komplettpakete aus aufeinander abgestimmter Hard- und Software; Kabelpeitschen und Adapter erlauben die Nutzung verschiedener Anschlussnormen. Die getesteten Videokonverter von Magix, Roxio und der Grabby von Terratec kommen im USB-Stick-Format; die Hersteller liefern ein USB-Verlängerungskabel mit. Analoge Geräte werden mit der beiliegenden Kabelpeitsche für Composite (FBAS) und S-Video angeschlossen.

Ein vollständig belegter Scart-Anschluss, den das größere Modell von Terratec – der Grabster AV350 MX – mitbringt, überträgt auch das qualitativ sichtbar bessere RGB-Signal – sofern die verwendete Videoquelle solche Signale überhaupt bereitstellt. Ein Scart-Adapter ist zwar nützlich, um alte Videorecorder anzukoppeln; einen echten Scart-Anschluss mit RGB-Eingang kann er aber nicht ersetzen, wenn er nur S-Video- und FBAS-Signale weiterleitet. Die Moviebox von Pinnacle stellt neben analogen Anschlüssen sogar einen vollwertigen FireWire-Port für die Ein- und Ausgabe von DV bereit; die Box wird am USB-Anschluss angekoppelt.

Terratec Grabby

Trotz des günstigen Preises von 40 Euro wirkt der Terratec Grabby deutlich robuster als die Wandlerboxen von Roxio und Magix. Die USB-Leitung sowie die Kabelpeitsche für Composite, S-Video und Stereoton sind fest am Modul verdrahtet. Als Software liegt – wie auch beim Grabster AV 350 – Magix "Filme auf DVD" bei.

Beim Einspielen des VHS-Materials zeigte der Grabby die beim großen Bruder sichtbaren Verzerrungen nicht. An den Rändern kam es aber wie bei den anderen Kandidaten zu Farbverfälschungen, was sich mit der Magix-Software beseitigen ließ. Helligkeit, Farbe und Kontrast kann man mit dem Programm problemlos korrgieren. Doch wie bei der Konkurrenz kann das Videobild nach erfolgter Korrektur bedingt durch Hochskalieren nach dem Randbeschnitt – durchaus schlechter, weil matschiger aussehen.

Magix Retten Sie Ihre Videokassetten

Nur 60 Euro verlangt Magix für seinen Digitalisierer mit dem Namen "Retten Sie Ihre Videokassetten". Der in China gefertigte Konverter im USB-Stick-Format wirkt nicht besonders robust. Als Software legt Magix die hauseigene Software "Filme auf DVD 8" bei. Eine USB-Verlängerung erlaubt das Anstecken des großen Sticks beispielsweise am Laptop oder im Kabelsalat hinterm Rechner. Mit der Kabelpeitsche stellt man die Anschlüsse für Composite, S-Video und Stereo-Cinch bereit. Für Besitzer alter VHS-Geräte liegt ein Scart-Adapter bei, der allerdings nur S-Video, Composite sowie Audio überträgt.

Die Software "Filme auf DVD" ähnelt den anderen Schnittlösungen von Magix. Das digitalisierte Material zeichnet das Programm wahlweise als MPEG-1 oder MPEG-2 auf. Der Magix-Lösung gelingt eine erfreuliche Bildqualität: Die Verzerrungen, die auf dem am VHS-Recorder angekoppelten TV-Gerät noch zu sehen waren, sind dank der hochwertigen Wandlung mit Korrektur des Zeilen-Timings in der digitalen Fassung fast nicht mehr zu bemerken; sie wären auch mit den einfachen Mitteln, die das Programm bereitstellt, nicht zu korrigieren. Dennoch blieb am linken Bildrand ein falschfarbiger Balken sichtbar. Leichtes, aber nicht störendes Flimmern ist in strukturierten Flächen auszumachen – insbe-ondere in Szenen, die auf dem Fernseher stark verzerrt waren.

Helligkeit, Schärfe und Kontrast lassen sich unter "Optimieren" in der "Effekte"-Auswahl per Schieberegler oder automatisch korrigieren. Zudem hellt die Funktion "1-Klick FX/Verbessern" zu dunkle Ränder auf. Mit "Video Cleaning", erreichbar per Doppelklick auf einen Videoclip, darf der Cutter einmal mehr Helligkeit und Kontrast verändern. Der zweite Reiter "TV-Bild" bietet die Wandlung von Halbbildern in Vollbilder an sowie den Randbeschnitt. Eine Vollbildwandlung ist aber nicht nötig, da "Video auf DVD" das Material bereits mit 25 Vollbildern/s aufgezeichnet hat – in insgesamt akzeptabler Qualität. Der Randbeschnitt führte zu deutlichen Qualitätseinbußen, leichtes Nachschärfen verbesserte den Bildeindruck aber sichtbar.

