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Top oder Flop? - Schnurer's wöchentliche Einkaufstour (3SAT)

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Acer Aspire Revo R3600 – HD-Video-tauglicher Mini-PC

Noch Anfang vorigen Jahres konnten nur potente PCs mit separaten Grafikkarten HD-Video von Blu-ray Discs sauber abspielen. Jetzt genügt dazu die Leistung eines 300-Euro-PC.

Erst im Dezember 2008 wachte Nvidia endlich auf: Ein halbes Jahr lang schaute der Grafikund Chipsatzspezialist den Verkaufserfolgen von Intels Atom-Prozessoren für Netbooks und billige Mini-PCs – Nettops genannt – tatenlos zu. Dann kündigte er die Plattform namens Ion als Kombination einer Atom-CPU mit dem hauseigenen Chipsatz GeForce 9400 an, der einen DirectX-10- und HD-Videotauglichen Grafikprozessor enthält. Acer ist der erste PC-Hersteller, der ein Ion-System verkauft, nämlich den inklusive Betriebssystem bloß 300 Euro teuren Aspire Revo R3600.

Zum Blu-ray-Abspieler fehlen dem Gerät leider zwei wesentliche Komponenten, nämlich ein optisches Laufwerk sowie der passende Software-Decoder – Acer spielt lediglich eine Blu-ray- und Surround-Sound-untaugliche OEM-Version von Cyberlink PowerDVD 8 auf. Das ist angesichts des Revo-Preises und seines Gehäusevolumens (1,5 Liter) verständlich – immerhin kostet ein BD-ROM-taugliches Slimline-Laufwerk noch deutlich über 100 Euro und PowerDVD 8 Ultra 50 Euro. Wir haben die erwähnte Software selbst installiert, ein externes BD-Laufwerk per USB angeschlossen und voilà: Der Revo R3600 spielt HD-Video problemlos ab, auch in 1080p/24. Dank der GeForce-Beschleunigung hat die CPU noch ausreichend Rechenkraft-Reserven für einen zweiten Video-Datenstrom in Standardauflösung. BD-Java-Applikationen bringen den schwachbrüstigen Atom allerdings rasch an seine Grenzen und das Laden der Abspielsoftware dauert ziemlich lange – wie grundsätzlich bei allen "normalen" Applikationen die sehr gemächliche Gangart des 4-Watt-Prozessors auffällt.

Die mit Software-Probierversionen überfrachtete Windows-Vista-Vorinstallation bremst den Revo zusätzlich. Immerhin hat Acer 2 GByte RAM eingebaut, um den Nachteil von Vista im Vergleich zu dem bei Nettops sonst üblichen Windows XP ein wenig zu mildern. Weil Vista Home Premium zum Einsatz kommt, ist auch das Media-Center an Bord – mit einem 25-Euro-USB-Empfänger (mit BDA-Treiber) mutiert der Revo leicht zum DVB-T-Empfänger.

Für Performance-hungrige Spiele taugt der Revo nicht. Acer sieht das Kästchen dennoch als Spiele-Plattform und installiert mit GameZone eine Art Portal, das zum kostenpflichtigen Download von rund 300 "Casual Games" einlädt und 11 zeitlich limitierte Demo-Versionen enthält.

Der Windows-Grafiktreiber in Version 185.45 ist auf der Nvidia-Webseite bisher nicht zu finden. Die Chipsatztreiber lassen Vista nicht – wie üblich – zwischen PCI- und PCIe-Ports unterscheiden und ermöglichen nur riskantes eSATA-Hot-Plugging.

Die magere Kapazität der internen Notebook-Festplatte lässt sich via eSATA extern kompensieren; leider sitzt der Anschluss aber vorne am eher unpraktisch geformten Gehäuse, das an drei Seiten Buchsen trägt. Ein rückseitiger eSATA-Anschluss wäre ebenso sinnvoll gewesen wie ein eSATA/USB-Kombiport.

Der HDMI-Ausgang überträgt auch ein digitales Tonsignal; ein separater SPDIF-Ausgang fehlt, die beiden Audio-Klinkenbuchsen liefern nur Stereoton. Der Revo R3600 rauscht im Leerlauf sehr leise, der Lüfter dreht allerdings nach dem Einschalten kurz hoch. Auch unter Volllast bleibt das Ventilatorgeräusch im "guten" Bereich. Die Leistungsaufnahme ist im Vergleich zu Desktop-Rechnern sehr niedrig, liegt aber etwas höher als etwa beim (nicht HD-tauglichen) Atom-Nettop Asus Eee Box B202.

