Spurensucher und Schatzfinder - Navigation für Wanderer (3Sat)
Schnitzeljagd mit Satellitenhilfe – Geo Caching
Wir kennen Sie alle, die gute alte Schnitzeljagd. Doch irgendwie wirkt diese Art der Schatzsuche reichlich angestaubt. Doch keine Angst: in Zeiten von GPS und Navigationssoftware lässt sich aus der Schnitzeljagd ein modernes Abenteuer machen. Und das heißt natürlich nicht mehr Schnitzeljagd, sondern Geo-Caching.
Bis auf 10 Meter genau
Wichtigstes Gerät beim Geo-Caching ist ein GPS-Empfänger, der vom Ausssehen einem normalen Handy ähnelt. Erst durch die Abschaltung der künstlichen Verschlechterung der Genauigkeit (Selective Availability) des GPS-Signals durch die US-Regierung am 2. Mai 2000 wurde der Einsatz der GPS-Geräte auch im privaten Einsatzgebiet praktikabel. Die bis dahin gelieferte Genauigkeit der Positionsbestimmung per GPS-Signal für nicht militärische Nutzer von ca. 100 Meter wurde auf ca. 10 Meter erhöht.
Von der Filmdose bis zum Tresor
Versteckt werden beim Geo-Caching keine teuren Wertgegenstände oder Geschenke, sondern in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere die Verstecker ("Owner") – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen. Der Schatz-Behälter selbst kann unterschiedliche Formen haben, von einer kleinen Filmdose, der einfachen Frischhaltedose aus Plastik, bis hin zur Munitionskiste aus Stahl, oder gar einem versteckten Tresor, dessen Kombination erst herausgefunden werden muss. Oft wird die Größe des Behälters durch den Ort des Verstecks bestimmt.
Unterschiedliche Größenklassen
Für die Cachebehälter haben sich verschiedene Größeneinteilungen etabliert: Nano oder Nano-Micro: Winziger Cache-Behälter, Durchmesser meist unter 1 cm. Micro oder Mini (Filmdosen etc.): Sehr kleine Cache-Behälter, die in der Regel oft nur einen Zettel und Stift enthalten. Small: Kleine Behälter, die neben einem Logbuch noch Platz für kleinere Gegenstände bieten. Regular (wiederverschließbare Plastikbehälter, Munitionskisten etc.): Die eigentliche Standard-Größe eines Caches, der auch Platz für mehrere Gegenstände bietet. Large (Kisten, Tresore etc.): Große Behälter, die ein Maximum an Platz bieten und somit auch außergewöhnliche Tauschobjekte fassen können.
Rausnehmen, reinlegen, tauschen
Wurde ein Cache gefunden, kann der Finder einen oder mehrere der enthaltenen Gegenstände entnehmen und zum Tausch etwas anderes dafür hinterlegen. Dieser Tauschhandel (Trading) wird dann im Logbuch und auf der zugehörigen Internetseite vermerkt. Es besteht kein Zwang zum Tauschen; bei manchen Caches (z. B. Micro-Caches) besteht aus Platzgründen auch gar keine Möglichkeit. Allerdings gilt beim Tauschen immer der Grundsatz "Trade up, trade equal or don’t trade", das heißt, die entnommenen und eingebrachten Gegenstände sollten in einem gesunden Wertverhältnis stehen. Übersteigt der Wert der entnommen Gegenstände die der hinterlassen deutlich, so wird dies als Downtrade bzw. Downtrading bezeichnet und ist weitgehend verpönt – im Gegensatz zu Uptrade beziegungsweise Uptrading, das heißt, dem Hinterlassen eines höherwertigen Tauschobjekts. Hat man nichts Geeignetes zum Tauschen, bietet es sich an, auf einen Tausch zu verzichten.
Was kommt rein, was bleibt draußen?
Ebenso ist es nicht sinnvoll, Lebensmittel oder beispielsweise zeitlich beschränkte Gutscheine zu hinterlassen, da manche Caches nur selten gefunden werden und Lebensmittel Tiere anziehen. Da auch Familien mit Kindern auf "Schatzsuche" gehen, sind Gegenstände ohne Jugendfreigabe ebenfalls tabu. Jeder Cache sollte als Grundausstattung eine Art "Gebrauchsanweisung" beinhalten, damit eventuelle Zufallsfinder wissen, worum es sich bei dem Behälter handelt und ihn somit nicht als Müll oder sogar als Bedrohung ansehen.