Pinnacle Studio Moviebox Plus 12 USB

Pinnacle bietet seine "Moviebox" in zwei Ausführungen an, die sich in der beiliegenden Softwareversion unterscheiden. Der Plus-Version für 130 Euro liegt das Studio Plus 12 bei, zur Ultimate-Ausführung für 200 Euro packt Pinnacle das Studio 12 Ultimate. Für die 70 Euro Aufpreis bekommt der Anwender zusätzliche Effektsoftware sowie ein grünes Tuch für "Bluebox"-Effekte. Die Software ist obendrein in beiden Versionen vollständig HD-tauglich und bearbeitet AVCHD-Material nativ.

Die Digitizer-Box findet per USB 2 am Rechner Anschluss. Sie stellt obendrein einen FireWire-Port zum Anschluss eines DV-Camcorders bereit, der bei aktuellen PCs und Laptops oft fehlt. Analoge Signale nimmt die Box über Composite- und S-Video-Buchsen fürs Bild sowie Stereo-Cinch für den Ton entgegen. Im Unterschied zum Mitbewerb spielt die Moviebox das analoge Material auch aus, etwa zur Vorschau auf einem TV-Monitor.

Beim Einspielen hat man die Wahl zwischen DV, MJPEG, MPEG-1 und MPEG-2. Die Pinnacle-Lösung zeichnet ein weitgehend verzerrungsfreies Videobild auf, bis auf den linken Rand und leichtes unruhiges Rauschen. Die Nachbearbeitung des Analogvideos lässt sich mit Pinnacle Studio gut erledigen; so genügt ein Doppelklick auf einen Clip, um beispielsweise den fehlerhaften Rand abzuschneiden. Mit den "Videoeffekten" kann man per Filter Helligkeit, Farbe und Kontrast ohne Probleme korrigieren; Funktionen zum Entflackern oder zur Randaufhellung fehlen. Der Entrauschen-Effekt (Denoiser) verschlechterte die Bildqualität eher. Die Umwandlung von Halb- in Vollbilder ist dank der Vorarbeit des Hardwarewandlers nicht nötig. Die Anpassung der Geschwindigkeit und das Entwackeln lässt sich nur aktivieren, wenn der Denoiser nicht aktiv ist.

Mission: Schallplatten retten

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Schallplatte nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil bekommt man inzwischen wieder deutlich mehr Neuveröffentlichungen auf Vinyl als noch vor ein paar Jahren. Nicht nur die Techno-Szene schwört auf den analogen Sound, auch kleinere Jazz- und Funk-Label wie Daptone Records eifern alten Motown-Zeiten nach und verzichten völlig auf digitale Technik – sie veröffentlichen ihre Werke primär als Singles und LPs, und längst nicht alle kommen als CD auf den Markt.

Doch bevor man sich an eine Digitalisierung wagt, sollte man sich über den dafür nötigen Zeitaufwand im Klaren sein. Denn während sich eine CD in wenigen Minuten kopiert, ist eine Langspielplatte ein Echtzeitmedium, bei dem die Überspielung genau so lange dauert wie die Musikwiedergabe. Rund eine Stunde muss man pro LP für die reine Digitalisierung rechnen (wer es mit High-Speed-Dubbing bei 45 oder gar 78 Umdrehungen pro Minute probiert, verbiegt unweigerlich den Frequenzgang und amputiert die hohen Frequenzen). Für das anschließende Entknistern und die Klangpolitur gehen schnell weitere Stunden ins Land. Müssen gar Kratzer oder andere Beschädigungen manuell beseitigt werden, kann allein die Restaurierung eines Songs mehrere Stunden dauern. Wer eine Sammlung von mehreren hundert LPs digitalisieren will, sollte also sein Vorgehen genau planen.

Zunächst benötigt man natürlich einen Plattenspieler. Findet man einen solchen noch auf dem Dachboden, sollte man überprüfen, ob der Tonabnehmer noch in Ordnung ist. Im Laufe der Jahre nutzt sich die Nadel immer weiter ab, sodass sich Zischlaute messerscharf in die Gehörgänge bohren und der Klang verzerrt. Ist ein noch einigermaßen gut erhaltener Plattenspieler gefunden, stellt sich die Frage, wie man ihn zur Aufnahme an den Rechner anschließt. Als Teil einer HiFi-Anlage verbindet man einfach den Tape-Ausgang des Verstärkers über ein Cinch-Kabel (mit 3,5mm-Klinken-Stereo-Adapter) mit dem Line-Eingang der Soundkarte.

