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Stempel statt Fessel - Digitale Kaufmusik ohne Kopierschutz

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Digitales Rechtemanagement (DRM) bei kommerziellen Musikdownloads gehört nun der Vergangenheit an. Dadurch wird sich erheblich mehr ändern, als man auf den ersten Blick sieht. Zum Beispiel schalten die Shops, die bisher WMA-Dateien angeboten haben – 2008 immerhin fast 60 Prozent des Downloadgeschäfts –, mit der Abkehr von DRM auf MP3-Dateien um.

Damit erlebt das Format, das für viele längst Synonym für "komprimierte Musik auf dem Computer" ist, nach 20 Jahren ein erstaunliches Revival – es wird wohl tatsächlich zum Quasi-Standard, obwohl es mittlerweile jede Menge Konkurrenz durch Nachahmer gibt, auch lizenzfreie. Für den Kunden ist das in vielerlei Hinsicht die bestmögliche Lösung, denn MP3-Musik kann man heute wirklich überall abspielen – nicht zuletzt auch auf Apples iPods.

Zwar bleibt Apple dem AAC-Format treu, aber auch die altgedienten iPod-Nutzer profitieren. Schließlich waren sie durch die fehlende WMA-Unterstützung des Players bei Online-Kaufmusik bisher auf iTunes festgelegt. Nun können auch sie zu den günstigen Angeboten greifen, mit denen sich die MP3-Shops gerade in der Anfangszeit gegenseitig die Kundschaft streitig machen.

Vom DRM abgewendet haben sich die sogenannten Major-Labels, also die Schwergewichte der Branche. Sie und die assoziierten Online-Shops füllen jetzt keineswegs ein Vakuum, sondern treten in Konkurrenz zu diversen kleineren, aber schon fest etablierten Anbietern, die seit eh und je DRM-freie MP3-Kost ausgeliefert haben. Kurzum: Konkurrenz belebt das Geschäft, doch das läuft dadurch nicht von selbst.

Musikdownload 2009

Der DRM-Wegfall hat die Bedienbarkeit der Shops wenig verändert. Für den iTunes-Kunden sind die Änderungen eh kaum spürbar: Im flüssigen Zusammenspiel von iTunes und iPod war von der im Hintergrund arbeitenden Rechteverwaltung ohnehin nicht viel zu merken. Die restlichen Anbieter haben die neu gewonnene Freiheit bisher kaum zur Verbesserung ihrer Webportale genutzt.

Bei Apple gibt es die AAC-Dateien als "iTunes Plus" nun ohne Fairplay-DRM mit höherer Bitrate (256 kBit/s statt 128 kBit/s). Sicherlich ist die Qualität nicht hörbar doppelt so gut, die klangliche Verbesserung dürfte aber für geübte Ohren im wahrnehmbaren Bereich liegen. Hinzu kommt die Abkehr vom festen Ein-Euro-Download – ab sofort differenziert auch iTunes zwischen Schnäppchen und kostspieligeren Top-Titeln.

Deutliche Preisunterschiede gab es bei den Shops mit Microsoft-DRM schon immer, sie vollführen mit der Umstellung im Vergleich zu iTunes allerdings einen Dreisprung: Nicht nur das Rechtemanagement fällt – auch WMA-Dateien könnte man ohne DRM verkaufen –, sondern man wechselt im gleichen Zug auf das beliebte MP3-Format. Dabei ist der dienstälteste MP3-Codec bei gleicher Bitrate WMA und AAC qualitativ unterlegen. Um die Qualität zu halten, kommen die Anbieter um eine Erhöhung der Bitrate nicht herum. Mit 320 kBit/s liefern die meisten Labels den Shops ihre Musik in der besten Qualität.

Keiner der Anbieter kann beim reinen Kaufvorgang in puncto Bedienfreundlichkeit mit dem iTunes Store mithalten. Die gekauften AAC-Dateien lassen sich – wie schon zuvor – auf mehrere iPods übertragen. Nicht aber auf beliebige portable Audio-Spieler, weil längst nicht alle Geräte am Markt AAC-Dateien wiedergeben können. Wer also auf größtmögliche Flexibilität seiner Kaufmusik Wert legt, wird eher in einen MP3-Shop schreiten. MP3-Dateien lassen sich (fast) überall abspielen.

