Schlauer, musikalischer, sportlicher? - Was wir mit Spielkonsolen lernen können und was nicht.
Fitter werden ohne allzu große Anstrengung
Sportlicher – schlauer – und musikalischer werden. Ohne einen Schritt vor die Tür setzen zu müssen. Das möchten Johanna und Reinhard L. Eine große Ausrüstung brauchen sie dafür nicht. Es reicht die jeweils entsprechende Spielekonsole. Und die passt in jedes Wohnzimmer. Los geht’s mit Finesstraining.
Johanna L. möchte ihre Kondition verbessern und ein paar Pfunde abspecken. Ihr fehlt die Zeit, um ins Fitness-Studio zu gehen. Deshalb probiert sie die Spielekonsole Wii Fit von Nintendo aus. Das Muskel-Lockern klappt schon mal ganz gut. Die 62-Jährige kann aus über 50 Trainingseinheiten auswählen. Besonders die Aeorobic-Übungen sollen überflüssige Kalorien verbrennen. Doch erst einmal muss sie den richtigen Rhythmus finden. Auch das Gleichgewicht lässt sich mit der Spielekonsole trainieren. Zum Beispiel beim virtuellen Slalom-Fahren. Oder beim Ski-Sprung. Die vielen Fehlversuche dort sorgen für allgemeine Heiterkeit – aber sorgen Sie auch für Fitness?
Unsere Aufnahmen zeigen wir dem Sportorthopäden Christian Lörke. Der Mediziner hält das Training mit der Spielekonsole grundsätzlich für sinnvoll. Aber es gibt auch einen Nachteil. Der Sportorthopäde vermisst die persönliche Betreuung durch einen Fitnesstrainer, der Johanna berät und während des Fitnessprogramms betreut.
Gehirntraining
Reinhard L. möchte geistig fit bleiben. Er will wissen: wie gut lassen sich die grauen Zellen mit einer Spielekonsole trainieren? Der 64-Jährige probiert Dr. Kawashimas Gehirnjogging für Nintendo DS aus. Das Spiel bietet drei Kategorien an: Rechnen, Lesen und Merken. Reinhard L. übt zunächst das Kopfrechnen. Dann nimmt er sich noch ein paar Merk-Aufgaben vor – und stellt fest: die Übungen sind teilweise ganz schön schwierig. Er ist zufrieden mit sich selbst, denn diese Übungen seien zumindest mal besser, als gar nichts zu tun. Diese Einschätzung teilt auch die Software-Expertin Dorothee Wiegand. Sie hat das Gehirnjogging genau unter die Lupe genommen und sieht den Erfolg solcher Spielekonsolen kritisch. All zu sehr würden hier falsche Erwartungen geweckt und "wer davon ausgeht, damit den Intelligenzquotienten zu verdoppeln, der irrt gewaltig!"
Man sollte sich auch nicht davon täuschen lassen, wenn das Programm zu Beginn der Übungsphase das mentale Alter im Methusalem-Bereich ansiedelt und schon nach kurzem Training verkündet, nun sei man jugendlich fit.
Gitarrenheld in kürzester Zeit?
Johanna macht den Test. Ihr Mann spielt seit Jahren Gitarre. Sie möchte es nun auch lernen. Das Videospiel Guitar Hero soll ihr zeigen, wie es funktioniert. Eigentlich soll es ganz einfach sein: die bunten Knöpfe müssen zum richtigen Zeitpunkt gedrückt werden. Dann erzeugt die Gitarre einen Klang. Bei Johanna klappt das nicht. Sie verpasst ständig die Einsätze. Und ist nun frustriert.
Der Diplom-Gitarrist Thorsten Drücker sieht sich die Übungsversuche von Johanna an – und kommt schnell zu einem eindeutigen Urteil. Für ihn, so sagt er, sei es unverständlich, warum dieses Programm "Guitar Hero" heißen könne. Aber um das Erlernen eines Instrumentes geht es wohl hier auch gar nicht. Bei diesem Programm geht es nur um den Spaßfaktor – und den gibt es ohne Frage.
Genuß ohne Reue
Fazit: alle drei Spielekonsolen haben Unterhaltungswert. Doch Johanna und Reinhard bleiben beim Altbewährten: ein gutes Buch lesen, die richtige Gitarre zupfen und zum Sport treiben doch lieber ins Fitness-Studio gehen. (Ulrich Geiger)
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