Der Revo arbeitet entweder liegend oder auf einer mitgelieferten Acrylglas-"Untertasse" stehend, außerdem kann man ihn mit einer ebenfalls beigelegten Halterung hinter Flachbildschirmen mit VESA-Gewindebohrungen festklammern.

Beeindruckend

Mit dem Aspire Revo zeigen Acer und Nvidia eindrucksvoll, wie ein preiswerter, leiser, sparsamer und trotzdem HD-tauglicher Mini-PC aussieht. Blu-ray-Video am Computer scheitert also nicht mehr an schwachen Prozessoren – den schwarzen Kosten-Peter haben jetzt die Hersteller von optischen Laufwerken und Abspielsoftware.

Ein flotter Grafikprozessor macht allerdings aus einem billigen Nettop mit lahmem Hauptprozessor keinen vollwertigen PC: Schon bei simpler Bildbearbeitung etwa spürt man die Atom-Bremse deutlich. Die vorinstallierte Software schluckt zusätzlich Performance. Das Kistchen taugt außer zur Medienwiedergabe aber auch zum Surfen oder für einfache Büroarbeiten. Als Wohnzimmer-PC wünscht man sich eine Blu-ray-taugliche Variante im HiFi-Baustein-Format mit größerer Festplatte und Fernbedienung.

3D mit 3G

Räumliche Bilder ohne spezielle 3D-Brille – das verspricht die 3DeeShell fürs iPhone 3G. Möglich machts ein Gehäuse mit einschiebbarer Spezialscheibe.

Das iPhone 3G kann jetzt auch 3D – und zwar mit Hilfe des 3DeeShell-Gehäuses des US-Herstellers Wazabee. Die Kunststoff-Schale hat einen Schlitz, der eine sogenannte "3DeeLens" aufnimmt. Steckt die Scheibe vor dem iPhone-Display, lassen sich speziell für die Wazabee-Lösung aufbereitete Videos und Bilder räumlich darstellen, ganz ohne Brille. Das auf Lentikular-Linsen basierende Prinzip ist nicht neu: Bereits vor über hundert Jahren wurde die auch als Linsenraster oder "Wackelbild" bekannte Technik erfunden, die mit Hilfe von Zylinderlinsen oder -prismen die Sicht auf bestimmte Linsenstreifen fokussiert.

Das alte Problem fast aller 3D-Produkte – nämlich dass es wenig bis keine Inhalte dafür gibt – hat Wazabee recht elegant zu lösen versucht: So bietet das Unternehmen die iPhone-Applikation "3Dee!oadr" an (1,59 Euro), die aus dem schier unerschöpflichen Fundus der Online-Bilddatenbank Flickr stereoskopische Fotos heraussucht und versucht, diese ins 3DeeShell-Format zu konvertieren. Leider scheitert das in vielen Fällen und auch die vorgegebenen Such-Strings führten bei unseren Tests oft ins Leere.

Besser gefällt da schon die Applikation "3DeeCamera" (79 Cent) – denn da kann man selbst kreativ werden und mit der iPhone-eigenen Kamera 3D-Fotos produzieren. Für schnöde Frei-Hand-Schüsse ist das Ergebnis erstaunlich: Die Software kann zwei mit ungefähren Augenabstand aufgenommene Bilder automatisch anpassen, noch besser funktioniert aber die manuelle Bearbeitung. Anzeigen lassen sich die Fotos nicht nur im 3DeeShell-Format, sondern auch als Anaglyphen (für Rot-Cyan-Brillen). Anschließend kann man die Stereofotos im Nebeneinander-Format abspeichern – wenn man die Dateiendung von JPG in JPS ändert, lassen sich die selbst produzierten Fotos auch mit Stereoviewern am PC an zeigen.

Außerdem im App-Store-Angebot: "Hunter 3Dee", ein kostenloses, recht biederes Horizontal-Ballerspiel mit 3DeeShell-Unterstützung. Last and least bietet Wazabee "3DeeFriends" an, ein ebenfalls kostenloses Programm, mit dem man auf die Bilderordner seiner Facebook-Freunde zugreifen kann; sinnvoll ist das freilich nur, wenn dort auch 3D-Bilder liegen – meistens also nicht. Bislang sind es zwei Produktionsfirmen, die – recht unterschiedliche – 3D-Videos im Wazabee-Format anbieten: Von Trimaris gibt es hübsch gemachte Marionetten-Märchen (bislang ist erst eines erhältlich, Rumpelstilzchen), Pink Visual produziert räumliche Pornos.