Durch die schnelle Verbreitung des Geo-Caching und die wachsende Anzahl an Geocaches entstand schnell die Notwendigkeit, diese in einer gemeinsamen Datenbank zu katalogisieren und den Nutzern über das Internet komfortabel zur Verfügung zu stellen. Die bekannteste und umfangreichste ist www.geocaching.com, die seit den Anfängen im Jahr 2000 existiert. Deren Besitzer, die GroundSpeak Inc., gewährt jedem (kostenlos) registrierten Benutzer freien Zugang zu den Cachedaten mit einem recht komfortablen Benutzer-Interface. Es gibt aber auch eine deutsche Geo-Caching-Seite www.geocaching.de.
GPS-Geräte ab 120 Euro
GPS-Empfänger, die sich für den Geocaching-Einsatz empfehlen, kosten zwischen 120 und 400 Euro. Sie reichen für die Erfordernisse der satellitengestützten Schnitzeljagd völlig aus.
Der Wanderrouten-Rekorder – was man mit GPS-Tracks alles anstellen kann
Wer einen GPS-Logger in der Tasche hat, kann die spontane Kajaktour, die Ballonfahrt zum Vierzigsten und die gewagte Tiefschnee-Abfahrt später am PC noch einmal erleben. Passende Analyse-Software liefert Daten zum maximalen Gefälle oder zur Spitzengeschwindigkeit, Geo-Tagging-Programme pinnen unterwegs geschossene Fotos auf einer Karte an ihren Aufnahmeort und im Web warten GPS-Fanportale auf die schönsten Spritztouren.
Ein GPS-Logger speichert in regelmäßigen Zeitabständen die aktuelle geografische Position. Freizeitsportlern liefert die Analyse solcher GPS-Tracks Daten über die gelaufene oder geradelte Strecke, die Geschwindigkeiten und ein Höhenprofil. Ein solcher Logger, den man schon ab 50 Euro bekommt, leistet natürlich weniger als ein Outdoor-GPS-Handgerät, das die aktuelle Position in einer Karte auf seinem Display anzeigt, oder ein Navigationssystem fürs Auto, das Routen von A nach B selbst berechnet und den Nutzer unterwegs mit konkreten Richtungsangaben zum Ziel dirigiert. Dafür tun Logger etwas, was kaum ein Navi kann: Sie zeichnen den tatsächlich zurückgelegten Weg auf.
Routentausch
Wer sich einen günstigen GPS-Logger zulegt, kann dessen Tracks auf dem eigenen Rechner horten – oder seine Fahrradtouren, Jogging-Strecken und Motorrad-Ausflüge übers Internet Gleichgesinnten präsentieren und mit sich anderen Outdoor-Aktiven austauschen. Eine wachsende Fangemeinde macht mittlerweile von dieser Möglichkeit regen Gebrauch.
Vieles davon läuft unkommerziell und wird vom puren Enthusiasmus der Macher getragen. Zum Beispiel www.GPSies.com: 2006 klein gestartet, wächst der Track-Fundus des Freizeitprojekts exorbitant. Zurzeit kann der Nutzer kostenlos die Geodaten von rund 32 000 Strecken in Deutschland und den angrenzenden Ländern abrufen.
Die Community bietet die Online-Konvertierung von aufgezeichneten Tracks aus allen gängigen Formaten heraus. Das hält den Aufwand und die Hemmschwelle gering, eigene Touren beizusteuern. Beim Hochladen verwandelt GPSies den Track zunächst in KML (Keyhole Markup Language), das Standardformat von Google Maps und Earth. Möchte man einen Track herunterladen, konvertiert ihn der Dienst zuvor ins Wunschformat. Das ist nützlich, wenn man die gewählte Strecke ins eigene Navigationsgerät laden will, um eine Tour nachzugehen. Die Datenformate der Navi-Hersteller Garmin, Magellan, TomTom und Navigon sind ebenso im Angebot wie ein tabellarischer Excel-Export der Koordinaten aller Trackpunkte.
GPSies versteht sich als Plattform für jede Art von Outdoor-Aktivität. Sowohl hübsche Cabrio-Ausflugsstrecken wie geeignete Wege für Inline-Skater finden sich im Angebot. Der Schwerpunkt liegt aber bei Fahrradtouren. Wer solche sucht oder anzubieten hat, sollte auch einen Blick in das Portfolio von Bikemap.net werfen. Die Website bietet momentan rund 38 000 Routen mit einer Gesamtlänge von fast drei Millionen Kilometern – viele "Hausrouten" von Radsportfans, aber auch landschaftlich bemerkenswerte Ausflüge, die sie im Urlaub gemacht haben. Ideal ist ein solches Angebot etwa, wenn man gerade umgezogen ist und keine Lust verspürt, mit Papier-Landkarten auf langwierige Suche nach brauchbaren Trainingsstrecken zu gehen.