Die richtige Software

Um die alten Scheiben in den PC zu kriegen, darf natürlich die richtige Software nicht fehlen. Wir nehmen das kostenlose Programm Audacity 1.2.6. Hier sieht man die einlaufende Tonspur parallel mitlaufen und kann während der einzelnen Pausen zwischen den Liedern gleich entsprechende Markierungen setzten. So ist die Schallplatte nicht komplett am Stück, sondern schon in die einzelnen Songs unterteilt. Das ist beim späteren Speichern von Vorteil. Wenn beispielsweise noch böses Knacken und Knistern zu hören ist, kann das betroffene Lied gleich einzeln in das sogenannte Programm Rillenputz exportiert werden. Die kostenlose Software beseitigt entweder automatisch oder über manuelle Regler teilweise die unschönen Kratzer.

Was tun ohne Plattenspieler?

Ist kein alter Plattenspieler mehr im Haus, gibt es mittlerweile diverse USB-Plattenspieler. Jedoch Vorsicht, hier lässt die Qualität sehr zu wünschen übrig. Modelle unter 100 Euro haben weder eine vernünftige Mechanik oder Justage-Möglichkeit, noch lassen sich die mitgelieferten Tonabnehmer gegen besser klingende auswechseln. Beim besonders günstigen Auvisio PX-3031 für 70 Euro, der Songs direkt als MP3s auf eine SD-Karte aufzeichnet, verzerrte die nicht regulierbare Aussteuerungsautomatik alle Aufnahmen ins Unkenntliche. An Ion Audios Profile Flash (ca. 140 Euro) pegelte die Automatik die Aufnahme immerhin richtig ein, doch die Klangqualität ließ zu wünschen übrig. Sie reicht für Hörspiele und zum Auffrischen alter Erinnerungen, für mehr aber nicht.

Deutlich besser verarbeitet ist Omnitronics DD-2550 für rund 180 Euro, ein günstiger Nachbau des legendären Technics SL-1210 MKII. Der mittelmäßige Tonabnehmer lässt sich über den Bajonett-Anschluss leicht wechseln. Wie jedoch auch die Modelle von Auvisio und Ion Audio erkannte Windows 7 den USB-Anschluss des Plattenspielers lediglich als Mikrofon-Eingang mit falscher Empfindlichkeit, sodass er sich verzerrungsfrei nur bis zur „3“ aussteuern ließ. Das gleiche Problem zeigten auch der Omnitronic DD-4750 sowie der Profile LP und LP2CD von Ion Audio. Unter Vista ließ sich der Mikrofoneingang immerhin bis zu „25“ aussteuern, was mehr Spielraum bei der Einstellung lässt. Besser kombiniert man Omnitronics günstigere Variante BD-1520 (ohne USB) für 125 Euro mit einem separaten USB-Vorverstärker.

Ion Audios Premium-Modell LP2CD (circa 350 Euro) kann Schallplatten mit seinem eingebauten Brenner direkt auf eine CD-R schreiben. Zunächst speichert der Plattenspieler die Songs in seinem internen Flash-Speicher, bevor er den Brennvorgang startet. Dort lassen sich die Stücke auswählen und umsortieren. Zwar kann man Track-Marken manuell setzen, wenn die Automatik jedoch zu viele Marken setzt, lassen sich diese nachträglich nicht wieder löschen. Für Jazz- und Klassik-LPs schaltet man die Trennautomatik besser ab. Der Aufnahmepegel lässt sich praktischerweise manuell über einen Drehregler einstellen. Die lautesten Passagen sollten dabei nicht weiter als –4 bis –2 dB ausschlagen.

Was ganz Bequemes

Für 350 Euro kopiert Ion Audios LP2CD Schallplatten direkt auf CD. Nur den Tonabnehmer sollte man gegen einen besseren tauschen. Demgegenüber lieferte der eigentlich nur für MM-Systeme vorgesehene Dynavox UPR-2.0 (z. B. bei Pearl für 69 Euro) an einem 20 Jahre alten Denon DP-47F mit MC-Tonabnehmer selbst bei nur halb aufgedrehtem Eingangspegel einen saftigen Klang. Das gut geschirmte Metallgehäuse ließ zudem keine hochfrequenten Störsignale durch.

Obwohl das Dynavox-Kästchen die analogen Signale nur mit 16 Bit wandelt, klang es besser als der Terratec iVinyl-Vorverstärker, der Aufzeichnungen mit 24 Bit ermöglicht. Die zusätzlichen Dynamikreserven des 24-Bit-A/D-Wandlers können nämlich bei einer Schallplattenaufnahme gar nicht genutzt werden. In der Theorie erreicht diese einen Signal-Rauschabstand von maximal 70 dB, selbst High-End-Plattenspieler kommen in der Praxis kaum über 50 dB hinaus – da reicht der Dynamikumfang einer 16-Bit-Digitalisierung von 96 dB locker aus. 24 Bit lohnen sich allenfalls bei einer sehr umfangreichen Nachbearbeitung und wenn das Musikmaterial sehr leise Sequenzen umfasst. (Hartmut Gieselmann, Sven Hansen, Florian Mihaljevic, Joachim Sauer) / (gs)

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