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Stimmt’s? - Die größten Mythen aus Computer und Technik Teil 2

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Sorgen mehr Megapixel bei der Digitalkamera wirklich für eins bessere Bild? Erlischt die Garantie des Druckers, wenn ich die günstigere Alternativtinte verwende? Kann Microsoft ein illegal eingesetztes Betriebssystem aus der Ferne einfach abschalten? Das c’t magazin klärt auf, welche PC-Mythen stimmen und welche ins Reich der Fabeln und Irrtümer gehören.

Mythos Nr. 1: Je mehr Megapixel, desto besser die Bildqualität.

Diese These galt, als die meisten kompakten Digitalkameras noch Auflösungen im Bereich von 1 bis 2 Megapixel hatten. Drei statt zwei Megapixel bedeuteten 50 Prozent mehr Auflösung; diesen Detailgewinn konnte man deutlich sehen. Nach dem Überschreiten der 6-Megapixel-Grenze relativierte sich der Gewinn – nun hinkte die Optik der steigenden Sensorauflösung hinterher. Mit immer kleineren Sensoren bei weiter steigenden Auflösungen stieg auch das Bildrauschen an.

Wer heute eine 14- oder 16-Megapixel-Kamera kauft, bemerkt bei der Bildqualität kaum einen relevanten Sprung gegenüber einer sechs Jahre alten, guten 6- oder 8-Megapixel-Kamera. Fortschritte gab es hingegen bei der kamerainternen Bildverarbeitung. Moderne Kameras rechnen Bilder nicht nur besser schön, sondern fokussieren auch schneller. Bei digitalen Spiegelreflexkameras ist die Sache wegen der ungleich größeren Sensorfläche nicht ganz so kritisch; hier ist die Vernunftgröße je nach Sensortyp bei 15 bis 20 Megapixeln erreicht.

Mythos Nr. 2: Die Garantie meines Druckers erlischt, wenn ich günstige Fremdtinte nutze.

Das ist so eindeutig falsch. Nur wenn die Tinte nachweislich den Schaden verursacht hat, darf der Hersteller die Garantie verweigern. In diesem Fall würde aber der Anbieter der Tinte haften, wenn er Kompatibilität mit dem Druckermodell zugesagt hat. In der Praxis besteht das größte Problem für den Kunden darin, dieses Recht auch durchzusetzen. Kauft man die Tinte in der Garantie- und Gewährleistungszeit am selben Ort, wo man auch den Drucker erworben hat, kann sich der Verkäufer kaum damit herausreden, die Tinte sei schuld.

Mythos Nr. 3: Microsoft kann ein illegales Windows aus der Ferne abschalten.

Das kommt auf das Windows an. Scheitert die Überprüfung eines Installationsschlüssels bei Windows XP und Vista, versetzt sich das System in einen „Modus eingeschränkter Funktionalität“, in dem der Anwender letztlich nur noch die Wahl hat, das System neu zu aktivieren.

Windows 7 läuft auch ohne gültigen Lizenzschlüssel weiter, macht aber unter anderem durch Hinweise und einen schwarzen Desktop-Hintergrund auf die ungeklärte Lage aufmerksam.

Mythos Nr. 4: Man darf CDs und MP3s bis zu sieben Mal kopieren und an Freunde weitergeben.

Im Prinzip stimmt das. Die kurios wirkende Maximalzahl beruht auf einem Urteil des BGH von 1978, das für nichtdigitale Medien gefällt wurde. Allerdings ist diese Zahl unter Juristen umstritten.

Zudem wurde das Recht auf Privatkopien seitdem stark eingeschränkt: Sobald ein Kopierschutz überwunden werden muss, ist jegliche Vervielfältigung verboten.

In keinem Fall darf als Quelle eine „offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage“ verwendet werden, etwa ein illegal aus dem Internet „bezogener“ Blockbuster.

Bei Software sind Privatkopien grundsätzlich verboten. Legale Download-Portale wie Amazon, iTunes, Musicload und Saturn schließen in ihren Geschäftsbedingungen die Weitergabe ihrer Daten an Dritte meist ausdrücklich aus.

Mythos Nr. 5: Digitale Daten sind unvergänglich.

Von wegen! Verglichen mit der Lebensdauer der Keilschrift auf tausend Jahre alten Steiltafeln oder von Jahrhunderte altem säurefreiem Papier halten digitale Datenträger nur einen Atemzug lang.

Selbst die besten Langzeit-Archiv-DVDs hielten in der c’t-Klimakammer hochgerechnet gerade mal durchschnittlich 18 Jahre. Magnetische Medien liegen in derselben Größenordung; große Magnet-Bänder halten bis zu 30 Jahre lang. Eine sicher eingelagerte Festplatte dürfte 10 bis 30 Jahre überleben – nur: Womit will man diese Uralt-Medien in 20 Jahren noch auslesen? Auch USB-Sticks und SSDs weisen keine hohe Standhaftigkeit auf; sie dürften maximal 10 Jahre halten.

Die beste Lösung zur Archivierung der wertvollen Fotosammlung ist noch der Ausdruck über einen professionellen Belichter – auch wenn die Bilder im Laufe der Jahrzehnte verblassen und vergilben. Wirklich wichtige Texte sollte man per Laserdrucker auf säurefreiem Papier ausdrucken (nach DIN ISO 9706).

Zur zuverlässigen digitalen Konservierung muss man die Daten regelmäßig auf neue Medien umkopieren und gegebenenfalls in modernere Formate konvertieren. Im Unterschied zu analogen Archiven ist digitale Archivierung somit ein kontinuierlicher Vorgang.

Weitere PC- und Technik-Mythen finden Sie in der Sendung vom 12.2.2011 und in der Printausgabe 5/2011 des c't magazins im Artikel "PC-Mythen aufgeklärt, „Windows wird immer langsamer“ und andere Legenden" ab Seite 84. (gs)

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