Blind vertrauen sollte man den Tracks aus dem Netz allerdings nicht – insbesondere, wenn sie querfeldein durch kritisches Gelände wie Wald oder gar Gebirge führen. Man weiß nie, wie präzise der Logger aufgezeichnet hat und wie genau es der wackere Wegspender mit der Nachbearbeitung nahm. Wer lieber auf geprüfte Tracks zurückgreifen will, sollte sich darauf einstellen, zu bezahlen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) etwa bietet auf seinem Touren-Portal Tracks von Radwanderwegen in der Gesamtlänge von mehr als 94 000 Kilometern an. Allerdings sind nur die ersten 100 kostenlos, danach berappt der Radler zwei Cent pro weiterem Kilometer. Der Download des Tracks zum 318 Kilometer langen Leine-Heide-Radweg beispielsweise schlägt so mit 6,36 Euro zu Buche.
Heimatkunde oder Expedition
Regionale Portale bieten den Vorteil, dass dort in aller Regel Ortsansässige ihre Tracks tauschen, die ihre Heimat gut kennen. Beispielsweise zur Urlaubsplanung lohnt sich eine kleine Web-Recherche in diese Richtung. Einige Kommunen bieten GPS-Tracks zum Download bereits als Service auf den Seiten mit ihren Touristeninformationen an. Auch die Reiseführer-Verlage setzen auf den Mehrwert von GPS-Tracks. Der renommierte Michael-Müller-Verlag etwa bietet zu vielen seiner Schmöker ergänzende und aktuell gehaltene Infos im Web. Dort lassen sich die beschriebenen Wander- oder Fahrradtouren herunterladen.
Auf gehts!
Dank der kompakten Bauform und ihrem niedrigen Preis könnten die Logger zum Massenartikel und GPS-Tracking zum Volkssport werden. Neben naheliegenden Anwendungen wie Geo-Tagging von Fotos oder Trainingskontrolle für Freizeitsportler können Tracks die Grundlage für kreative Einsätze bilden, etwa bei einer Partie "Scotland Yard" auf den Straßen der Heimatstadt, wobei "Mr. X" auf der Flucht vor seinen Häschern ihnen regelmäßig seinen GPS-Track zuspielen muss.
Das Web bietet genügend Communities, um Tipps für Wanderstrecken und Radtouren zu tauschen. Allzu blauäugig und unbehandelt sollte man die Datensätze seiner GPS-Trips aber nicht aus der Hand geben. Denn vor allem in der Masse und einem Benutzerprofil zugeordnet lassen sie deutliche Rückschlüsse darauf zu, wann man wo war, wo man sich öfter rumtreibt – und am Ende vielleicht auch, wer man ist, wo man wohnt und wofür man sein Geld ausgibt.
Den kompletten Beitrag "Auf dem GPS-Trip, Was man mit GPS-Tracks alles anstellen kann" von Peter König und Holger Bleich finden Sie in der Printausgabe 19/08 des c't-magazins ab Seite 98. Im c't Kiosk erhalten Sie den Artikel auch als pdf-Datei.
Ein Test von 13 günstigen GPS-Loggern zeigt die Stärken und Schwächen der aktuellen Geräte. Den Artikel "Fährtenleger, Dreizehn GPS-Logger ab 50 Euro" von Oliver Lau finden Sie ebenfalls in der Printausgabe 19/08 des c't-magazins. Den Beitrag ab Seite 109 erhalten Sie auch als pdf-Datei im c't Kiosk.
Wie man aufgezeichnete GPS-Tracks am PC nachbearbeitet und verbessert, verrät Oliver Lau im Artikel "Gut gespurt, GPS-Track aufzeichnen, bearbeiten und auswerten" in der Printausgabe des c't-magazins ab Seite 112. Auch diesen Beitrag erhalten Sie auch als pdf-Datei im c't Kiosk.
Unseren GPS-Schwerpunkt in c't 19/08 rundet der Beitrag "Straßenmeister, Straßendate nerfassen und eigene Karten herstellen mit OpenStreetMap" von Mirko Dölle ab. Sie finden diesen Artikel auf Seite 118 der Printausgabe des c't-magazins. Als pdf-Datei ist er im c't Kiosk zu finden. (Peter König, Holger Bleich)
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(gs)
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