Alles in allem ist die 3DeeShell von Trimaris ein schönes Spielzeug: Wenn man den richtigen Sehabstand und den richtigen Winkel gefunden hat, funktioniert der 3D-Effekt richtig gut. Das bei Lentikularlinsen systembedingte Problem der halbierten Auflösung kann jedoch auch Wazabee nicht lösen: Wenn ein (2D-)Display zwei verschiedene Bilder gleichzeitig darstellen soll, geht es schlicht nicht ohne Einbußen. Das zweite Manko der Wazabee-Technik: Mit eingesteckter Scheibe ist nur das untere Fünftel des iPhone-Displays "touchbar". Weiter oben angeordnete Bedienelemente lassen sich erst verwenden, wenn man die "3DeeLens" nach oben schiebt. Der ganze Touchscreen ist erst mit fast komplett aus dem Gehäuse geschobener Scheibe bedienbar (--] schön sieht das nicht aus. Etwas eleganter wäre, wenn man die Scheibe bei Nichtgebrauch im hinteren Gehäuseteil verstauen könnte. Ebenfalls nervig: Beim ständigen Raus- und Reinschieben zerkratzte bei unserem Testgerät die – sinnvollerweise mitgelieferte – Displayschutzfolie.

Wazabee hat sich redlich Mühe gegeben, den 3DeeShell-Nutzern unterschiedliche 3D-Inhalte zur Verfügung zu stellen: Neben herstellereigenen Bildern und Videos auf wazabee.net lädt die brauchbare "3DeeCamera"-Anwendung zum Experimentieren ein. Außerdem hat man mit Trimaris und Pink Visual bereits zwei Content-Lieferanten ins Boot geholt – beide bieten aber eher spezielles Material an (siehe oben). Interessanter wären da schon für die 3DeeShell aufbereitete Versionen aktueller 3D-Kinofilme. Doch die wird es wohl nur geben, wenn sich das nicht ganz billige Wazabee-Produkt am Markt durchsetzt.

Solid-State-Disks werden billiger

Auch wenn noch einige Tücken im Umgang mit Solid-State Disks in der Praxis lauern, gewinnt die junge Technik langsam an Fahrt. Dank hoher Transferraten, knackig kurzer Zugriffszeiten, niedriger Leistungsaufnahme und geräuschlosem Betrieb bieten sich mittlerweile gleich drei SSDs als schnelle Festplattenalternative an. Die aktuellen Modelle von Samsung (PB22-J) und OCZ Technology (Vertex) übertrumpfen Intels X-25M beim sequenziellen Schreiben deutlich. Unter hoher Last brechen die Schreibtransferraten jedoch stark ein. Bei Intels Disk mit aktueller Firmware konnten wir dieses Phänomen nicht messen. Das Tempo bei Alltags-Anwendungen beschleunigen jedoch alle drei im Vergleich zum Betrieb mit einer Festplatte in etwa gleichermaßen.

Damit Solid-State Disks endlich der Durchbruch auf dem Masssenmarkt gelingt, müssen aber noch die Preise fallen, denn schnelle SSDs mit mindestens 120 GByte kosten immer noch rund 320 Euro. OCZ und Samsung bieten ihre Modelle einen Tick günstiger an als Intel – ausgeklammert ist da bereits Intels X25-E, die mit dem teuren SLC-Flash aber ohnehin nicht für Privatleute, sondern für den Servereinsatz gedacht ist. Aber aufgepasst beim Kauf: Die günstigeren kleineren Modelle von Samsung oder OCZ sind meist auch einen Tick langsamer als die hier vorgestellten größeren Brüder gleicher Baureihe. Nach wie vor gibt es außerdem noch lahme Enten am Markt, etwa OCZs Apex oder Patriots Warp v3, die ältere JMicron-Controller einsetzen und ihr Versprechen von geringen Zugriffszeiten und geringer Leistungsaufnahme nicht erfüllen. Auch preislich sind sie nicht konkurrenzfähig.

Einen detailieten Test aktueller SSD-Modelle finden Sie im Artikel "Entdeckungsreise, Solid-State Disks mit bis zu 256 GByte" von Bio Feddern in der Printausgabe 11/09 des c't magazins ab Seite 100. Den Beitrag erhalten Sie auch als pdf-Datei im c't Kiosk. (Georg Schnurer) / (gs)

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