Bei einzelnen Anbietern gibt es auch schon verlustfrei kodierte Musik zu kaufen – dann allerdings nicht von Major Labels. Bei verlustbehafteter Kodierung lohnt ein Blick auf die Bitrate, um nicht versehentlich Altbestände mit 128 kBit/s in den Einkaufswagen zu packen. Bei Bitraten ab 192 kBit/s wird das Gros der Kunden kaum klangliche Unterschiede zwischen den Shops wahrnehmen. Freunde von Jazz oder Klassik werden vielleicht gezielt Shops mit hoher Qualität ansteuern, da sie ihrer Kaufmusik in sorgsam gewählter Abhörumgebung bewusst lauschen wollen.

Gute Sound-Qualität bekommt man überall geboten, aber es gibt erhebliche Unterschiede im Sortiment. Vollanbieter mit Major-Deals (7digital, iTunes, Media Markt, Musicload, Saturn und Amazon MP3) decken in jedem Fall den Mainstream ab: Bei einem Stichprobentest waren alle aktuellen Top-10-Singles in den Shops verfügbar. iTunes bietet zudem eine breite Auswahl an Sparteninhalten und zusätzliche "iTunes Exclusives" – eigens für iTunes eingespielte und zunächst exklusiv veröffentlichte Titel. Ähnliche Aktionen gibt es auch bei Musicload – mit einiger zeitlicher Verzögerung tauchen diese Inhalte dann auch bei anderen Shops auf. Man darf sich also nicht wundern, wenn ein "iTunes Exclusive" plötzlich im virtuellen Regal des Media-Markt-Shops zu finden ist.

Wer sich eher im Independent-Bereich heimisch fühlt, sollte einen Blick auf akuma, finetunes oder eMusic werfen. Letzterer Dienst bietet den umfangreichsten Musikkatalog und würzt die gut gemachte Homepage mit Reviews und Empfehlungen der Redaktion. DJs finden ihr Futter bei Junodownload oder Beatport. Während sich ersterer Anbieter ausschließlich auf tanzbare Musik beschränkt hat, gibt es bei Beatport zusätzlich Chill-out-Musik oder einfach Alben zum "weghören" – wenn es um elektronische Musik geht, ist alles von Rang und Namen zu finden. Durchaus lohnenswert ist auch ein Besuch bei Zero-Inch – hier ist elektronische Tanzmusik auch nach lokalen Suchkriterien abrufbar. Allein die clever gemachte Vorhörfunktion mit Waveform-Darstellung ist einen Blick wert. Klassische Musik gibt es bei den Vollanbietern, oder auch im DG Web Shop der Deutschen Grammophon.

In allen Shops kann man an der Kasse per Kreditkarte bezahlen. Auch Dienstleister wie PayPal oder Click&Buy werden von einigen Anbietern unterstützt. Media Markt und Saturn bieten für ihre Shops Guthabenkarten an, mit denen man Online einkaufen kann. Auch iTunes verkauft über den Einzelhandel Gutscheinkarten. Elektronische Geschenkgutscheine lassen sich auch bei anderen Anbietern per Mail versenden.

Unterschiede gibt es im Downloadverhalten der einzelnen Shops. iTunes fungiert auf dem PC als Download-Manager und schaufelt Musikdateien dezent im Hintergrund auf die Festplatte. Bei den anderen Shops braucht man zwar keine separate Software – sie lassen sich über den Browser ansteuern –, dafür ist aber auch beim Download Handarbeit angesagt. Ein prall gefüllter Warenkorb lässt sich dabei oftmals als Zip-Download auf den Rechner ziehen. Bei eMusic und Beatport gibt es einen optionalen Download-Manager, der einem das Herunterladen erleichtert. Der brandneue Amazon-Shop lässt sich ausschließlich über den Amazon MP3-Downloader anzapfen. Immerhin ist das Programm für alle Betriebssysteme zu haben.

Einen Überblick der Entwicklung bei Musik-Download-Portalen bietet der Artikel "Gesprengte Ketten, Legale MP3-Downloads in Deutschland" von Sven Hansen in der Printausgabe 9/09 des c't Magazins ab Seite 136. Den Beitrar erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't Kiosk.

Wie die neuen digitalen Wasserzeichen im MP3-Dateien funktionieren, verrät der Artikel "Individuell gestempelt, Die Technik hinter digitalen Audiowasserzeichen" von Dr. Martin Steinbach und Sacha Zmudzinski in der Printausgabe 9/09 des c't Magazins ab Seite 142. Den Beitrar erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't Kiosk. (Sven Hansen) / (gs)

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